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Rietberg

Trauer um Druffeler Bildhauer Johannes Niemeier

Rietberg

Sein Lebenswerk findet sich in rund 50 Kirchen wieder. Überdies hat Johannes Niemeier viele weltliche Arbeiten hinterlassen.

Die Bronze-Skulptur „Gauklerin“ hatte Johannes Niemeier für die Landesgartenschau Rietberg 2008 geschaffen. Sie steht heute im Rosengarten. Am 21. Februar ist der bundesweit bekannte Bildhauer 91-jährig verstorben.

Rietberg-Druffel (gdd) - Sein Glaube an Gott war die Grundlage seines künstlerischen Schaffens: Johannes Niemeier ist am 21. Februar 91-jährig verstorben – drei Wochen nach seinem Geburtstag, den er noch im Familienkreis gefeiert hat.

Der gebürtige Druffeler war bundesweit als Bildhauer bekannt, dessen Anliegen es war, religiöser Kunst Ausdruck, Form und Gestalt zu geben. Sein Lebenswerk findet sich in rund 50 Kirchen wieder. Überdies hat Johannes Niemeier viele weltliche Arbeiten hinterlassen, so den zum 700-jährigen Stadtjubiläum 1989 geschaffenen Stadtbrunnen mit seinen Bronzevögeln auf dem Bolzenmarkt und das Westerwieher Geflügeldenkmal von 1998. 

Verschränkung einer Bild-Idee mit der Wirklichkeit

In einer Biografie von 2016 hat Dr. Peter Ruhnau, ehemals Diözesanbaumeister in Paderborn, eine von ihm begleitete 30-jährige Wegstrecke Niemeiers, der in der „Wiedenbrücker Schule“ das Holzschnitzen erlernt hatte, beschrieben. „Die Leidenschaft des Bildens hat ihn nicht mehr losgelassen“, skizziert der Autor einen Kreativen, der später an der Akademie der Bildenden Künste München studiert hatte, als Künstler jedoch nur bedingt gesehen werden wollte.

Das hatte entscheidend mit seinem Hauptarbeitsgebiet zu tun: Niemeier wollte, wie er häufiger betonte, „Verkündung machen“, indem er das „Entstehen der Dinge“ in seiner Werkstatt erblickte, um zu beobachten, was hinter diesen Dingen steht. „Immer ging es ihm um die Verschränkung einer Bild-Idee mit der Wirklichkeit“, resümiert der Autor. Niemeier bescheinigte er ein pragmatisches Verhältnis zur Vergänglichkeit auch von Sakralkunst, verbunden mit einer inneren Souveränität.

Krönung des Schaffens in Berlin verewigt

Seine Fähigkeiten machten ihn bei den kirchlichen Auftraggebern zu einem über alle Maßen gefragten Schöpfer diverser Wünsche. Niemeiers Ausstattung der Kapelle in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin 2001 könnte indessen die Krönung seines Schaffens gewesen sein. Diesen Auftrag hatte der damalige Vertreter des Papsts für Deutschland eingefädelt, der ein Exponat in Bronze, wie er es im Paderborner Leokonvikt gesehen hatte, für die Kapelle der neuen Vatikanischen Botschaft anforderte.

Johannes Niemeier lieferte: die Bronze „Maria Sitz der Weisheit“ , dazu einen weißen Marmoraltar, Ambo, Tabernakel, Kreuz und Leuchter. Diesen Bogen zwischen Orts- und Weltkirche zu spannen, den er auf der Basis eines Innenraummodells realisieren konnte, dürfte ihm im Stillen besonders gefallen haben. Die Demut des Druffelers, der jegliches Aufhebens um sich verneint hat, war ein Schleier. Viele Bewunderer seiner Kunst durften ihn hin und wieder lüften. Die Beerdigung findet am Freitag, 4. März, 14.30 Uhr, auf dem Neuenkirchener Friedhof statt.

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