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Rietberg

Wunsch nach Normalität und Lebensfreude

Rietberg (gg)

Stöbern, Stimmung und halbe Preise sind beim Dämmershopping mit verlängerter Öffnungszeit in der Rietberger Innenstadt angesagt gewesen. Begleitet von angenehmen Temperaturen flanierten Scharen von Besuchern durch den Stadtkern und genossen ein abwechslungsreiches Einkaufserlebnis.

Wo „Stelte“ ist, ist Stimmung: Der Westerwieher Alleinunterhalter Norbert Steltenkamp vertrieb beim Dämmershopping in Rietberg mit seiner Gitarre die letzten trüben Gedanken an die Corona-Pandemie – zumindest zeitweilig. Seine Fans – wie hier vorm „Alten Graf“ – dankten es ihm. Foto:

Empfangen wurden sie dabei nicht nur von den zahlreichen Einzelhändlern entlang der Rathausstraße, sondern auch von dem Session-Sax-Duo sowie den Luftballonkünstlern Yelka Bunje und Lothar Stibbe von der Osnabrücker Kinderwerkstatt.

„Wo liegt das Problem?“

Bedenken angesichts steigender Coronazahlen gab es bei den Besuchern keine. Im Gegenteil. „Das ist doch hier alles unter freiem Himmel und in die Geschäfte darf ohnehin nur eine begrenzte Anzahl von Kunden. Wo liegt also das Problem?“, fragte Thomas Wallmeier (37), der mit Ehefrau, Kindern, Eltern und Freunden von Harsewinkel nach Rietberg gefahren war.

„Diese ewige Angst- und Panikmacherei seit mehr als eineinhalb Jahren hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Wir brauchen alle endlich mal wieder etwas Lebensfreude und Normalität“, waren sich Irina Müller (47) und Michaela Obst (57) einig. Die beiden Gütersloherinnen hatten sich ebenfalls wegen des Dämmershoppings auf den Weg nach Rietberg gemacht.

Sehnsucht nach Unbeschwertheit

Der Aktionsabend war nicht nur als Fördermaßnahme für den stationären Einzelhandel gedacht, sondern galt auch als Auftakt der Pop-Up-Artist-Reihe im Rahmen des Kultursommers 2021. Dabei können sich Besucher bis Ende August immer wieder auf kleine Überraschungsauftritte verschiedener Künstler in der Innenstadt freuen.

Wie tief die Sehnsucht nach Unbeschwertheit und Zusammenkommen war, zeigte sich in der Außengastronomie zwischen den Fachwerkhäusern und Gassen entlang der Rathausstraße sowie auf dem Marktplatz. Fröhlich wurde ohne große Einschränkungen gegessen und getrunken. Die Kaufmannschaft begrüßte die Besucher mit kleinen Aktionen und kräftigen Rabatten.

Händler fürchten Online-Konkurrenz

Ein Händler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erklärte, dass das Dämmershopping ein Signal sei, um die Verbraucher wieder in die Läden zu locken. „Natürlich muss man vorsichtig sein, doch erneute Lockdowns oder strengere Einschränkungen sind keine Lösungen. Um zu überleben brauchen wir die Kundschaft, denn die Konkurrenz aus dem Internet ist groß.“

Fachverkäuferin Petra Beermann vom Schuhhaus Tölle zeigte sich mit dem Dämmershopping ebenfalls zufrieden. Auch wenn nicht jeder Innenstadtbummler direkt etwas gekauft habe, seien Produktpräsentationen und die Möglichkeit des Stöberns im Sortiment für ein attraktives Einkaufserlebnis vor Ort wichtig – und wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Kundenbindung.

Erster Auftritt seit eineinhalb Jahren

Alle Hände voll zu tun hatten am Freitagabend nicht nur die Einzelhändler, sondern auch die Luftballonkünstler Yelka Bunje und Lothar Stibbe. Im Minutentakt formten sie für ihre kleinen Gäste bunte Ballonfiguren. „Es ist heute nach eineinhalb Jahren das erste Mal, dass wir wieder in der Öffentlichkeit agieren dürfen“, berichteten die beiden freudestrahlend.

Einige Meter weiter spielte das Session-Sax-Duo für Besucher eines Biergartens auf. Martin Rode (Tenorsaxophon) und Dieter Brokemper (Baritonsaxophon) aus Rheda-Wiedenbrück wurden von den Veranstaltern als mobiler Walking-Act gebucht. Mehr als ein Jahr seien sie durch die strengen Corona-Verordnungen komplett ausgebremst gewesen. Nun freuten sie sich, dass sie wieder vermehrt Anfragen verbuchen können, sagte Martin Rode. Zwischen 30 bis 40 Auftritte absolviert das Duo normalerweise pro Jahr, seit Beginn der Pandemie waren es erst neun.

„Stelte“ vertreibt die trüben Gedanken

Auf der Terrasse des Gasthauses „Zum alten Graf“ mischte Norbert „Stelte“ Steltenkamp aus Westerwiehe das Publikum auf. Mit Witzen und bekannten Hits vertrieb er die letzten trüben Corona-Gedanken aus den Köpfen der Gäste – zumindest für diesen Abend. Als „Stelte“ auf seiner Gitarre „Country Roads“ anstimmte, sangen diese voller Inbrunst und Begeisterung mit. Der Alleinunterhalter strahlte zufrieden, seine Fans applaudierten.

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