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Kommunalwahl: Thorsten Baumgart (40) ist Bürgermeisterkandidat der FDP

„Dafür habe ich ein Händchen“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Er schlägt nicht wild um sich, sondern bleibt sachlich, kommt mit konkreten Argumenten, um andere zu überzeugen. „Wenn ich etwas erreichen will, kann ich das in den Ausschüssen und im Rat nicht ohne die Unterstützung anderer“, sagt Thorsten Baumgart (40), Bürgermeisterkandidat der FDP . „Manchmal machen kleine Spitzen aber Spaß, und auch die manchmal gespielte Empörung der anderen darauf.“

Monika Schönfeld

Thorsten Baumgart, Bürgermeisterkandidat der FDP, mit seiner Familie. Er hat 2013 Michaela geheiratet. Jetzt ist die Familie zu viert mit den Töchtern Paula (5) und Lena (20 Monate oder vielmehr „fast 2 Jahre“). Foto: Monika Schönfeld

„Als kleinste Fraktion brauchen wir die Unterstützung von anderen“, sagt Baumgart. Die sei nur in fairer und sachlicher Argumentation zu erreichen. „Man kann sich streiten, auch mal emotionaler und hitziger werden. Danach muss man aber wieder vernünftig miteinander reden können. Im Wahlkampf ist es vielleicht ein Nachteil, dass ich kein Lautsprecher bin. Aber ich bin halt so. Alles andere wäre nicht authentisch. Inhaltlich kann ich Kritik aber klar äußern.“

Thorsten Baumgart mit seinem Wahlplakat im heimischen Garten: „Wie sehen uns als starke Kraft der politischen Mitte. Die Kandidatur ist auch ein Vehikel, die FDP-Themen nach vorne zu bringen.“ Foto: Monika Schönfeld

Offene Diskussionskultur

Politik, sagt er, sei seine Leidenschaft. 1998 durfte er das erste Mal an einer Bundestagswahl teilnehmen. „Das war das Ende der Ära Kohl. Die Politik erschien mir angestaubt.“ Den Wahlkampf habe er als Aufbruch wahrgenommen. „Es hat mich interessiert zu verfolgen, was jetzt passiert.“ Er sei gut bekannt gewesen mit dem SPD-Mann Jochen Gürtler, der ihn 2005 mitnahm zu einer SPD-Sitzung. „Da habe ich mich thematisch aber nicht so wohl gefühlt“, sagt Baumgart. Er habe dann ein paar Jahre später bei der damaligen FDP-Vorsitzenden Ulla Lehmann angerufen, die ihn gleich zur Fraktionssitzung in den Buschkrug eingeladen habe. FDP-Mann Gerhard Blumenthal habe in seiner unnachahmlichen Art direkt gefragt: „Was interessiert Sie eigentlich?“ Er habe sich von der offenen Diskussionskultur angezogen gefühlt, 2008 ist er in die FDP eingetreten, 2009 gleich in einem Wahlbezirk angetreten, wo er 11,11 Prozent erreicht hat. „Das war schon toll.“

Super-Zukunftsprojekt Sennebahn-Elektrifizierung

2009 kamen drei FDP-Leute in den Stadtrat. Als Martin Lehmann als Bundesrichter nach Karlsruhe ging, rückte Thorsten Baumgart am 1. April 2010 in den Rat nach. „Als Fraktion haben wir über die Jahre viel bewegt und unsere Ideen und Anregungen ins Ziel gebracht. Das Wohnheim für Menschen mit Beeinträchtigungen haben wir angestoßen wie auch den Heimatpreis und die Ehrenamtsmesse. Manchmal sind es auch nur Kleinigkeiten wie ein Zebrastreifen.“ Im Ordnungsausschuss am Montag ging es um die Elektrifizierung der Sennebahn, „ein Super-Zukunftsprojekt“, beantragt von der FDP. Damit können Schranken-Schließzeiten verkürzt und ein weiterer Haltepunkt etabliert werden, die Bahn sei elektrisch leiser und natürlich ökologischer.

Themen verpacken und präsentieren

„Wir wollen die Wirtschaftsförderung ausbauen – das finde ich heute auch auf der Homepage des Bürgermeisters. Auch der von uns geforderte Digitalmanager in der Stadtverwaltung wird irgendwann kommen. Daran habe mich gar keinen Zweifel.“

Im Wahlkampf darf man ja ein bisschen für sich werben. „Die FDP hat zur guten Diskussionskultur im Rat beigetragen. Die Ideen kommen bei uns von allen. Meine Arbeit ist es, die Themen zu verpacken und zu präsentieren. Dafür habe ich ein Händchen.“

Die FDP ist in Schloß Holte-Stukenbrock noch nie mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten aufgetreten – weder bis 1999 im Ehrenamt noch seit 1999 fürs Hauptamt. Also eine Premiere. „Wir sehen uns als starke Kraft der politischen Mitte in dieser Stadt mit dem Anspruch, den Bürgern auch ein Angebot für die Bürgermeisterwahl zu machen. Und: Die Kandidatur ist auch ein Vehikel, die FDP-Themen nach vorne zu bringen.“

Ergebnis 2014 niederschmetternd

Dabei war die erste Kommunalwahl, bei der Thorsten Baumgart als Spitzenkandidat angetreten ist, vor sechs Jahren alles andere als ein Erfolg. Von 9,2 Prozent im Jahr 2009 war die Partei auf 5,3 Prozent abgesackt und hatte damit einen von drei Sitzen im Rat verloren. „Das war für mich persönlich niederschmetternd, wie Bundespolitik das Ergebnis auf kommunaler Ebene beeinflusst. Kurz vorher war die Bundestagswahl, bei der die FDP rausgeflogen ist. Bundesweit lagen wir bei 2 Prozent, im Kreis bei 3,5 Prozent. Meine Parteikollegen trösteten mich, dass im Vergleich dazu das Ergebnis in Schloß Holte-Stukenbrock ausgezeichnet sei.“

Die FDP setzt auf die Elektrifizierung der Sennebahn. Foto: Dirk Heidemann

Manpower muss vorhanden sein

„Ich bin von hier, ich weiß, wie die Menschen ticken und bin seit mehr als zehn Jahren im Rat. Ich habe Ideen, was hier mehr und anders werden muss.“ Baumgart sagt, manche Themen seien nicht konsequent angegangen worden. „Eine schlanke Verwaltung ist okay. Aber wenn sie so schlank ist, dass Themen nicht bearbeitet werden, ist das nicht zielführend. Manpower muss vorhanden sein, um Themen zu bearbeiten.“ Baumgart tritt auch für eine realistische Haushaltsplanung ein. „Wer sich künstlich schlecht rechnet und für den Haushalt ein Millionenminus ausweist, provoziert doch Forderungen nach Steuererhöhungen. Wenn dann doch ein Überschuss bleibt, haben nicht die Stadtverwaltung oder die CDU-Mehrheit das geleistet, sondern die Unternehmen vor Ort.“

Slogan zeigt, „wie wir ticken“

„SHS kann mehr“ – eigentlich sei das gar nicht als Wahlslogan gedacht gewesen. „Ich habe das in der Bewerbungsrede im April bei der Wahlversammlung gesagt. Martin Lehmann fand das als Slogan gut.“ Der Slogan zielt darauf ab, „wie wir ticken“. „Die Stadt steht gut da, ist lebendig, es ist viel passiert, sie hat sich toll entwickelt. So weit, so gut. Aber wir denken, es geht mehr.“ Denn die Stadt stehe im Wettbewerb um Unternehmen der Zukunft – die FDP wünsche sich ein Gründerzentrum –, sie stehe im Wettbewerb um Bürger und Besucher. „Im Jubiläumsjahr ist das passiert, was ich mir unter Stadtmarketing vorstelle, auch wenn durch Corona viel aufs nächste Jahr geschoben werden musste: ein klarer Fokus. Vorher war Stadtmarketing für mich ein undurchsichtiger Blumenstrauß an Kleinigkeiten. Ein Konzept habe ich nicht wahrgenommen.“

„Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns für ein Jahr auf ein Thema fokussieren. Zum Beispiel könnten wir uns als Stadt präsentieren, die jungen Ärzten und ihren Familien ein attraktives Lebens- und Arbeitsumfeld bietet. Wir haben ein Ärztestipendium thematisiert, um gegen den Ärztemangel anzugehen. Auch wenn die Idee wohlwollend abgelehnt wurde, bleiben wir dran. Denn die Idee ist gut.“

Zur Person

Thorsten Baumgart ist 1979 in Bielefeld geboren und in Schloß Holte-Stukenbrock aufgewachsen. Er hat die Grauthoff-/Elbrachtschule und die Realschule besucht, bevor er zum Gymnasium Verl wechselte, wo er 1999 sein Abitur gemacht hat. Er schloss eine kaufmännische Lehre beim Gütersloher Haushaltsgerätehersteller Miele ab und wechselte dann ins Marketing. Heute ist er Produktmanager für Herde und Backöfen.

Seit 2013 ist er verheiratet mit Michaela Baumgart. Sie haben zwei Töchter im Alter von fünf und fast zwei Jahren. Früher ist das Paar gern in die Ferne, zum Beispiel in die USA gereist, seitdem die Töchter da sind, geht es nicht mehr so weit weg. Um abzuschalten liest Thorsten Baumgart gern. Fürs Tennisspielen hat er neben Familie, Beruf und Politik nicht mehr die Zeit.

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