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Pfarrer Dieter Osthus wird am Freitag 70 Jahre alt und damit „pensioniert“

Das Jetzt genießen

Schloß Holte-Stukenbrock/Verl(WB). Auf der Zielgeraden zur Pensionierung hat sich Pfarrer Dieter Osthus im Jahr 2016 bewusst für Schloß Holte-Stukenbrock entschieden. Die Nähe zur Heimatstadt Rheda, zu Bruder, Neffen und Nichten, die in Kaunitz leben, und zu seiner Schwester in Gütersloh gab den Ausschlag. Am Freitag wird Dieter Osthus 70 Jahre alt. Damit endet die Zeit, in der er als Kooperator für den Pastoralen Raum Am Ölbach tätig war. „Ich werde das Jetzt genießen“.

Monika Schönfeld

Seit Dezember lebt Pfarrer Dieter Osthus in einer Wohnung in Verl. Am Freitag wird er 70 Jahre alt und damit pensioniert, obwohl es ja für einen Priester eigentlich keinen Ruhestand gibt. Er engagiert sich weiter, macht sich aber keinen Stress. Foto: Monika Schönfeld
Dieter Osthus

An seinem Geburtstag gönnt er sich einen Tag im Gebet mit den Mönchen der Benediktiner-Abtei Gerleve bei Coesfeld. „Dort war ich das letzte Mal im März und hörte irgendwas von Corona. In den Kirchen sollte kein Weihwasser mehr benutzt werden, die Umarmung beim Friedensgruß entfiel. Ich sagte mir: Das kann doch nicht sein.“ Ostern ging dann nichts mehr. „Es tat mir unheimlich leid, dass das Wesentliche des Kirchenjahres, die Spiritualität, nicht erlebt werden durfte.“ Seit Beginn der Pandemie hat er keine Messe mehr gelesen und war auch nicht als Besucher im Gottesdienst. „Drei Beerdigungen habe ich aus freundschaftlichen Beziehungen heraus übernommen – die von Heinz Kipshagen, Hubertus Erichlandwehr und eines Paderborner Freundes.“

Dieter Osthus blickt auf mehr als 40 Jahre Dienst als Priester zurück. Seine Verabschiedung hat er bereits hinter sich. „Es war eine Riesen-Verabschiedung, als ich nach mehr als zehn Jahren als Dechant in Hagen nach Südafrika ging, um dort in der deutschsprachigen katholischen Gemeinde zu arbeiten.“ Hagen war sein beruflicher Schwerpunkt. Dort war er 13 Jahre. „Das Amt des Dechanten war auf mich zugeschnitten. Hier konnte ich Netze knüpfen, habe im ökumenischen Bereich mit dem Superintendenten und den Religionsgemeinschaften gut zusammengearbeitet.“

In Nicaragua ist sein Herz

Davor war er in Nicaragua, „Das war die schönste Zeit meines Lebens“, sagt Osthus. Sein Chef war Bischof Bernhard Hombach. „Ich habe dort viele Sozialprojekte aufgebaut – und gelernt, mich auf einem Maulesel zu bewegen.“ Anders seien viele Dörfer gar nicht erreichbar gewesen. Auf den Ruinen eines Militärkrankenhauses habe er als „Hausbesetzer“ eine Schule für 1000 Kinder errichtet. Mit Spendengeldern aus Deutschland konnten eine Kirche, Brunnen und Straßen gebaut werden. Für Menschen, die in Blechhütten oder Kartons lebten, hat er den Bau von 125 Häusern finanzieren können. „In Nicaragua ist mein Herz. Leider kann ich wegen der Corona-Pandemie nicht dorthin reisen. Das Land ist stark betroffen und beklagt viele Tote. Auch die extreme politische Situation mit Diktatur und Folter ist ein Desaster.“ 2001 kam Osthus zurück nach Deutschland, ist aber oft wieder da gewesen.

Dieter Osthus

Mit 66 Jahren zog es Dieter Osthus an den Ort seiner Wurzeln. So trat er im Oktober 2016 seinen Dienst in St. Ursula Schloß Holte an. Gerade hat er einen 26-jährigen Iraner, der im Wohnheim am Emsweg lebt, zur Arbeit an die Firma Froli vermittelt. Sein „Ziehsohn“, ein Afrikaner aus Mali, hat eine kleine Stelle im St.-Anna-Altenheim bekommen. Einen anderen Iraner hat er begleitet, der mit dem C1-Sprachschein jetzt ein Studium zum Bauingenieur an der Uni Siegen aufnehmen wird. „Ich hatte mein Leben lang mit Ausländern zu tun. Da hat es sich so ergeben, dass ich mich in der Flüchtlingsarbeit engagiere.“

Das will er auch künftig tun. „Die Kirche der Zukunft geht über das rein Klerikale hinaus. Sie hat einen dynamischen, sozialen Auftrag. Die Herausforderung für die Kirchengemeinden ist nicht die Zahl der Gottesdienste, die noch in den Kirchen gefeiert werden. Es ist die Identifikation der Gemeinde mit den Menschen am Rande.“ Flüchtlings-, Sozial- und Integrationsarbeit sei eine Säule, die Ökumene die andere. „Die muss unter die Haut gehen.“ Eminente Bedeutung habe die Gottesfrage. „Viele Menschen sind auf der Suche nach ihm, ohne ihn beim Namen zu nennen. Wir brauchen eine neue Dimension für das Leben und müssen Neues wagen.“

Der Seniore wird wieder Student

Nach seiner „Pensionierung“ wird sich Dieter Osthus weiter um Flüchtlinge kümmern. „Ich helfe, die jungen Leute in die Spur zu bringen, damit sie in diesem Land eine Perspektive haben.“ Außerdem wird er in Rheda in St. Clemens („dort wurde ich getauft“) und in St. Johannes („dort wurde ich am 15. Dezember 1979 zum Priester geweiht“) Gottesdienste halten. Jeden Samstag wird er ab 8.15 Uhr bei den Benediktinerinnen in Varensell die Messe lesen.

Und er wird studieren – Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. „Für den Kopf“, sagt Osthus. Als Senior ist er in Vorlesungen und Seminaren mit den jungen Studenten zusammen. Ab Oktober hofft er, zweimal die Woche in Münster studieren zu können. „Ich freue mich darauf, zu sehen, wie junge Leute theologische Themen sehen.“ Und er wird laufen. Seit Januar 2018 ist er 14.500 Kilometer im und um den Holter Wald gewandert und hat seitdem 20 Kilogramm abgenommen. „Das Gewicht will ich halten.“

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