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Projekte in den Heimathäusern: Ernte war anstrengend und wertvoll

Ähren vom Feld gesammelt

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Wer um die Vergangenheit weiß, kann die Gegenwart schätzen und die Zukunft gestalten. Der Heimat- und Verkehrsverein will die drei Heimathäuser und die dort ausgestellten Objekte mehr dafür nutzen, Projekte für Jung und Alt anzubieten.

Monika Schönfeld

Sense, Dreschflegel, Spekulatius-Maschine oder Model sind Geräte, die Heribert Faupel, Manuela Thöle, Lydia Hasselmeyer und Sabine Redeker nutzen, um bei Senioren Erinnerungen zu wecken und sie zum Erzählen anzuregen. Foto: Monika Schönfeld

Besonders erfolgreich ist die Zusammenarbeit mit Grundschülern, wie zuletzt Anfang September das Projekt »Vom Korn zum Mehl«, das mit einem Museumspädagogen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe ausgerichtet wurde. »Das ist ein großes Thema für die Jugend. Ich muss die Vergangenheit lebendig machen, um zu erfahren, woher wir kommen, wer ich bin und wohin wir gehen«, sagt Heribert Faupel, der sich um das Programm in den Heimathäusern kümmert. Wer erfahren habe, wie viel Arbeit es macht, Lebensmittel zu erzeugen, wird sensibel und lernt sie schätzen. »Heute wird viel weggeworfen. Wir leben im Überfluss.«

Die andere Zielgruppe, die der Heimat- und Verkehrsverein anspricht, sind die alten Menschen. Das Caritas-Seniorencentrum St. Johannes befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Zum zweiten Mal sind jetzt fünf Bewohner mit Lydia Hasselmeyer vom Sozialen Dienst und mit Alltagsbegleiterin Manuela Thöle zu Besuch gewesen. »Erinnerungen gehören zum Leben. Die Objekte im Haus erinnern die Menschen an Geschichten, die sie gern erzählen«, sagt Lydia Hasselmeyer. »Dass das Heimathaus II so klein ist, hat die Senioren überrascht. Es war ja mal ein Wohnhaus. Heute erscheint es unglaublich, dass in diesem Haus mal eine Familie mit sieben Kindern gewohnt hat und sogar noch Platz fürs Vieh war«, berichtet Hasselmeyer.

Zusammenarbeit mit Seniorencentrum

Der Heimat- und Verkehrsverein ist gerüstet: Heribert Faupel hat eine Fortbildung gemacht, Sabine Redeker ist Lehrerin für Pflege am Fachseminar für Altenpflege. Zum zweiten Mal waren Bewohner aus dem Seniorencentrum zu Gast. »Mit diesem Angebot können wir die Erinnerungen an das eigene Leben zurückholen«, sagt Faupel. Bei Kaffee und Kuchen kommen die Menschen im Heimathaus ins Gespräch. »Heute ist das Thema die Ernte. Erntedank war ja erst gerade. Wir zeigen, wie vor 3000 Jahren Korn mit einem runden Stein auf einem flachen zerrieben wurde.«

Viele erinnerten sich noch, dass die Bauern das Korn mit der Sense gemäht haben. »Die Besucher haben erzählt, dass sie selbst noch nach der Ernte die restlichen Ähren vom Feld gesammelt haben, um die Hühner damit zu füttern«, sagt Lydia Hasselmeyer. Heribert Faupel hatte auch einen Dreschflegel hervorgeholt und ein Bild, das vor vier Wochen entstanden war, als die Grundschüler zu Gast waren. Außerdem hat er den Besuchern Fotos der Erntebilder von Peter August Böckstiegel gezeigt, die er im Museum in Werther gemacht hat. »Das sind farbenfrohe Bilder, auf die ältere Menschen gut ansprechen«, sagt Faupel.

Wer mit einer kleinen Gruppe die Heimathäuser besuchen möchte, kann mit Heribert Faupel unter Telefonnummer 05207/4127 einen Termin vereinbaren.

Kommentar

Es ist aufwendig, einen Projekttag für Kinder zu organisieren. Die Lehrer sind aber dankbar für die Möglichkeit, den Kindern Sachverhalte zu erklären, indem sie Geräte ausprobieren dürfen, die heute nicht mehr im Einsatz sind. Vielen Stadtkindern fehlt inzwischen der direkte Kontakt zur Landwirtschaft, so dass kaum noch jemand weiß, wie aufwendig es ist, Lebensmittel zu erzeugen.

Bei älteren Menschen wecken Gegenstände wie eine Kaffeemühle, eine Sense oder ein Butterfass die Erinnerung an die oft mühsame Arbeit, die es war, eine Familie zu ernähren.

Die Heimathäuser bieten sich verstärkt als Mittler an – die Jungen lernen, die Alten erinnern sich. Nächste Stufe wäre, beide Generationen in einem Projekt zusammen zu bringen. Monika Schönfeld

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