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Abschluss mit Hindernissen: Gesamtschule verabschiedet ersten Jahrgang

Corona und andere Baustellen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Vor sechs Jahren haben 134 Schüler als erster Jahrgang der Gesamtschule angefangen, am Freitag und Samstag bekommen alle ihre Abschlusszeugnisse. Der erste Abschlussjahrgang der Gesamtschule hat sich seine Feier bestimmt anders vorgestellt. „Die Schüler sind ein bisschen traurig, dass es keine große Feier gibt. Seit dem Lockdown haben sie aber geahnt, dass alles anders wird. Sie haben es gefasst aufgenommen“, sagt Schulleiterin Christel Kuch.

Monika Schönfeld

Schulleiterin Christel Kuch mit dem Logo der Gesamtschule Schloß Holte-Stukenbrock. Sie wird am Freitag und Samstag in fünf Veranstaltungen dem ersten Abschlussjahrgang klassenweise die Abschlusszeugnisse überreichen. 64 der 134 Absolventen haben die Fachoberschulreife mit dem Qualifikationsvermerk erreicht, der zum Besuch der gymnasialen Oberstufe berechtigt. Foto: Monika Schönfeld

Sie wird die Schüler am Freitag und Samstag während fünf Veranstaltungen klassenweise verabschieden – im Forum der Gesamtschule am Standort Jahnstraße. Dort, wo die Schüler auch begonnen haben. Denn der Standort Am Hallenbad bietet wegen der Baustelle dafür keinen Platz.

Christel Kuch

Geplant war ein großes Fest mit Gottesdienst und Essen im Schulhof, der Caterer war schon bestellt. „Wir Lehrer wollten singen. Das verbietet sich jetzt natürlich“, sagt Christel Kuch. Dennoch soll die Zeugnisübergabe feierlich werden mit etwas Musik, den Reden der Schulleiterin und des Bürgermeisters, eines Kirchenvertreters und den Ehrungen und Auszeichnungen.

Christel Kuch ist stolz auf diesen ersten Abschlussjahrgang. „64 Schüler haben die Fachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk erreicht, der zum Besuch der Oberstufe berechtigt. Das ist fast die Hälfte. Durchschnittlich rechnet man nur mit einem Drittel.“ Das beweise, dass das längere gemeinsame Lernen, das Kurssystem und die Laufbahnberatung Erfolg habe. „Am Ende der Klasse 4 hätte man von einigen nicht gedacht, was sie erreichen können. Wir werden das noch auswerten, was damals an Empfehlung gegeben worden ist und was die Schüler tatsächlich erreicht haben.“

Keine große Feier

Auch wenn die Corona-Pandemie eine große Feier verhindert, habe die skurrile Situation gerade dem Jahrgang 10 einen Vorteil gebracht. Diese Schüler waren die ersten, die wieder Unterricht hatten. Sie konnten sich in Kleingruppen auf die Zentralen Prüfungen (ZP) vorbereiten.

Das, was eine Ganztagsschule ausmache, in der Mittagspause in Grüppchen zusammenzusitzen, habe dieser erste Jahrgang allerdings kaum gehabt, weil er sechs Jahre lang auf einer Baustelle gelebt habe. „Das haben die Schüler klaglos in Kauf genommen. Und dabei hätten sie das letzte halbe Jahr im neuen Anbau am Standort Hallenbad in bester Ausstattung genießen können. Das ist schade.“

MINT-Schwerpunkt

Schnell habe sich an der damals neuen Gesamtschule der MINT-Schwerpunkt herauskristallisiert. „Der Besuch des MINT-Mitmachtages gehört dazu, wir haben Kontakte zur Universität geknüpft, wo die Schüler freiwillig an Projekten teilgenommen haben. In der Berufsorientierung sind wir gut aufgestellt, so dass wir uns um das Siegel Ausbildungsfreundliche Schule bewerben werden. Die Schulsozialarbeit und der Übergangscoach begleiten die Schüler gut und individuell.“ Schüler mit Förderbedarf hätten sich teilweise so weit entwickelt, dass der Förderbedarf aufgehoben werden konnte. „Das bestätigt mich in meiner Arbeit“, sagt Christel Kuch. Vom längeren gemeinsamen Lernen profitierten starke und schwächere Schüler. In der „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ würden alle Schüler gleichermaßen unterstützt. „Das ist ein Konzept, das kein Kollege in Frage stellt, sondern als stetige Aufgabe sieht.“

Behindernd sei es gewesen, dass die Naturwissenschaftlichen Räume wegen der Baustelle am Standort Hallenbad nicht genutzt werden konnten, Busse zum Standort Jahnstraße Verspätung hatten und an geordneten Unterricht teilweise nicht zu denken war. „Auch das nächste halbe Jahr wird es so bleiben. Wir müssen zur Jahnstraße pendeln und eventuell versuchen, mit dem Gymnasium eine Vereinbarung zu treffen.“

Christel Kuch

In Fragen der Digitalisierung stehe das Konzept der Gesamtschule. Der neue Trakt am Standort Hallenbad sei auf dem neuesten technischen Stand. Andere Gebäudeteile werden erst nach und nach ausgestattet. „Der Standort Jahnstraße befindet sich digital seit sechs Jahren im Mittelalter. Wenigstens im Lehrerzimmer wäre ein Hotspot notwendig. Junge Kollegen bekommen einen Schock, wenn sie hier arbeiten. Und die Vernetzung der beiden Standorte funktioniert immer noch nicht einwandfrei. Das kostet viel Zeit. Ich könnte ein Buch darüber schreiben.“

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