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Unternehmer im Unruhestand: Dietmar Gertz sorgt sich um die Umwelt

Das Herz am rechten Fleck

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Im Garten seines Einfamilienhauses züchtet Dietmar Gertz, er ist bekennender Fan der jungen Umweltaktivistin Greta Thunberg, Tomaten und Gurken in Bioqualität.

Manuela Fortmeier

Dietmar Gertz ist bekannt durch seinen Fischwagen, der vor dem Marktkauf stand, und sein Engagement für den Karnevalsverein. Jetzt lässt er es ruhiger angehen, züchtet in seinem Garten Tomaten und Gurken. Foto: Manuela Fortmeier

Wie viele »Delphine« in Form von Gummibärchen er den Kindern der damaligen Kundschaft geschenkt oder wie viele Kilo »Kamelle«, »Strüsche« und »Blömscher« er als Präsident des Karnevalsvereins vom Wagen geworfen hat, das kann Gertz nicht so genau sagen. Aber sicher können sich viele, heute jüngere Erwachsene, daran erinnern.

Fischwagen vor dem Marktkauf

Über Jahrzehnte war der humorige, stadtbekannte Stukenbrocker das Gesicht der Stadt, das für Humor, Frohsinn und Heiterkeit stand und der, der Menschen zum Feiern zusammen zu bringen wusste. Vor gut zehn Jahren, damals war er 68 Jahre, hat Dietmar Gertz seinen Fischwagen, mit dem er 29 Jahre vor dem heutigen Marktkauf stand, an seinen Nachfolger Marc Kespohl übergeben. »Es war genau der richtige Zeitpunkt, und Marc ist genau der richtige dafür. Qualität und Service passen«, lobt Gertz.

Am 30. Mai 1941 in Ostpreußen geboren, ist Gertz als Kind mit seinen Eltern und den beiden inzwischen verstorbenen Geschwistern als Vertriebene zunächst nach Bielefeld, später nach Stukenbrock gezogen. Nach seiner Ausbildung zum Bauschlosser und Schmied hat sich Gertz als junger Mann beruflich neu orientiert und als Verkaufsfahrer bei Bruckmann, dem heutigen »Le Picant« angefangen. »Meine Hauptgebiete waren Hamburg und Niedersachsen«, sagt Gertz. Auf genau solch einer Fahrt, von Hamburg Richtung Heimat, sei ihm die Idee gekommen, frischen Fisch in Hamburg auf dem Fischmarkt einzukaufen, um diesen in Stukenbrock wieder zu verkaufen. Zuerst mit einem kleinen Stand vor dem heutigen Hotel Westhoff, das damals noch Senne-Markt war, stellte sich der Erfolg schnell ein. »Die Idee war genial, die Kundschaft war begeistert.« Besonders einen Kunden, den ehemaligen Sattlermeister Wilhelm Brechmann, wird Gertz in Erinnerung behalten. »Er kam täglich über die Hauptstraße, kaufte für sich einen Rollmops und als er in meiner Auslage die frischen Schollen und Nordseekrabben entdeckte, meinte er mit trockenem Humor: »Was sind dat denn für platte Dinger?« Und über die Krabben urteilte er: »Und Hühnerfutter verkaufste auch?«

Dem Erfolg sei Dank verlegte der junge Geschäftsmann seinen Standort vor den ehemaligen Dixi, dem heutigen Marktkauf. »Ich war mit 29 Jahren wohl der längste und treueste Mieter.« An diese Zeit erinnert sich Gertz auch heute noch gerne zurück. Es gibt Tage, »an denen er die schönen Gespräche mit der Fischkundschaft wirklich vermisst«.

Karnevalsverein mit gegründet

Als gesellige und kontaktfreudige Person hat Gertz auch seine Minijobs als Rentner, sowohl in der Bäckerei Wölke, als auch in der Saison auf dem Feld des Erdbeerhofes Aschoff mit Freude ausgeübt und als soziale Bereicherung erlebt. »Es ist wunderbar, täglich Menschen zu begegnen und sich mit ihnen über Gott und die Welt auszutauschen. Menschen brauchen Menschen«, sagt Gertz, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Doch: »Die Zunge darf nie schneller sein, als der Kopf.«

Mit Freude denkt Gertz auch an die Gründung des Stukenbrocker Karnevalsvereins 1996 zurück, den er damals »mit einer Handvoll Jecken« gründete. »Noch heute bin ich etwas stolz darauf, all die Jahre Präsident des Vereins gewesen zu sein.«

Mit gleicher Freude und Dankbarkeit spricht der Senior

Zur Serie

Die Serie »Unternehmer im Unruhestand« beschäftigt sich mit Persönlichkeiten aus Schloß Holte-Stukenbrock.

Bisher erschienen:

Heinrich Fromme

Wolfgang Zindler

Manfred Oekenpöhler

Klaus Niebel

Sonja Hassenewert

Annegret Köster

Dieter HorstmannInge Mersch

über die 52 Jahre Ehe mit seiner Frau Marianne, die ihn in all den Jahren unterstützt, all das mit ihm aufgebaut, mit ihm getragen hat und ihm drei Kinder geschenkt hat. Wie könnte es anders sein, waren auch seine beiden Enkelkinder Jannik, heute 19, und Nico, heute 16, beide schon Karnevalsprinzen des Kinderkarnevals.

Als Rentner hat Gertz das meiste der damaligen Verantwortung in jüngere Hände gelegt und genießt bewusst sein Leben in Ruhe und mit der ganzen Familie.

»Ich habe ein Haus mit einem schönen Garten, in dem ich mich sehr wohl fühle und in dem hervorragende Gurken, Tomaten und Blumen wachsen und gedeihen. Mein Wunsch ist es, dass auch meine Enkelkinder und alle nachfolgenden Generationen weiterhin Gemüse und Obst in ihren Gärten ernten können.«

Es sei gut, dass die Jugend sich dafür stark mache, auf die Straße gehe, an das Umweltbewusstsein aller Menschen appelliere und in ihrem Tun hoffentlich erfolgreich sei.

»Frischer Fisch muss nach Fisch schmecken und kein Plastik im Bauch haben«, sagt Dietmar Gertz, pflückt eine Tomate und beißt hinein. »Lecker.«

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