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Polizeihauptkommissar Claus Mikus, Vorsitzender der ASG Teutoburger Wald, im Corona-Interview

„Die Pandemie schweißt zusammen“

Schloß Holte-Stuk...

Polizeihauptkommissar Claus Mikus befindet sich auf der beruflichen Zielgeraden, in neun Monaten ist im Job Schluss. „Ich werde aber ganz bestimmt nicht in ein Loch fallen“, sagt der 61-Jährige, der privat noch jede Menge Pläne hat, in denen seine Frau Silke (58) eine wichtige Rolle spielt. Oberste Priorität hat für den 1. Vorsitzenden der ASG Teutoburger Wald (seit 2010) und langjährigen Marathonläufer, möglichst lange gesund zu bleiben

Dirk Heidemann

Claus Mikus entspannt auf dem heimischen Sofa und liest „Allein gegen den Wind“ von Wilfried Erdmann. Foto: Dirk Heidemann

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Was überwiegt bei Ihnen gerade: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Claus Mikus: Ganz klar Vertrauen und Gelassenheit, damit nicht die Unzufriedenheit und der Frust siegen. Im Übrigen habe ich Vertrauen zu den vielen Medizinern, die weltweit an dem Corona-Problem arbeiten.

Der Amateursport ruht. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung?

Mikus: Sowohl als auch. Als aktiver Sportler weiß ich, wie wichtig es für viele Menschen ist, aktiv Sport zu betrieben. Es bereitet Glückshormone, hilft beim Stressbau und fördert eindeutig die Gesundheit. Für Alleinlebende kann der Mannschaftssport ein Stück weit Familienersatz sein. Für die vielen Mannschaftssportarten ist die Corona-Situation sicherlich eine große Hürde. Umso wichtiger ist es, Individualsport betreiben zu können. Im Sommer 2020 haben wir von der ASG Teutoburger Wald zusammen mit dem Laufspaß Sende einen Läuferabend für 60 Teilnehmer veranstaltet. Da habe ich erlebt, wie dankbar die Läuferinnen und Läufer waren, dass es überhaupt eine Sportveranstaltung gab und wie die Menschen danach lechzten, Sport betreiben zu können. Da ist Sport gerade in einer Zeit der Einschränkungen immens wichtig.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzlerin sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Mikus: FFP2-Masken kostenlos an alle verteilen lassen. Angefangen bei den ärmsten in unserer Gesellschaft.

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

Mikus: Erschreckend nah. Ein Bekannter hatte mich besucht, ohne zu wissen, dass er zu diesem Zeitpunkt schon infiziert war. Da wir uns nur draußen aufgehalten und beide FFP2-Masken benutzten, habe ich mich nicht infiziert. Der Bekannte ist schwer erkrankt und hatte über Wochen mit der Krankheit zu kämpfen.

Was tun Sie und wo tun Sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?

Mikus: Ich trainiere mit dem Mountainbike und mache regelmäßig Spaziergänge durch den Teuto. Für die geistige Fitness sorgt meine kleine Enkeltochter, die mich hoffentlich noch lange jung hält!

Die Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Mikus: Für mich ist ein großer Teil der Selbstverständlichkeit verloren gegangen, anderen Menschen zu begegnen und sich frei zu bewegen. Stattdessen ist die ständige Sorge latent, sich nicht mit dem Virus anzustecken. Das ist schon eine große Einschränkung der Lebensqualität und macht mich auf der anderen Seite demütig und dankbar, morgens gesund den nächsten Tag erleben zu dürfen.

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Mikus: Zu Hause bei der Familie. Dort finde ich die nötige sichere Umgebung, um abzuschalten und ein Stück weit die Enkeltochter bei ihrer Entwicklung zu begleiten.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Mikus: Ich lese gerade „Allein gegen den Wind“ von Wilfried Erdmann. Ein Buch über den ersten Deutschen, der gegen den Wind und nonstop 32.000 Seemeilen um die Erde segelte. Das Buch beschreibt die 343 Tage lange Fahrt voller Angst, Entbehrungen und Hochgefühlen und trifft in der gegenwärtigen Situation die Sehnsucht vieler Menschen nach Freiheit.

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Mikus: Ich denke, dass Corona die Welt nachhaltig verändert. Sowohl im negativen wie im positiven Sinn. Der schreckliche Umstand, der vielen weltweit an dem Virus gestorbenen Menschen und das damit verbundene Leid ist nicht mehr rückgängig zu machen. Auf der anderen Seite hat die Pandemie Menschen auch zusammengeschweißt und das Bewusstsein für wesentliche Dinge und ökologisches Handeln geschärft.

Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?

Mikus: Der Ausspruch von Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ bestimmt mein Handeln. Daher möchte ich dem Virus nichts sagen, sondern ihm lieber durch verantwortungsbewusstes Handeln wenig Angriffsfläche bieten.

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