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Albanische Kultur als eine Facette der Vielfalt in der Stadt

Dem Regime entflohen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Die Dämmerung der Steppengötter“: Der erste albanische Kulturabend in deutscher Sprache ist ein Potpourri aus Lesung, Musik, Tanz und kulinarischen Köstlichkeiten. Das Projekt stärkt die heimische Kulturvielfalt und wird von „Demokratie leben!“ gefördert.

Die Tanzgruppe unter der Leitung von Zelije Ramadani ist mehr als Folklore. Sie stellt die albanische Kultur als eine Facette der Vielfalt in Schloß Holte-Stukenbrock dar. Im Vordergrund steht der Einsatz gegen Totalitarismus und für Demokratie. Foto: Uschi Mickley

Die Organisatorinnen laden alle in Schloß Holte-Stukenbrock lebenden Menschen für Samstag, 25. Januar, ab 17 Uhr ins Evangelische Jugendhaus ein. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Albanischen Frauengruppe, dem Kulturkreis Schloß Holte-Stukenbrock und dem Evangelischen Jugendhaus. Gefördert wird der Abend durch die Partnerschaft für Demokratie SHS im Zuge des Bundesprogramms „Demokratie leben!“

Einsatz gegen Totalitarismus

Wie es ist, unter einem totalitären Regime zu leben, das wissen die Organisatorinnen genauso gut wie der Autor des Buches, aus dem gelesen wird. In ihrer damaligen Heimat wurden sie durch kommunistische Regime verfolgt. In ihrer jetzigen Heimat organisieren sie eine ganz besondere Veranstaltung.

„Wir wollen die albanische Kultur als eine Facette der Vielfalt Schloß Holte-Stukenbrocks präsentieren“, sagt Hauptorganisatorin Zelije Ramadani. Dies geschieht aber nicht in der Landessprache der Kosovaren, sondern auf Deutsch. „Wir wollen ja, dass diejenigen einen Zugang bekommen, die die albanische Kultur noch nicht kennen“, sagt Zelije Ramadani. Ziel des Albanischen Kulturabends in deutscher Sprache ist es, die albanisch-demokratische Kultur in Form von Literatur, Musik, Tanz und kulinarischen Spezialitäten zu präsentieren.

Dabei steht nicht Folklore im Vordergrund, sondern der Einsatz gegen Totalitarismus und für Demokratie. Der Kampf um Mitbestimmung, Toleranz und Vielfalt ist kein abstraktes Thema für die Frauengruppe um Zelije Ramadani, sondern biografische Tatsache. Ihnen und ihrer Generation wurden sowohl unter der Diktatur von Enver Hoxha (Albanien) als auch unter dem Regime von Slobodan Milosevic (ehemaliges Jugoslawien) wichtige Rechte vorenthalten: Bildung, Arbeit, freie Meinungsäußerung und Selbstbestimmung.

Gegen die Unterdrückung zur Wehr gesetzt

Es ist die Generation von Zelije Ramadani, die sich gegen diese Unterdrückung zur Wehr gesetzt hat. Sie und andere haben Demonstrationen durchgeführt, Gedichte geschrieben, Theaterstücke inszeniert für Frieden, Freiheit und Demokratie und haben dabei ihr Leben riskiert. „Mein Mann war fünf Jahre in politischer Gefangenschaft, weil er Proteste organisiert hat“, sagt Zelije Ramadani. „Als er freigelassen wurde, sind wir nach Deutschland geflohen, weil wir um unser Leben fürchten mussten.“ So erging es den meisten kosovarischen Familien, die in Schloß Holte-Stukenbrock in den 1990er-Jahren als Flüchtlinge aufgenommen wurden und hier eine zweite Heimat gefunden haben.

Die Erfahrungen um Unterdrückung und Extremismus haben die Organisatorinnen mit dem in Frankreich lebenden albanischen Autor Ismail Kadare gemeinsam. Der für den Literaturnobelpreis angedachte Schriftsteller hat in seinem Roman „Die Dämmerung der Steppengötter“ seine persönlichen und künstlerischen Erfahrungen mit Diktatur und Totalitarismus, Widerspruch und zivilem Ungehorsam sowie der demokratisierenden Kraft von Kunst verarbeitet. Die Lesung aus diesem Buch ist Teil des Programms am Samstagabend.

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