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Fichten wird es laut Förster Markus Rübsamen künftig nicht mehr geben

„Borkenkäfer ist bald am Ziel“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Auf den Anblick von Fichten in unseren Wäldern werden die Menschen schon bald verzichten müssen. In fünf Jahren, so schätzen Experten, wird es in NRW keine Fichten mehr geben. Schuld an der Misere ist ein nur bis zu sechs Millimeter großes Krabbeltier. „Der Borkenkäfer ist bald am Ziel und wird die Fichte ausrotten. Sie wird uns nicht in nennenswerter Zahl erhalten bleiben“, sagt Förster Markus Rübsamen vom Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe, dem nordöstlichsten Regionalforstamt von Wald und Holz NRW. Er ist seit gut sechs Wochen für den Forstbetriebsbezirk Schloß Holte-Stukenbrock zuständig.

Dirk Heidemann

Förster Markus Rübsamen (links) und Waldbesitzer Wolfgang Kipshagen stehen vor mehreren gefällten Fichten, die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Die Aufforstung mit einer Mischpopulation wird mehrere Jahre dauern. Foto: Dirk Heidemann

Viele Arten der oft braun oder schwarz gefärbten Käfer pflanzen sich unter der Borke oder im Holz von Bäumen in selbstgebohrten Gängen fort und richten zum Teil großen wirtschaftlichen Schaden an. Im Sauerland ist die Population des Buchdruckers, der eigentlich nur Fichten befällt, so groß, dass er inzwischen auch andere Bäume – Buchen, Lärchen, Douglasien – angreift.

Auch die Kiefer ist bedroht

„Bezüglich der Buche ist dem grundsätzlich so. Aus Brandenburg habe ich gehört, dass dort auch die Kiefer hops geht“, sagt Markus Rübsamen. Weitere Schädlinge, die fleißig am Werk sind, seien der Kupferstecher sowie der Waldgärtner. Los werden kann man den Borkenkäfer nicht mehr, er hat sich schon zu weit verbreitet. Gespritzt werden können nur gefällte, nicht aber noch stehende Bäume. Doch wenn der Käfer die ersten Löcher in die Rinde gebohrt hat, ist für den Baum ohnehin zu spät.

Dabei ist der Borkenkäfer selber kein neues Phänomen, ihn gab es schon immer. Allerdings können sich die Bäume selber nicht mehr ausreichend schützen. Eigentlich würden sie Harz produzieren und den Schädling damit abtöten. Doch Stürme wie Friederike 2018 und die beiden folgenden, extrem trockenen Sommer haben den Bäumen zugesetzt. Müssen die Bäume entfernt werden, ist das für die Waldbesitzer ein teurer Spaß. „Sie erleiden mitunter dramatische finanzielle Verluste“, weiß Markus Rübsamen. Schnell fallen Kosten von mehreren 1000 Euro an.

Markus Rübsamen

„Seit Anfang dieses Jahres sind die Holzpreise im Keller. Pro Festmeter gab es 2019 noch 95 bis 102 Euro. Jetzt sind es maximal 32, teilweise sogar unter 20 Euro. Hinzu kommt die Aufforstungspflicht“, sagt der 54-Jährige. Oftmals steht unter dem Strich nur eine „rote Null“. Ein Betroffener ist Wolfgang Kipshagen, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Schloß Holte-Stukenbrock-Verl, der 45 Hektar Wald besitzt. Davon sind sieben Hektar Fichte. „1,5 sind noch übrig, im kommenden Jahr wird wohl alles weg sein“, sagt der 64-Jährige.

Mischpopulation gewünscht

Manchmal bleiben die betroffenen Fichten stehen. Doch werden sie zu trocken, stellen sie zumindest an den Wegen eine Gefahr für Spaziergänger da. Außerdem kann es zu Wipfelbränden kommen, denn die trockenen Äste brennen extrem gut. Die Fichte also wird gehen, Hoffnung für den Wald gibt es indes schon. In Schloß Holte-Stukenbrock erfolgt seit zwei Jahren eine Wiederbewaldung so genannter Kalamitätsflächen. Eine Mischpopulation aus vier, fünf Baumarten soll den Wald künftig widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse und Schädlinge machen. „Bis wir das Heile-Welt-Bild der 90er Jahre erreichen und der Bürger durch schattenspendende Wälder spazieren oder joggen kann, wird aber noch das eine oder andere Jahrzehnt vergehen“, meint Markus Rübsamen.

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