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Luis Bökamp (19) aus Schloß Holte-Stukenbrock ist der bundesweit beste Nachwuchs-Brunnenbauer

Den Meisterbrief bald in der Tasche

Schloß Holte-Stukenbrock/Delbrück

Der Umgang mit großen Maschinen macht ihm Spaß – sei es bei der Freiwilligen Feuerwehr im Löschzug Stukenbrock oder in seinem Beruf als Brunnenbauer. Luis Bökamp (19) legt im Handwerk gerade eine atemberaubende Karriere hin: Als bester Brunnenbauer im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks wurde er Ende Oktober Landesbester. Und gerade bekam er den Anruf, dass diese Leistungen ihn auch zum besten Brunnenbauer-Nachwuchs Deutschlands machen.

Von Monika Schönfeld

Chef Andreas Schniedermeier ist stolz auf den Gesellen, der bald Meister ist: Luis Bökamp (19) hat als Brunnenbauer seinen Traumjob gefunden. Foto: Monika Schönfeld

Außerdem ist Luis Bökamp auf dem Weg zum Handwerksmeister – Anfang des Jahres wird er die letzte Prüfung hinter sich haben. Meister mit 20 Jahren, das will schon etwas heißen.

Entsprechend stolz ist der Ausbildungsbetrieb des Schloß Holte-Stukenbrockers. „Luis Bökamp ist bereits unser zweiter Lehrling, der Landesbester wurde“, sagt Andreas Schniedermeier (49), Chef des Delbrücker Unternehmens Schniedermeier Brunnenbau in dritter Generation.

Luis Bökamp entstammt einer Handwerkerfamilie. „Mein Vater ist Elektriker, mein Opa auch, eine meiner beiden Schwestern lernt bei der Stadt Verl Straßenwärterin.“ So war es für ihn gar keine Frage, was er nach dem Abschluss an der Realschule in Schloß Holte-Stukenbrock macht. Im 10. Schuljahr hat er noch in den Herbstferien ein Praktikum bei Schniedermeier Brunnenbau gemacht. „Das ist ein spezieller Beruf mit hohen körperlichen Anforderungen. Wir arbeiten immer draußen. Ein Praktikant wollte absichtlich im Winter bei uns arbeiten, um zu erfahren, wie das so ist“, sagt Andreas Schniedermeier.

Für Luis Bökamp gab es noch eine zusätzliche Herausforderung. Er war zu Beginn der Lehre 16 Jahre alt. Anfangs ließ er sich von seiner Mutter nach Delbrück fahren, dann aber hat er einen Streckenführerschein erhalten. Damit durfte er alleine mit dem Auto von zu Hause zum Ausbildungsbetrieb fahren, obwohl er noch keine 18 war. „Mit Bus und Bahn ist Delbrück eher schwierig zu erreichen“, sagt Luis Bökamp.

Andreas Schniedermeier

Für Brunnenbauer gibt es bundesweit nur eine Berufsschule – und zwar im ostfriesischen Bad Zwischenahn. Im ersten Lehrjahr war er fast ausschließlich dort. Die Auszubildenden leben im Internat, drei Viertel des ersten Jahres hat er dort verbracht und in der überbetrieblichen Ausbildung. „Das war mit 16 schon ungewohnt. Ich kannte anfangs niemanden und habe noch nie im Internat gelebt.“ Auch im zweiten Lehrjahr gab es immer wieder Blockunterricht in Bad Zwischenahn, erst im dritten Lehrjahr war Luis Bökamp zwei Drittel der Zeit auch tatsächlich im Betrieb. „Das schönste an diesem Beruf ist, dass man ständig an der frischen Luft ist und anspruchsvolle Aufgaben hat“, sagt Bökamp.

Denn Brunnenbauer bohren nicht nur die klassischen Trinkwasserbrunnen für Privatleute, sondern auch für die Landwirtschaft und die Industrie. Immer häufiger werden die Aufträge für Bohrungen für die Erdwärme mit Schachtbau und der Installation – „bis das Wasser aus dem Hahn kommt“. Zurzeit stellt Schniedermeier Brunnenbau vier Brunnen für den neuen Hauptbahnhof in Paderborn fertig. Mit der so genannten Wasser-Wasser-Wärmepumpe wird dann geheizt – klimaneutral. Brunnenbauer senken auch in Baugebieten das Grundwasser ab, bis die Gebäude gebaut sind.

Luis Bökamp

Jeder Brunnen sei genehmigungspflichtig und benötige eine wasserrechtliche Erlaubnis. Die entsprechenden Anträge und die Dokumentation gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet eines Brunnenbauers. Alle Brunnen, die tiefer als 100 Meter reichen, unterliegen zudem dem Bergrecht. „Wir bewegen uns im Trinkwasserbereich – das ist ein Meisterbereich“, sagt Andreas Schniedermeier, natürlich selbst Meister und Chef von sechs Mitarbeitern. „Ich würde gerne noch zwei weitere einstellen.“

Weil der „Kugelschreiber noch nicht kalt geworden ist“, hängt Luis Bökamp seine Meisterprüfung gleich an. Fachtheorie und -praxis hat er schon hinter sich wie auch den Ausbilderschein, jetzt kommt noch die fachkaufmännische Prüfung nach einem achtwöchigen Lehrgang, den er im Januar beginnt.

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