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Rietberg

Varenseller Ordensschwestern heizen nachhaltig

Rietberg (gl)

Im Kloster Varensell arbeitet eine der ersten Holzhackschnitzelheizungen der Region. 2007 wurde sie installiert.

Im Klosterdorf heizen die Ordensfrauen mit nachwachsenden Rohstoffen. Bürgermeister Andreas Sunder (stehend, l.) bedankte sich bei Schwester Miriam für die Einblicke in die Abtei Varensell.

Rietberg (gl) - „Wir dürfen hinter Türen schauen, die einem sonst verschlossen bleiben.“ Oder: „Man bekommt alles von Fachleuten erklärt.“ Fazits wie diese haben die Teilnehmer der jüngsten „Tour de Rietberg“ gezogen. 35 Frauen und Männer erkundeten per Fahrrad im Rahmen der Klimawoche verschiedene Stationen im Stadtgebiet. Dabei standen verschiedene Heizkonzepte im Vordergrund.

Heizzentrale der Stadt Rietberg am Torfweg läuft im Testbetrieb

Erste Einblicke in die neue Heizzentrale der Stadt Rietberg erlaubte Mitarbeiter Michael Kaune den Radlern am Torfweg. Das System läuft seit ein paar Tagen im Probebetrieb. Aktuell wird es noch mit einem Reserve-Gaskessel betrieben. Im Herbst soll die Holzhackschnitzelheizung mit einer Leistung von 850 Kilowatt die Arbeit übernehmen und so die Heizung für sieben städtische Liegenschaften weitestgehend unabhängig von fossilen Brennstoffen machen. Mit 90 Grad im Vorlauf geht das Warmwasser in die 1400 Meter lange Nahwärmeleitung – sie verliert auf der Strecke bis zum Freibad lediglich ein Grad.

Zusätzlich werden bald auch das Schulzentrum, die Cultura und die städtischen Verwaltungsgebäude im Stadtkern mit Wärme versorgt. Dazu werden Holzhackschnitzel aus der Region angeliefert, aber auch die Holzabfälle verarbeitet, die bei den Pflegearbeiten der städtischen Bauhofmitarbeiter anfallen. 

Ähnlich wird auch das Schulzentrum in Neuenkirchen beheizt – die nächste Station der Radwanderer. Dort allerdings werden kleine Holzpellets verbrannt. 130 Tonnen pro Jahr werden benötigt, erklärte Henning Benkhoff von der städtischen Hochbauabteilung den Teilnehmern der „Tour de Rietberg“.

40.000 Kubikmeter umbauter Raum in Abtei Varensell

Eine der ältesten Holzhackschnitzelheizungen der Region präsentierte Schwester Miriam hinter den Mauern der Abtei Varensell. „Als wir 2007 unsere Heizung erneuern mussten, haben wir nach einer sinnvollen und nachhaltigen, aber auch finanzierbaren Lösung gesucht“, berichtete die Ordensfrau, die bis Ende vergangenen Jahres vier Jahrzehnte lang Hausmeisterin des Varenseller Klosters war. Nachdem das Klostergebäude aus den 1960er-Jahren energetisch saniert wurde, hätten sich die Heizkosten halbiert, erfuhren die interessiert zuhörenden Fahrradfahrer. 800 Kubikmeter Hackschnitzel werden jährlich verwertet, um etwa 40 000 Kubikmeter umbauten Raum zu beheizen. „Das ist so viel wie 60 Eigentumswohnungen“, erläuterte Schwester Miriam. Im Sommer genüge indes die Abwärme aus dem Heizsystem eines separaten Blockheizkraftwerks.

Am Freibad schließt sich der Kreis

Die letzte Station war ein modernes Mehrfamilienhaus an der Mühlenstraße. Bauherrin Dorothea Weinhold-Bartscher erklärte an Ort und Stelle, mit welchen Mitteln sie den Neubau harmonisch in die vorhandene Substanz der historischen Altstadt einfügte. Dass das Objekt für fünf Wohneinheiten zudem mit Erdwärme beheizt wird, trägt zusätzlich zum Schutz der Umwelt bei. Über das Erlebte und Erfahrene tauschten sich die Teilnehmer der „Tour de Rietberg“ zum Abschluss bei Wildbratwurst und Getränken im Rietberger Freibad mit Bürgermeister Andreas Sunder aus. Damit schloss sich zudem der Kreis: Denn dort kommt die Wärme aus der Heizzentrale an, die an der ersten Station besichtigt worden war.

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