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Ersten Abschlussjahrgang der Gesamtschule unter Corona-Bedingungen verabschiedet

Einen Meilenstein erreicht

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es hätte ein Tag werden sollen, an dem groß gefeiert wird: 134 Schüler bilden den ersten Abschlussjahrgang der Gesamtschule Schloß Holte-Stukenbrock . Das Coronavirus machte der großen Feier einen Strich durch diesen Plan. Nachdem Landrat Sven-Georg Adenauer alle Schulen des Kreises Gütersloh am Donnerstag nach Bekanntwerden der Infizierten im Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück geschlossen hatte, bekamen die Absolventen ihre Zeugnisse in kleinem Rahmen – ohne Eltern, dafür aber mit ganz viel Anteilnahme.

Monika Schönfeld

Der erste Abschlussjahrgang der Gesamtschule: Die Zeugnisübergabe am Freitag erfolgte feierlich, aber ohne Eltern und Gäste. Collage: Sandra Hoffmann

„Dass der geplante Abschluss mit einem Gottesdienst, der gemeinsamen großen Feier und dem gemütlichen Abend in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise nicht stattfinden kann, tut mir, tut uns weh“, sagte Schulleiterin Christel Kuch, die die fünf Klassen nachein­ander ehrte und jedem Schüler die Zeugnismappe, eine Ausgabe des Grundgesetzes, einen liebevoll gestalteten Kalender mit den Stationen in sechs Jahren Schullaufbahn und eine Rose überreichte. Als musikalischen Beitrag gab es nur als Intro Gitarrenmusik von Karsten Sieweke und das Abschlusslied der Lehrer an die Schüler mit dem Titel „Geiles Leben“, frei nach dem Lied der Gruppe „Glasperlenspiel“.

Ein erster Meilenstein

Das 10er-Abschlusszeugnis sei der erste Meilenstein auf dem Weg in die weitere Ausbildung. Alle 134 Absolventen erhalten einen Abschluss: 64 Schüler erhalten den mittleren Schulabschluss mit Q-Vermerk, der zum Besuch der gymnasialen Oberstufe berechtigt. 35 Schüler haben den mittleren Schulabschluss erreicht, 32 den Hauptschulabschluss nach Klasse 10. Außerdem gibt es drei Abschlüsse für Förderschüler.

Mit dem Zeugnis haben die Schüler den nächsten Weg ihrer Laufbahn bereits ins Auge gefasst: 29 Schüler werden eine betriebliche duale Ausbildung machen, 55 werden eine Oberstufe besuchen, 45 haben sich für ein Berufskolleg entschieden, zwei machen ein Freiwilliges Soziales Jahr und die drei Förderschüler werden eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme besuchen.

Christel Kuch

„Für jeden von euch hat dieser Tag eine ganz individuelle Bedeutung. Ihr seid und ihr ward unser erster Jahrgang an der neu gegründeten Gesamtschule und damit seid ihr etwas ganz Besonderes“, sagt Christel Kuch. „Ihr habt sechs Jahre auf einer Baustelle gelebt und gelernt. Das war für euch und eure Lehrer zum Teil mit großen Einschränkungen verbunden.“ Was Schüler einer Ganztagsschule räumlich brauchen, sei den für den Umbau Verantwortlichen lange nicht klar gewesen. „Die Ausstattung der Klassenräume war überwiegend nicht zeitgemäß. Am Standort Hallenbad fehlte im Schulgebäude ein angemessener Aufenthaltsbereich für die Pausen.“ All diese Einschränkungen hätten die Schüler toll gemeistert.

Das Lernen mit Abstand, die Vorbereitungen auf die Zentralen Prüfungen in Teilgruppen haben die Schüler während der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie diszipliniert und souverän bewältigt. „Das erfüllt mich und unsere Schule mit Stolz.“ Die Schüler haben sich politisch und sozial engagiert im Jugendparlament, als Schulsanitäter und Sporthelfer sowie beim Frühstück für pflegende Angehörige.

Am Philosophen Laotse orientieren

„Wir entlassen euch in eine Gesellschaft mit Herausforderungen – Globalisierung, Klimawandel, Digitalisierung, Rechtsextremismus und nun der Umgang mit einer Pandemie. Ich hoffe, dass ihr das nötige Rüstzeug erhalten habt, um euch zu positionieren und Courage zu zeigen, wenn es notwendig ist.“ Sie gibt den Schülern die Aussage mit auf den Weg, die dem chinesischen Philosoph Laotse zugeschrieben wird: Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.

Hubert Erichlandwehr

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr hat den Absolventen einen persönlichen Brief geschrieben. „Es ist wirklich sehr schade, dass gerade der mutige erste Jahrgang der Gesamtschule nicht in einem großen Rahmen seine Abschlusszeugnisse entgegennehmen kann. Eine Schule im Aufbau ist spannend. Man kann sie zum einen mitgestalten, muss sich zum anderen immer aber auch auf Experimente einlassen“, sagt Erichlandwehr. „Schön, dass die Eltern vor sechs Jahren der neuen Schule ihr Vertrauen gegeben haben. Die Abschlüsse der Schüler beweisen, dass die Schule hervorragende Arbeit geleistet hat und die Schüler ihre besondere Leistung erbracht haben. Gern hätte ich persönlich an der Zeugnisübergabe – und zwar in jedem Klassenverband – teilgenommen. Mein persönlicher Brief soll meine besondere Anerkennung zum Ausdruck bringen.“

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