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Rietberg

Ungeduldiges Warten auf Impfzentrum

Rietberg (gdd) - Auch in Rietbergs Partnerstadt Ribérac bleibt Covid ein Riesenthema. Seit Montag wird in der Gemeinde geimpft. Im Departement Dordogne in der französischen Region Aquitanien verschärft sich die Situation. Der Inzidenzwert hat einen vorläufigen Höchststand erreicht.

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Auf dem Wochenmarkt von Ribérac herrscht Maskenpflicht. Seit die Infektionszahlen wieder schlechter geworden sind, hat sich die Händlerschaft ausgedünnt. Nur noch die Hälfte der Stände ist auf dem Platz vertreten. Foto:

Lag die Sieben-Tage-Inzidenz an Weihnachten noch bei 39, ist der Wert nach 61,7 vor zwei Wochen inzwischen auf den bisherigen Höchststand von 139 gestiegen. Bei gut 410 000 Einwohnern im Departement seien – Stand vergangene Woche – bereits 60 Personen an Corona verstorben, teilt Bernhard Altehülshorst als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Rietberg-Ribérac dieser Zeitung mit. 79 Menschen wurden stationär behandelt, davon drei intensivmedizinisch. Vor Weihnachten habe ein harter Lockdown, auf Französisch „Confinement“ genannt, gegolten. Dies führte zu hitzigen Diskussionen, weil die kleinen Einzelhandelsgeschäfte schließen mussten, die großen Einkaufszentren aber geöffnet bleiben durften.

Etwas in Verzug

Altehülshorst sprach jüngst mit Nicolas Platon. Der frühere Direktor des Amts für Öffentlichkeit im Departement Dordogne ist seit Juni Ribéracs Bürgermeister. Er habe ihn ausführlich über die Pandemie-Entwicklung unterrichtet, erklärt Altehülshorst. Demnach ist die Situation zunächst relativ entspannt gewesen. Lange habe die Inzidenz deutlich unter dem Wert im Kreis Gütersloh und der Stadt Rietberg gelegen. Nun aber spitze sich die Lage zu.

„Beim Impfen sind die Franzosen in Verzug, was vor einigen Tagen schon zu einem Wutausbruch des Präsidenten Emanuel Macron geführt hat“, weiß Bernhard Altehülshorst zu berichten. Im Departement Dordogne seien erst am 7. Januar die ersten Impfungen durchgeführt worden. In Ribérac werde das Vakzin seit dem gestrigen Dienstag injiziert.

Vergleichbar mit Deutschland

Wer wann geimpft wird, sei mit der in Deutschland festgesetzten Reihenfolge vergleichbar. Erst erhalten die Bewohner der Altenheime das Vakzin, dann sind das Pflegepersonal und die in Gesundheitsberufen Beschäftigten dran. „Erst in der zweiten Runde werden die über 75-Jährigen geimpft, dann die über 65-Jährigen und so weiter“, sagt der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees. Platon habe ihm erklärt, er warte ungeduldig auf die Einrichtung eines Impfzentrums, das entweder im Justizgebäude oder in Ribéracs Mehrzweckhalle verortet sein wird.

Finanzamt dicht

Weiteres Hauptthema in Ribérac ist zurzeit die erfolgte Schließung des Finanzamts zum 31. Dezember. Die Kleinstädte in Frankreich leiden darunter, dass immer mehr staatliche Institutionen dichtmachen. Im Departement Dordogne befand sich bisher in jedem Kanton eine Außenstelle des Finanzamts. Von ehemals 52 Filialen sind indessen nur noch fünf übrig. Ribéracs Stadtrat habe zwar vor Weihnachten eine einstimmige Resolution gegen die Schließung auf den Weg gebracht. Dies werde aber wohl nicht viel ändern, gibt Bernhard Altehülshorst die Einschätzung von Nicolas Platon wieder.

Nächtliches Ausgangsverbot

Der offizielle Neujahrsempfang der Kleinstadt Ribérac habe coronabedingt ausfallen müssen, hat Bernhard Altehülshorst im Gespräch mit Nicolas Platon erfahren. Da sich die Infektionslage in den vergangenen Tagen wieder verschlechtert hat, müssen auch in der Partnerstadt Restaurants, Fitnessstudios und Kinos bis zum Monatsende geschlossen bleiben. Aktuell greife ein Ausgangsverbot für die Bürger von 18 bis 6 Uhr. Es gelte weiter eine Maskenpflicht, nämlich freitags zwischen 7 und 13 Uhr, wenn der Wochenmarkt Besucher lockt. Jeder Verstoß werde mit einer Geldbuße von 135 Euro geahndet.

Marktbeschicker frustriert

Auch Ribéracs Wochenmarkt selbst leidet unter der Corona-Lage: „Nur die Hälfte der Stände ist geöffnet“, sagt Altehülshorst. Die Händler hätten sich überwiegend zurückgezogen – aus Angst vor Ansteckungen. Im Herbst und Winter findet traditionell an den Freitagen ein Spezialmarkt für Gänseleber und Trüffel statt. Für den Edelpilz sei 2020 von der Menge und Qualität her indessen kein gutes Jahr gewesen, meint der Komiteevorsitzende. Vergangenen Freitag seien insgesamt nur 8,9 Kilogramm der berühmten schwarzen Perigord-Trüffel angeboten worden. Voriges Jahr waren es 31 Kilogramm. Zudem sei der Preis von 800 bis 900 Euro je Kilogramm auf 500 bis 800 Euro gefallen.

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