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Augustdorfer und Stukenbrocker kämpften mit Gewalt um Huderechte

200 Jahre Frieden mit den Nachbarn

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Es ging ums nackte Überleben. Die Bauern mussten um jeden Meter der kargen Senne als Weideland (=Hude) kämpfen.« Am 30. Juni 1817 wurde der Hudekrieg zwischen Augustdorf und Stukenbrock beendet. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr und Augustdorfs Bürgermeister Andreas Wulf haben den 200 Jahre alten Frieden am Freitag dort besiegelt, wo er geschlossen worden war – auf dem Vogteihof Welschof.

Monika Schönfeld

Der Heimatverein Augustdorf mit (vorn von links) Achim Arndt, Karl Stamm, (stehend) Brigitte Trakies, Mechthild und Gregor Müllensiefen, Dieter Renger, Erich und Hildegard Weltermann und Annette Strohdiek in malerischen Trachten. Unsere Vorfahren konnten aber auch anders: Um die Weiderechte wurde bis aufs Blut gekämpft, bis sie vor 200 Jahren vertraglich geregelt wurden. Foto: Monika Schönfeld

Vor mehr als 200 Jahren haben sich die Augustdorfer richtige Dorfschlachten mit den Stukenbrockern geliefert. Dabei wurde nicht zimperlich miteinander umgegangen. Manchmal seien 100 Personen an solchen Scharmützeln beteiligt gewesen. Immer neue Übergriffe beider Seiten hatten bedrohliche Formen für den Landesfrieden angenommen. »Erst nach dem Wiener Kongress, der ab 1815 für eine Neuordnung Deutschlands sorgte, wurde Westfalen wieder Preußen zugeschlagen, und es kam jetzt auch in der Senne zwischen den verfeindeten Parteien zu einer Einigung«, sagt Ortsheimatpfleger Ludwig Teichmann. »Nach mehrfachen Versuchen erreichte man am 30. Juni 1817 auf dem Vogtshof Welschof in Stukenbrock eine Einigung zwischen Lippischer und Preußischer Regierung. Um zukünftig Grenzstreitereien bezüglich der Hude zu vermeiden, wurde ein zwei Fuß tiefer Graben als Grenze der jeweiligen Hudegebiete ausgehoben.« Entsprechende Hudesteine wurden gesetzt. Davon gibt es noch zwei, einen im Augustdorfer Dünenfeld und einen an der Augustdorfer Straße in Höhe der Sandgrube Brink.

Statt Stroh verwendeten die Bauern damals Plaggen als Streu für die Tiere. Das war die Heide, die mit den Wurzeln abgestochen wurde. Um die Weideflächen und die Gebiete, auf denen Plaggen gestochen wurde, ging es. Die Hof­stellen waren früher von Hecken oder Wällen begrenzt. Das angrenzende Ödland und die Heideflächen wurden von allen als Viehweide oder zur Plaggenmahd genutzt. Mitte des 16. Jahrhunderts ließen die Stukenbrocker ihr Vieh über die lippische Grenze hinaus weiden. Von dort holten sich die Bauern auch die Heideplaggen. Erste Zwistigkeiten begannen um 1700. Um 1742 wurde von der lippischen Oberförsterei zu Lopshorn wiederholt Vieh der Stukenbrocker gepfändet. 1775 nach Errichtung des Dörenkruges begannen die Anfänge des später nach dem Landesherren August Simon Graf von Lippe benannten Sennedorfes. Die Augustdorfer brauchten ihr Weideland selbst. Ab 1795 kam es immer wieder zu gegenseitigen gewaltsamen Viehpfändungen, Diebstahl von Plaggen und gemähter und aufgeschichteter Heide, Schafställe wurde nachts aufgebrochen, angezündet, Heidefuhrwerke samt Gespanntieren geraubt.

»Wenn wir hier heute friedlich zusammenstehen, ist das die Wirkung des Vertrages, der vor 200 Jahren geschlossen wurde«, sagt Bürgermeister Hubert Erichlandwehr. Der Vertrag sei daran orientiert worden, was jede Kommune braucht, um fortbestehen zu können. »Das kann man sich durchaus als Präambel für heutige Verträge vorstellen.« Mit einem Wacholder, den die Vorsitzende des Heimatvereins Augustdorf, Annette Strohdiek, einschenkte, besiegelten die beiden Bürgermeister die friedliche Nachbarschaft. Sie ist durch Zusammenarbeit und Austausch gekennzeichnet: Das interkommunale Gewerbegebiet in Stukenbrock-Senne ist ein Beispiel. Augustdorfer Kinder besuchen Gymnasium und Gesamtschule in Schloß Holte-Stukenbrock, mit der Realschule Augustdorf sollen Kooperationsgespräche geführt werden.

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