1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Schloß Holte-Stukenbrock
  6. >
  7. Blech kann auch anders

  8. >

Frühjahrskonzert des Städtischen Blasorchesters – Pollmeier übernimmt Jugendorchester

Blech kann auch anders

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Kann man mit Trompeten, Posaunen, Tuben und Hörnern auch leise Töne erzeugen? Ja, aber so ganz einfach ist das wohl nicht. Dass es geht, beweist das Städtische Blasorchester alle Jahre wieder im Rahmen seiner Konzerte aufs Neue mit dem einen oder anderen Stück.

Matthias Kleemann

Anspruchsvoll und ausgesprochen hörenswert: Hans-Joachim Büsching spielt den Solopart des »Clarinet Concerto«, während Bob Smith konzentriert dirigiert. Die Musiker haben lange und intensiv dafür geprobt. Foto: Matthias Kleemann

Diesmal war es ein ganz besonderer Genuss, den Dirigent Bob Smith dem 500-köpfigen Publikum in der Aula am Gymnasium am Sonntag servierte. Das »Clarinet Concerto« des englischen Komponisten Philip Sparke ist ein Werk, in dem alle Facetten eines Blasorchesters zur Geltung kommen, die lauten und die leisen Passagen, die langsamen und die schnellen.

Vor allem aber ist es die Klarinette, die einen durchgehenden Solopart hat. Diesen übernahm Hans-Joachim Büsching, der vor Jahren seine ersten Sporen beim Städtischen Blasorchester verdient hat, mittlerweile jedoch in Bonn lebt und arbeitet. Er ist vielfältig musikalisch aktiv und hat auch schon etliche Preise einheimsen können.

Leichtfüßig wie ein Frühlingsspaziergang

Die symphonische Komposition klingt so gar nicht nach Blasorchester im konventionellen Sinn. Leichtfüßig wie ein Frühlingsspaziergang über eine Sommerwiese kommt der erste Satz daher. Im zweiten Satz taucht der Hörer – um im Bild zu bleiben – in den Wald ein. Getragene, dunkle, leise Töne vom tiefen Blech bilden einen Klangteppich, über dem die Klarinette virtuos schwebt. Nahtlos geht es in den dritten Satz über, der wieder lebendiger klingt und furios endet.

»Das war der schwerste Teil, daran haben wir wirklich lange geprobt«, sagt SBO-Vorsitzende Kirsten Johann-vor-der-Brüggen. Während des Konzertes merkt man auch, wie die anfängliche Anspannung von Bob Smith abfällt, bis er regelrecht befreit wirkt, zwischendurch dem Solisten zuzwinkert, ihm einmal sogar auf die Schulter klopft.

Solche Musik ist es, die belegt, dass Blasmusik mehr ist als Marsch und Polka. Wobei man diese Stilrichtungen keineswegs unterschlagen darf. Bob Smith, der das SBO in diesem Jahr übrigens seit 20 Jahren leitet, hatte im ersten Teil des Konzerts eine geschickte Mischung aus allem: Schmissig eröffnet das Orchester den Nachmittag mit dem »RTR-March«, wechselt dann zu einer swingenden Dixieland-Nummer (»Jazz Legato«), um nach dem etwas komplexeren »Clarinet Concerto« mit einer munter-unbeschwerten Polka (»Motýlek« – Kleiner Schmetterling) fortzufahren. Mit der eskalierend-furiosen »Irish Rhapsody« und einem theatralischen Auszug aus der Komposition »Palladio« endete diese Konzertabteilung.

Müder Abklatsch

Populärer wurde es mit dem Musikangebot im zweiten Teil des Konzertes, nachdem das Jugendorchester seinen Auftritt mit vier Stücken hatte (siehe Kasten). Salopp als »Musik für die Alten« vom Moderatoren-Duo Viktor Mischke und Lukas Voßhans angekündigt, erklang ein Medley aus Elton-John- und eines aus Queen-Melodien. Das mag populäre Musik sein, aber muss ich »We Will Rock You« wirklich von einem Bläser-Ensemble hören? Ich denke an jaulende Gitarren, wummernde Bässe und die begnadete Stimme von Freddy Mercury. Mit Trompete, Tuba, Posaune, Flöte und Klarinette kann das nur ein müder Abklatsch sein.

Dann vielleicht doch lieber den »Libertango«, der in seinem magisch-rhythmischen Anschwellen und seinem abrupten Ende irgendwie an den Bolero von Ravel erinnert.

Das Jugendorchester

Stab-Übergabe beim Jugendorchester des SBO. Fridolin Kipp beendet sein Dirigat, sein Nachfolger ist kein Unbekannter: Pascal Pollmeier übernimmt die Aufgabe und durfte am Sonntag auch gleich das letzte Stück des kleinen Ensembles, »Pretty Fly«, dirigieren. Die jungen Musiker schlugen sich gut, falsche Töne waren nicht zu hören, ein Stück wie die Titelmelodie der Comic-Serie »Die Simpsons« klingt aber ohnehin schräg. Bei ihrem kurzen Auftritt war für jeden etwas dabei, Klassisches, wie die »Overture 1812« von Pjotr Tschaikowski und Rockiges (»Rockin’ Trumpets«). Durch das Programm führten witzig und kurzweilig Paula Beyes und Timo Steinbeck.

Startseite
ANZEIGE