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Innenaufnahmen der St. Johannes Baptist-Kirche von Peter Dierich im Youtube-Video des Chors Ton-Art zu sehen

Die erste Drohne in der Pfarrkirche

Schloß Holte-Stuk...

Glockengeläut ist zu hören, während das Bild den Horizont zeigt und langsam nach unten fährt.

Dirk Heidemann

In der abendlichen Dämmerung erstrahlt die Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Stukenbrock. Diese Außenaufnahme eröffnet das Video des Chors Ton-Art. Foto: Peter Dierich

Ins Blickfeld gerät die Pfarrkirche St. Johannes Baptistin Stukenbrock – und wenig später gibt es beeindruckende Ansichten aus dem Inneren. Gefilmt hat diese Aufnahmen Peter Dierich. „Ich bin der Erste, der mit einer Drohne in die Kirche geflogen ist“, sagt der 62-Jährige nicht ohne Stolz.

Knapp acht Minuten lang ist das Werk, das in einer Gemeinschaftsaktion entstanden und auf der Internetseite des Stukenbrocker Chors „Ton-Art“ zu sehen ist. Die Idee dazu stammt von Chorleiter Dominik Mersch, der Ton-Art im Mai 2006 ins Leben gerufen hatte. „Du hast doch eine Drohne“, sagte dieser zu Peter Dierich, der selbst im Chor mitsingt: „Da habe ich mich gefreut, dass ich gefragt worden bin. Denn es war schon immer mein Traum, einmal mit der Drohne in eine Kirche zu fliegen.“

Peter Dierich mit seiner 900 Gramm leichten Drohne. Foto: Dirk Heidemann

Es war der Startschuss für das Projekt. Statt des alljährlichen, vorweihnachtlichen Konzerts des Chores am dritten Advent sendete Ton-Art im vergangenen Jahr an jedem der vier Adventssonntage ein musikalischen Gruß in die Gemeinden. Zum Weihnachtsfest wurde dann das Drohnen-Video ins Netz gestellt, das es auch auf Youtube zu sehen gibt. Die Drohne nähert sich der St. Johannes Baptist-Kirche, scheint hineinzufliegen und zeigt dann Bilder vom Altar, der Krippe, der Orgel. So detailnah, wie es das menschliche Auge wohl noch nie gesehen hat. Untermalt werden die beeindruckenden Aufnahmen von den Stimmen der Ton-Art-Chormitglieder, die „O come, all ye faithful“ sowie die deutsche Version „Nun freut euch, ihr Christen“ intonieren. Zum Abschluss liest Manfred Robrecht das Gedicht „Zu Bethlehem da ruht ein Kind“ von Annette von Droste-Hülshoff vor.

Aus mehreren Metern Höhe ist dieses Bild des aus dem Jahr 1683 gestifteten Hochaltars sowie der beiden 1774 geschaffenen Rokoko-Seitenaltäre entstanden Foto: Peter Dierich

An drei Tagen (21. November sowie 19. und 22. Dezember) hat Peter Dierich in der Kirche gefilmt, die Videobearbeitung der Rohdaten übernahm Christian Nagel. Die Audiobearbeitung erfolgte durch Dominik Mersch, der im Video zudem Piano, Orgel und Schlagzeug spielt. Am Kontrabass ist Gerold Kukulenz zu hören. Die Fotos, die im Video zu sehen sind, stammen von Michael Bahners.

„Vor allem die Aufnahmen der Orgel haben mir sehr gut gefallen. Wenn man davor steht, sieht man von unten nur einen kleinen Teil. Aber mit der Drohne kommt man eben in eine Höhe, die eine sehr schöne Optik bietet. Das wirkt schon imposant. Auch beim Altar, wenn man mal genau sehen kann, was drin und dran ist“, sagt Peter Dierich, der bereits seit vielen Jahren als Hobbyfotograf unterwegs ist, sich aber schon lange für eine Drohne interessiert und nach reiflicher Überlegung dann vor etwas mehr als einem Jahr zugeschlagen hat.

Die 20 Millionen Pixel starke Hasselblad-Kamera unter der Drohne liefert auch von der Krippe detailreiche Aufnahmen. Foto: Peter Dierich

Sein extrem kleines Modell ist bei eingeklappten Rotoren nicht einmal halb so groß wie ein DIN A4-Blatt und wiegt etwa 900 Gramm. „Die passt sogar in eine Damenhandtasche“, schmunzelt der 62-Jährige. Die unter dem Rumpf befestigte Hasselblad-Kamera hat 20 Millionen Pixel. Theoretisch könnte die Drohne schneller als 70 km/h und bis in eine Entfernung von acht Kilometern fliegen sowie sich in einer Höhe bis maximal 6000 Metern bewegen. In Deutschland sind jedoch nur 120 Meter erlaubt.

Peter Dierich ist im Nachhinein froh darüber, dass Dominik Mersch die musikalischen Grüße in die Gemeinden entwickelt hat. „Natürlich ist ein richtiges Konzert etwas anderes. Aber so konnten wir den Menschen zeigen, was wir eingeübt hatten und sind nicht ganz aus den Gedächtnissen verschwunden“, so Dierich, der es kaum abwarten kann, wieder gemeinsam mit dem Chor zu singen: „Wir sind zwar alle Laien, haben aber viel Spaß an der Freud.“

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