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Autoverwerter Thomas Kerstingjohänner zur Dieselprämie – mit Video

»Das gibt’s nur in Deutschland«

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Ich würde mir immer noch einen Diesel kaufen.« Das sagt der Autoverwerter Thomas Kerstingjohänner (51), der von August 2017 bis Februar 2019 schon 2096 Dieselfahrzeuge zur Verschrottung von den Händlern abgeholt hat.

Monika Schönfeld

Der Chef der Autoverwertung, Thomas Kerstingjohänner, kauft Altautos auf, die mit der Umweltprämie verschrottet werden müssen. Er darf sie ausschlachten und die Teile verkaufen, die Autos werden abgewrackt und verschrottet. Foto: Monika Schönfeld

Thomas Kerstingjohänner hat Erfahrungen mit den Aktionen, die die Autoflotte auf den Straßen verjüngen soll. 2008 bekamen Autobesitzer 2500 Euro staatliche Abwrackprämie, wenn sie ihre alte Kisten gegen Neuwagen tauschten. »Damals habe ich in zwei Jahren 8800 Autos aufgekauft. Um sie zu lagern, musste ich noch Flächen mieten«, sagt Kerstingjohänner. »Damals waren das nicht so tolle Autos wie heute.« Kerstingjohänner lagert die Autos, »um auch noch in zwei Jahren einen Kotflügel für den Golf 4 anbieten zu können.«

Damals wie heute gilt: Die Autos dürfen nicht mehr auf die Straße, auch nicht im Ausland. Allerdings darf Kerstingjohänner die Autos ausschlachten und die Teile verkaufen, bevor das Automobil in der Schrottpresse landet.

Umweltargument zieht nur in Deutschland

Die aktuelle Dieselprämie oder auch Umtausch- oder Umweltprämie ist in der Hauptinitiative vom Automobilkonzern VW/Audi/Seat gekommen, der sich aber inzwischen die meisten Konzerne angeschlossen haben. Die Händler geben für das alte Dieselfahrzeug zwischen 1500 und 8000 Euro, wenn bei ihnen ein Neuwagen gekauft wird. Die Prämie wird aber nur gezahlt, wenn das Altfahrzeug über einen zertifizierten Autoverwerter verschrottet wird. »Ich habe Kooperationsverträge mit allen Automobilherstellern«, sagt Kerstingjohänner. Er stellt nach Erhalt des Fahrzeugs einen Verwertungsnachweis aus. Kerstingjohänner sagt, er liebe Autos und freue sich auch darüber, mit dem Ausschlachten der Fahrzeuge eine Menge hochwertiger Ersatzteile zu erhalten.

»Aber ganz ehrlich: Unsere Kinder finden als Fahranfänger keine günstigen Autos mehr. Schade, wenn schöne Autos abgewrackt werden. Die wären in vier bis sechs Jahren immer noch interessant für mich.«

Das Umweltargument zieht nach Meinung Kerstingjohänners nur bei den deutschen Kunden. »Holland, Österreich und Polen lachen sich kaputt. Dort kräht kein Hahn danach.« Seiner Meinung nach werde das Thema hochgekocht.

In großen Städten werden Dieselfahrer seiner Meinung nach eingeschüchtert – und das, obwohl sie weniger Treibstoff verbrauchen als Benziner. Handwerksbetriebe, die fünf ältere Bullis haben, könnten zwar eine Sondergenehmigung erhalten, werden aber verunsichert. »Ich darf mit einem Euro-4-Autotransporter für manchen Hersteller keine Autos mehr abholen.« Auch dass ältere Menschen verunsichert werden, die ein älteres Modell fahren, hält Kerstingjohänner für unverantwortlich. »Dazu muss man sehen, dass VW so viele Autos verkauft wie nie – und das trotz des Abgasskandals.«

Kerstingjohänner rät Autofahrern zu einem kühlen Kopf. Händler geben diverse Rabatte, die sollten betrachtet werden, bevor man auf die Dieselprämie aufspringt. Der Zeitwert des alten Autos sei wichtig, bevor man sich auf einen Handel einlässt.

Autoverwertung Kerstingjohänner

Der Betrieb wurde 1970 von Kurt Kerstingjohänner gegründet. Er baute die Autoverwertung zu einem Recycling- und Umweltbetrieb auf höchsten Niveau aus. Im überdachten Hochregallager über sechs Etagen und auf der Freifläche stehen 2500 Alt- und Gebrauchtfahrzeuge. 2005 wurde eine Photovoltaikanlage auf die Dächer der Hochregale gebaut. Bei Kerstingjohänner darf der Kunde sich seine Ersatzteile noch selbst ausbauen. Das spart Kosten. Natürlich kann der Ausbau der gewünschten Teile auch durch das Fachpersonal erfolgen.

Kurt Kerstingjohänners Sohn Thomas führt den Betrieb in zweiter Generation. Er bietet für die Werkstätten in der Region auch die Entsorgung von Putzlappen, Altöl, Blechen und Bremsscheiben an, aus metallverarbeitenden Betrieben nimmt er Stanzbleche und Abfälle als Schottumsatz ab. Auf Abruf kann Kerstingjohänner auch Abschleppdienst leisten.

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