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Postbotenfamilie erledigt in der Freizeit auch schon mal die Einkäufe für ältere Menschen

Die Fischers helfen dem Christkind

Schloß Holte-Stuk...

Melina, Simone und Udo Fischer arbeiten bei der Deutschen Post. Gerade in der Vorweihnachtszeit werden sie dabei oft zu Helfern des Christkinds. Für einsame Menschen sogar zu Engeln ohne Flügel.

Manuela Fortmeier

Udo und Simone Fischer und ihre Tochter Melina arbeiten als Postboten. Gerade vor Weihnachten haben sie viel zu tun. In der Corona-Pandemie sind sie für einige Menschen aber auch der einzige Kontakt zur Außenwelt. Foto: Manuela Fortmeier

Mit Schwung hebt Melina Fischer das große Paket vom prall gefüllten Rollwagen auf ihren Postwagen um. Das Paket hat es in sich. Satte 30,5 Kilogramm wiegt es. Nicht nur an diesem Tag gibt es einige der 140 Pakete, die es in diese Gewichtsklasse schaffen und teilweise bis in den dritten Stock ausgeliefert werden müssen.

In den vergangenen Jahren zunehmend, und gerade in der Weihnachtszeit, haben die Postboten der Deutschen Post alle Hände voll zu tun.

Melina Fischer ist nicht die einzige Postbotin Familie. Auch ihre Mutter Simone Fischer (48) und Vater Udo Fischer (52) sind Postboten. Sie alle arbeiten im Hövelhofer Zustellstützpunkt an der Industriestraße und lieben ihren Beruf.

Auf Grund von Corona starten sie von hier aus jeder für sich, zeitversetzt mit den Kollegen, im Zwei-Wellen-Verfahren in ihren Zustellbezirk. Zwischen 40 und 90 Kilometer legen sie pro Schicht mit ihrem E-Fahrzeug zurück. Von diesem Zustellstützpunkt in Hövelhof werden mit fast 20 Mitarbeitern täglich 2000 Pakete und Päckchen in die Haushalte in Hövelhof zugestellt.

„Bereits im ersten Lockdown haben wir einen rasanten Anstieg des Päckchens- und Paketaufkommens verzeichnet. In der Weihnachtszeit kommen noch die Geschenke aus den Onlinegeschäften, aber auch die Weihnachtspost zum alltäglichen Paketaufkommen hinzu“, sagt Bettina Gerke, Betriebsleiterin der Deutschen Post im Kreis Paderborn. Überhaupt sei das Geschäft in den vergangenen Jahren immer anspruchsvoller geworden. „Das immense Paketaufkommen hat uns vor eine Riesenaufgabe gestellt, die wir aber gut meistern können. Wir haben schnell reagiert und weitere, eigene Paketeingangsverteiler und eigene Kräfte für die Paketzustellung eingestellt und eingearbeitet, um Überforderungen unserer Mitarbeiter zu vermeiden“, sagt Gerke.

Bettina Gerke (rechts), Betriebsleiterin der Deutschen Post im Kreis Paderborn, mit Postbotin Melina Fischer. Foto: Manuela Fortmeier

Für viele Menschen sind die Frauen und Männer von der Post echte Engel ohne Flügel und werden täglich schon sehnsüchtig erwartet. „Wir haben einige, insbesondere alte Menschen, die jeden Tag schon am Fenster auf uns warten“, sagt Standortleiter Udo Fischer. Gerade in der Coronazeit, in der Kontakte stark reduziert sind oder zum Schutz der Menschen ganz ausbleiben, seien er und seine Kollegen oft die einzigen sozialen Kontakte für diese Menschen. „Da reichen manchmal schon ein paar nette Sätze, oder ein kleines Pläuschchen, von denen die Menschen dann den ganzen Tag zehren“, sagt Simone Fischer.

„Postbote sein ist für meine Frau, meine Tochter und mich viel mehr, als Briefe und Pakete in die Wohnungen und Häuser zu tragen,“ sagt der Liemker, der seinen Beruf seit 1992 ausübt. „Bei einigen Menschen, von denen wir wissen, dass sie sehr alt oder krank sind und wirklich außer uns niemanden haben, handhabt es meine Familie in der Coronazeit teilweise so, dass wir beim Zustellen der Post ihren Einkaufszettel mitnehmen und nach unserer Arbeit für sie einkaufen und ihnen den Einkauf vorbeibringen. Das ist unsere Art und Weise, Nächstenliebe zu leben“, sagt Fischer.

Bettina Gerke betreut als Betriebsleiterin des Kreises Paderborn elf Standorte mit insgesamt rund 500 Mitarbeitern. „Der Nachwuchs im Team gibt jeden Tag sein Bestes.“ So wie die 20-jährige Melina Fischer, die als stellvertretende Standortleiterin im Urlaubs- oder Krankheitsfall ihren Vater Udo vertritt.

„Jeder von uns legt am Tag zwischen 17.000 und 25.000 Schritten zurück und bewegt zusätzlich dabei mehrere hundert Kilo schweres Paketgut von einem Ort zum nächsten. Aber unser Beruf macht uns Spaß und ein Fitnessstudio brauchen wir definitiv nicht,“ sagt Udo Fischer, schnappt sich einen Berg von Briefen und bricht mit seinem prall gefüllten Fahrzeug zu seiner Tour auf, um Pakete und bestellte Weihnachtsgeschenke in die Haushalte zu verteilen. Schließlich sind er und alle Postboten-Kollegen doch auch ein bisschen die heimlichen Helfer des Christkinds.

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