Peter und Gabi Aschof ernten die ersten weißen Stangen in Schloß Holte-Stukenbrock – am Wochenende könnten sie schnell ausverkauft sein

Dem Spargel ist‘s noch zu kalt

Schloß Holte-Stuk...

Peter Aschof hat die App auf seinem Smartphone im Blick. An vier Stellen auf seinen Spargelfeldern hat er Thermometer stecken, die ihm die Temperatur des Bodens in einer Feldübersicht zeigen. „Spargel wächst ab zwölf Grad Celsius“, sagt er. Eigentlich wollten er und seine Frau Gabi schon nach Ostern den ersten Spargel verkaufen. Geerntet wird noch wenig. Es ist zu kalt. Am Wochenende werden die weißen Stangen deshalb auch schnell ausverkauft sein.

Monika Schönfeld

Peter und Gabi Aschof servieren im Hofladen den passenden Wein zum Spargel. Der wird von Aschofs seit 1956 angebaut. Die Familie hilft: Sohn Florian (27) ist Landwirt, Tobias (29, Wirtschaftsingenieur) und Theresa (22, Verwaltungsfachangestellte) machen in der Saison mit. Foto: Monika Schönfeld

„Vergangenes Jahr hatten wir Spargel, aber keine Leute, die ernten konnten. Dieses Jahr sind die Leute da, aber der Spargel ist noch nicht soweit.“ Trotzdem hat Peter Aschof zur Sicherheit schon mal sieben polnische Erntehelfer kommen lassen. In der Hochzeit der Ernte werden es 20 sein. Dazu kommen Verkaufspersonal und Helfer für die Aufbereitung. Aschof wünscht sich frostfreie Nächte und tagsüber Sonne und 15 Grad. Denn auch wenn der Spargel zurzeit unter Folie und im Tunnel wächst, braucht er Sonne. Denn der Boden werde nur in Gegenden geheizt, wo überschüssige Wärme kostenlos zur Verfügung steht, zum Beispiel auf Äckern an Kraftwerken. Eine Bodenheizung in dieser Region würde den Spargel exorbitant verteuern und wäre auch aus Gründen der Ressourcenschonung nicht vertretbar. Außerdem ist auch Spargelessen eine Frage der Einstellung. „Eine Kundin sagt, sie isst 30 Mal in der Saison Spargel, egal, wann der erste Spargel geerntet wird. Bis zum Ende der Ernte am 24. Juni hat sie noch viel Zeit, diesen Wert zu erreichen“, lacht Gabi Aschof.

Über eine App auf dem Smartphone wird das Spargelfeld smart: Vier Thermometer messen die Bodentemperatur. Foto: Monika Schönfeld

Um Spargel wird mehr Aufhebens gemacht als um anderes Gemüse. „Es ist das erste frische Gemüse im Jahr“, begründet diesen Hype Peter Aschof. „Er ist einfach nur lecker. Dazu kommt, dass es frischen Spargel nur eine begrenzte Zeit gibt. Er ist arbeitsaufwendig und hochwertig.“ Im dritten Jahr in Folge gibt es zu wenig Regen, alle Spargelfelder werden bewässert.

In Zeiten der Corona-Pandemie fallen Gaststätten als Abnehmer des Spargels aus. Allerdings boomt die Direktvermarktung. „Die Menschen kaufen regionaler und gern direkt beim Bauern“, sagt Gabi Aschof. Im Hofladen an der Paderborner Straße werden deshalb nicht nur Spargel und ab Mai Erdbeeren verkauft, sondern auch Produkte anderer Landwirte der Vermarktungsgemeinschaft „Senne Original“ oder von Landwirten aus der Region. So sind Eis vom Milchhof Oskamp (Laer), Wein zum Spargel vom Weingut Raddeck, Sauce Hollandaise, Essig, Schinken von Austermeier in Stukenbrock-Senne, Friesenböden, Kartoffeln von Rieksneuwöhner, Eier von Ulrich Brummel, Nudeln vom Kempkensteffen aus Mastholte und auch Erdbeer-Secco.

Spargelhof Aschof: Anne Kesselmeier richtet den Hofladen ein. Foto: Monika Schönfeld

„Für die Direktvermarktung ist der Standort ein Glücksgriff“, sagt Peter Aschof. Sein Großvater Joseph hat seinen Hof am Kapellenweg 1938 aufgegeben, da die Erweiterung des Truppenübungsplatzes damals drohte. Er siedelte um an den Standort Epping. „Mein Opa hatte neun Kinder. Er meinte, er müsse an die Bahn umziehen. Er wollte nicht wie andere nach Mecklenburg umsiedeln, auch wenn es dort größere Höfe gab. Er zog von 20 Hektar auf neun Hektar um und wollte die Familie zusammenhalten.“ Bis 1985 bewirtschafteten die Aschofs den Hof und siedelten dann erneut um – wegen des Autobahnbaus. Neuer Arbeitsplatz wurde der 50 Hektar große Hof der Tante von Peter Aschofs Mutter am heutigen Standort.

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