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Dominik Becker und Tabea Düpree stellen mit ihrer Firma BB-Tischwerk Unikate her

Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Ein Brett mit vier Beinen drunter – so sieht in der Regel ein Tisch aus. Er kann aus unterschiedlichen Materialien bestehen, unterschiedliche Geschmäcker treffen, den unterschiedlichsten Zwecken dienen. Im Preis ist alles drin: von günstig und zweckmäßig bis hin zu sündhaft teuer und edel. Mit ihrer noch jungen Firma BB-Tischwerk haben sich der Holzmechaniker Dominik Becker aus Schloß Holte-Stukenbrock und seine Partnerin Tabea Düpree in ihrer Freizeit auf die Herstellung hochwertiger Ess- und Couchtische aus Massivholz spezialisiert. Das Besondere daran: Sie verbinden eigenwillige Holzstücke mit eingefärbtem Epoxidharz.

Markus Poch

Eine Oberfläche, die sowohl Händen als auch Augen schmeichelt: Dominik Becker (26) und Freundin Tabea Düpree (25) zeigen einen Couchtisch aus eigener Herstellung. Zwischen den Eichenbrettern ist deutlich das schwarze Epoxidharz zu sehen. Foto: Markus Poch

Einzigartig wie sein Besitzer

„Jeder unserer Tische ist ein Unikat und damit so einzigartig wie sein Besitzer“, verspricht Becker. Der 26-Jährige, angestellt bei der Firma Huga in Avenwedde, hat die Verwendung eines Zwei-Komponenten-Mittels aus Harz und Härter in der Möbelproduktion zwar nicht erfunden, diese aber nach eigenen Angaben seit Anfang 2019 immer weiter optimiert, so dass unerwünscht auftretende Luftblasen oder fleckige Partien inzwischen nicht mehr auftreten.

Was er heute im Kundenauftrag in seiner Werkstatt in Bielefeld anfertigt, sind ausgereift wirkende Tische, die den Händen schmeicheln und unter Ästheten mindestens das Prädikat Augenweide verdienen. Auf das Mischungsverhältnis zwischen Harz und Härter kommt es an. „Aber das genaue Rezept verrate ich natürlich nicht“, sagt Becker schmunzelnd mit Blick auf eine sich möglicherweise auftuende Marktlücke.

Wie ein Fluss in der Wüste

International heißen sie Rivertable, weil sie optisch anmuten wie eine aus großer Höhe fotografierte Wüstenlandschaft, durch die sich ein mächtiger Strom schlängelt und verzweigt, mitunter Inseln bildet. Die Wüste sind schön gemaserte Holzplatten möglichst aus heimischen Baumarten wie Eiche, Nussbaum, Esche, Buche oder auch mal der mediterranen Olive. Der Fluss ist das eingefärbte Epoxidharz, mit dem Spalten oder gar der Abstand zwischen zwei getrennten Brettern aufgefüllt werden.

„Unsere Technik ermöglicht es, selbst auseinandergebrochene, zerrissene Bäume oder mehrere stark beschädigte Hölzer in einem Möbelstück zu verarbeiten“, erklärt Dominik Becker. Das Harz dringe bis in die kleinsten Hohlräume vor und stelle deshalb ein perfektes Verbindungsmaterial dar. Becker: „Die Verbindungsstelle zwischen Holz und Harz ist später sogar noch stabiler als das Holz selbst.“ Wenn ausgehärtet, sei das Harz stoß- und kratzfest sowie lebensmittelecht und reagiere empfindlich nur bei hohen Temperaturen wie etwa der eines heißen Kochtopfes.

Nach einer Aushärtungsphase von zehn Tagen muss die entstehende Tischplatte zunächst plan gehobelt, anschließend peinlichst genau mit verschiedenen Körnungen geschliffen werden, um die gewünschte makellose Oberfläche zu erhalten. „Das Schleifen dauert von allen Arbeitsprozessen am längsten“, sagt Becker. Aber auch der Bau einer Verschalung, die vor dem Einbringen des Harzes fertig sein muss, sei aufwendig. Nach dem Schleifen werde die gesamte Platte dreifach mit Hartwachsöl versiegelt. Dann fehlen noch die Füße aus pulverbeschichtetem Stahl oder Edelstahl. Hinzu kommen die Kosten für Holz, Harz und Anfertigung.

Gut 200 Arbeitsstunden

Wer alle Faktoren berücksichtigt, wird schnell errechnen können, dass Produkte der Firma BB-Tischwerk ihren Preis haben. Die günstigen Exemplare kosten 1300 Euro. Nach oben gibt es keine Grenze. Gerade haben Dominik Becker und Tabea Düpree ihr bisheriges Prachtstück ausgeliefert: einen zweiteiligen, insgesamt sechs Meter langen Konferenztisch mit grünen Harzeinschlüssen – für einen fünfstelligen Betrag. „Da stecken dann aber auch gut 200 Arbeitsstunden drin“, gibt Becker zu denken.

Schauraum in der Innenstadt

Während er die handwerkliche Seite bearbeitet, kümmert sich seine Freundin um alles andere – Verwaltung, Finanzen, Kundenkontakte, Social Media. Die 25-Jährige aus Isselhorst studiert derzeit noch Recht und Management an der Universität Bielefeld. Sie rechnet damit, dass ihre erst 2019 gegründete Firma, wenn die Nachfrage stabil bleibt, bereits Ende 2020 schwarze Zahlen schreibt. Die Resonanz von Privatleuten, Firmen und auch aus der Gastronomie sei überaus positiv. In Zukunft plant das engagierte Duo, geeignete Räume in der Bielefelder Innenstadt anzumieten, um sie als Schauraum auszustatten.

www.bbtischwerk.de

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