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Kurt Pohlmeyer (58) und Reinhard Laustroer (66) sind Urgesteine des Wochenmarktes auf dem Holter Kirchplatz

Der treueste Kunde ist 83 Jahre alt

Schloß Holte-Stuk...

Er ist der treueste Kunde des Wochenmarktes Schloß Holte.

Dirk Heidemann

Reinhard Laustroer (links), Kimberly und Kurt Pohlmeyer (rechts) begrüßen jeden Freitag ihren treuesten Kunden: Harald Niedermark aus Bielefeld. Foto: Dirk Heidemann

Auch mit 83 Jahren reist Harald Niedermark noch an jedem Freitag aus Bielefeld an, um sich mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Aus alter Verbundenheit. Denn Harald Niedermark ist es zu verdanken, dass es den Markt auf dem Holter Kirchplatz seit August 1999 überhaupt gibt. Er hat ihn ins Leben gerufen.

Der frühere Ordnungsamtsleiter und Marktmeister erinnert sich noch an die Zeit Mitte der 1980er Jahre, als der Wochenmarkt auf dem Platz hinter der Pollhansschule seinen Ursprung hatte. „Wenn Kurt Pohlmeyer mir gesagt hat, dass sein Stand zehn Meter Länge hat, dann habe ich ihm das geglaubt“, spricht Harald Niedermark von gegenseitigem Vertrauen. Damals wurde das Standgeld von ihm übrigens noch in bar kassiert.

Heute ist Kurt Pohlmeyer (58) mit seiner großen Auswahl an Obst und Gemüse einer von zwei „Überlebenden“ aus dieser Zeit. Der zweite ist Reinhard Laustroer (66) mit seinem Fleischhandel. Das Angebot auf dem Holter Kirchplatz vervollständigen Anne (56) und Hubert Westermann (59), die Kartoffeln, Zwiebeln und Eier anbieten; der Blumenhandel Walisko mit Verkäuferin Izzy Ventura (33); Stefania Indu (43), die für Niebuhr Feinkostvertrieb Alpenspezialitäten im Angebot hat und natürlich die Holter Curry-Queen Barbara Jürgens (61).

„In zwei Wochen wird es zudem einen Fischwagen geben“, kündigt Kurt Pohlmeyer an, der aus einer alten Kaufmannsfamilie stammt, seinen Stand in zweiter Generation mittlerweile mit acht Helfern betreibt und als einzig verbliebener Händler auch noch den Markt in Stukenbrock (dienstags und freitags von 7 bis 13 Uhr) bestückt. Pohlmeyer hat ein altes Foto aus dem Jahr 1972 dabei, dass seinen Vater Kurt, seine Schwester Marion und seinen Bruder Jürgen auf dem Markt in Oerlinghausen zeigt. „Markthändler kann man nicht werden, dass muss man sein. Wir stehen wie die Bäcker morgens früh auf, das finden viele junge Leute nicht so prickelnd“, sagt Kurt Pohlmeyer, der seine Markt-Gene indes erfolgreich weitergegeben hat: seine Tochter Kimberly (27) wird das Geschäft bald übernehmen.

Auch bei Reinhard Laustroer steht mit Sohn Patrick (32) die nächste Generation in den Startlöchern. Bei ihm wird es dann bereits die vierte sein, die Wild und Geflügel verkauft. „Mein Vater Otto hat noch bis zu seinem 85. Lebensjahr gearbeitet. Dann kam der Euro – und er hat aufgehört. Das wurde ihm dann doch zu kompliziert“, erzählt Reinhard Laustroer und ergänzt: „Mein Ur-Opa hatte noch keine Autos, da gab es im Zug extra ein Abteil für die Ware. Die wurde dann bis Bielefeld gebracht und von da ging es mit einem Karren zum Markt.“

In Schloß Holte schwärmen Kurt Pohlmeyer und Reinhard Laustroer von der sehr guten Markt-Gemeinschaft, in der jeder dem anderen hilft (Laustroer: „Der Kurt hat Elektronik im Blut“) und erhalten bei Wind und Wetter Bestätigung durch ihre Kunden. „Egal ob bei minus 15 Grad wie in der vergangenen Woche oder bei Hitze im Hochsommer, Die Leute wissen, dass wir immer da sind und kommen“, sagen beide, die das Ende der Corona-Pandemie herbeisehnen.

Denn der Abendmarkt, der bei seinen drei Premieren im Sommer 2019 sensationell gut besucht war, soll in diesem Jahr unbedingt wieder stattfinden. „Wolfgang Gerbig, Vorsitzender der Ortsgemeinschaft Schloß Holte, hat uns gesagt, dass sie den Abendmarkt innerhalb von 14 Tagen auf die Beine stellen können“, sagt Kurt Pohlmeyer. Das würde dann sicherlich auch Harald Niedermark freuen.

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