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»Very british«: Pfarrkarneval Stukenbrock nimmt den Brexit aufs Korn

Die Queen ist amüsiert

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Queen verleiht jeder Veranstaltung Glanz und ein bisschen Pomp. Die Queen ist amüsiert – über die europäische Sichtweise des Brexit, wie ihn der Pfarrkarneval Stukenbrock mit 80 Akteuren vor 390 Gästen in der Schützenhalle Stukenbrock dargeboten hat.

Monika Schönfeld

Die Queen – das ist eine Rolle, die Marlis Brink (91) auf den Leib geschrieben ist. Sie ist die »Königin der Weiberfastnacht«, die sie vor 60 Jahren mit Gleichgesinnten »erfunden« hat. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr geleitete sie als Ehrengast des Pfarrkarnevals in Stukenbrock zu ihrem Thron. Foto: Monika Schönfeld

Die Queen, wie sollte es anders sein, ist die Königin der Weiberfastnacht, Marlis Brink. Im Film wird gezeigt, wie sie auf dem Flughafen Oerlinghausen landet, von einem Oldtimer abgeholt und mit Motorrad-Eskorte über das Bokelfenn zu den »T Rooms« gebracht wird, wo sie standesgemäß Tee trinkt, bevor sie zur Schützenhalle eskortiert wird. Dort wird sie vom ersten Bürger der Stadt, Hubert Erichlandwehr empfangen. Der Film mündet in das wirkliche Leben.

Der Bürgermeister geleitet die leibhaftige Königin der Weiberfastnacht in die Halle, wo minutenlanger Applaus die Majestät erwartet. Die bleibt gelassen. In rotem Kostüm und obligatorischem Hut winkt sie mit weiß behandschuhter Hand, um dann amüsiert auf dem Thron die erste Halbzeit des Brexit zu verfolgen.

Ein-Pfund-Note mit Marlis und Hubert

Die Details begeistern: Die Leibgarde der Königin scheint von der Insel eingeflogen, die Wertmarken zeigen die Königin Marlis Brink und den Bürgermeister mit wallender Perücke auf der Ein-Pfund-Note. »Bye, Bye, Britain – Helau Europe« ist das Motto, das sich überall wiederfindet. Das Team des Pfarrkarnevals profitiert stark von den unterschiedlichen Talenten, die sich in den Details zeigen. An der Theke steht: »Don’t worry about Brexit – buy a drink and ex it« (frei übersetzt: Sorge dich nicht über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, kauf dir etwas zu trinken und kipp’s runter).

Lecker Schnitzelbrötchen gibt’s in der »Royalen Schmatzkammer«, wo die Kronjuwelen ausgestellt sind. Magnus Brock und Jennifer Sieweke von hej-Design haben die Mittel, um das Bühnenbild zum absoluten Hingucker zu machen. Neben dem Bild der Queen tummeln sich vor Big Ben und den Houses of Parliament Schauspieler Daniel Craig (James Bond) und Rowan Atkinson (Mister Bean), Krimiheldin Miss Marple und Politiker Boris Johnson. An der Wand hinter dem Thron sind Titelseiten der englischen Boulevardblätter gepinnt, die Theresa May und ihr Brexit-Getue kommentieren.

Die Abtrünnigen

Damit angesichts der politischen Lage die Leute nicht den Humor verlieren, gibt es den Pfarrkarneval. »Die Letzten Drücker« vergleichen den Brexit mit einer Beziehungskrise. Das Ehepaar Europa und England fühlen sich in gleicher Weise benachteiligt, Europa wirft England einen Stern vor die Füße. Wer leidet? Die Kinder. Nordirland versteht den Streit nicht, Schottland hat nur einen Satz: »Wenn ich 18 bin, ziehe ich aus.«. Die Joke Cookies haben den Sprachkurs »English for Runaways« im Programm.

Mit anderen Abtrünnigen beschäftigen sich die Poppnasen. Die fünf Musiker in grünen Jacken (St.-Johannes-Blasorchester) müssen sich mit einer »Transtuba« beschäftigen, die die rote Jacke bevorzugt (Städtisches Blasorchester). Aber: Alles nicht so schlimm!

Bevor die Hitparade mit Variationen aus verschiedenen Musikrichtungen dem Schlager der Weiberfastnacht, »Hauptsache ist, die Mama ist gesund«, huldigt, sind die Tanzgarde der TG Sende, die Theatertanten der katholischen Frauengemeinschaft, »Let’s Fetz« mit Queen und Freddy Mercury und die Surprise Dancer auf der Bühne. Und dann geben sich weitere Berühmtheiten aus dem Schlager-Biz die Ehre: Deichkind, Die Flippers, ACDC, Peter Maffay und – Ehrensache – die Beatles sind dabei. Brexit hin oder her. Die Partyband »The Juniors« sorgte dann für Tanz bis in den nächsten Morgen.

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