Maria Tölle speist Facebook-Seite mit historischen Bildern und Informationen aus Stukenbrock

Erbe im digitalen Museum bewahren

Schloß Holte-Stuk...

Die Liebe zur Geschichte Stukenbrocks hat sie seit dem Heimatkunde-Unterricht an der Schule, als sie über die Erfahrungen der Älteren referieren sollte.

Monika Schönfeld

Ein Fülle von alten Fotos, Feldpostbriefen und Postkarten hat Maria Tölle gesammelt, die für die Ortsgemeinschaft Stukenbrock die Info-Stelen bestückt. Foto: Monika Schönfeld

„Meine Oma, Oekenpöhlers Stina, erzählte, wie sie im Ölbach gewaschen hat. Da lief bei mir im Kopf ein Film ab, ich konnte mir vorstellen, wie das war“, erzählt Maria Tölle. Aus dieser Liebe zur Heimat ist eine Leidenschaft geworden. Tausende Fotos liegen auf dem Tisch, viele hat sie digitalisiert. Damit speist sie eine neue Facebook-Seite unter dem Namen „Schloß Holte-Stukenbrock historisch“. Viele, auch jüngere, kommentieren die Fotos und stellen eigene auf die Seite.

Ihr Vater Willi Oekenpöhler habe ihr die Akten seines Geburtshauses, der Münsterstätte (Hauptstraße 18), überlassen, da er wusste, sie sind dort in guten Händen. „Von meiner Mutter habe ich den Faible für Fachwerkhäuser mitbekommen“, sagt sie. Die Unterlagen über das Haus, das zum Ottenhof gehörte, reichen bis ins Jahr 1840. Ihre Mutter, die im Alter dement war, konnte zu alten Fotos viel erzählen. Das hat sich Maria Tölle notiert.

„Ich versuche alles zu retten“, sagt Maria Tölle, die allein 70 Feldpostbriefe von ihrem Opa aus dem 1. Weltkrieg sowie vom Vater und seinen Brüdern aus dem 2. Weltkrieg aus der Mülltonne geholt hat. „An den Briefen an die Mütter kann man sehen, wie die jungen Männer im Laufe des Krieges ihre Einstellung geändert haben.“ Außerdem verfügt sie über historische Fotos, die Leopold Brechmann ihr zur Verfügung gestellt hat.

Seit vier Jahren ist Maria Tölle in einem Ahnenforscher-Programm (My Heritage) aktiv. „Viele stellen hier ihre Bilder ein. Darüber habe ich viele Kontakte geknüpft. Ich habe allein 20.000 Namen von Menschen erfasst, die einen Bezug zu Stukenbrock haben.“ Ihr Anliegen ist es, dass sich die Hobbyforscher vernetzen. „Es sollte nicht jeder auf seinem Privatarchiv sitzen. Man kann sich gegenseitig helfen. Viele haben zu ihren Familien geforscht und Stammbäume fertig. Die Arbeit muss man sich ja nicht doppelt machen.“

Historische Bilder habe sie bisher manchmal in die Facebook-Gruppe „Du wohnst schon lange in Schloß Holte-Stukenbrock, wenn...“ gestellt. Die waren so beliebt, dass jemand eine eigene historische Seite eingerichtet hat. „Dort sind viele junge Leute aktiv, Alex Brock zum Beispiel, Michael Brechmann oder Josef Artmann.“ Henrik Fockel habe ein umfangreiches Archiv über die Westfalenhöfe und schiebe ihr immer schnell Informationen zu, wenn sie eine Frage zu Bildern hat.

Stelen zur Ortsgeschichte Stukenbrocks

Die Ortsgemeinschaft Stukenbrock plant, Infotafeln wie in Schloß Holte zur Geschichte Stukenbrocks aufzustellen. Die ersten vier sind fast fertig. „Wir planen einen historischen Rundweg, erst einen kleinen im Dorf, dann eine Erweiterung bis zur Römerstraße in das alte Zentrum. Das wird erst nächstes Jahr klappen können. Wir müssen ja auch kalkulieren, weil keine Einnahmen bei fehlenden Veranstaltungen vorliegen“, sagt Maria Tölle. Die erste Stele wird an die Heimathäuser kommen zum „Stuken“, der dort wieder aufgestellt wird. Es handelt sich um eine neue Wurzel, die alte am Kreisel war morsch. Die erste Infotafel behandelt die Siedlungsgeschichte und die Namensgebung des Dorfes, dann wird im nächsten Schritt die Kirche (kurze Chronik) beschrieben. „Wir zeigen bevorzugt alte Ansichten, also den Blick auf die Kirche vom Friedhof. Und später noch mal den Blick auf die Kirche und auf ‚Peters’ in Erinnerung an das alte Hochzeitshaus und die alte Eiche mit einem Zeitungsartikel von Lehrer Stiewe.“ Die Ortsgemeinschaft will die erste Stele und den Stuken zum Maibaumfest enthüllen, sofern die Feier erlaubt ist. Aufgrund der vielen Sehenswürdigkeiten und alten Gebäude unter Denkmalschutz, unter dem Gesichtspunkt, dass das Zentrum mit Rathaus, Marktkauf, Schulen und mehr alles Stukenbrock ist, könnte die Ortsgemeinschaft mehr als 20 Stelen aufstellen. „Aber die kann der Verein aus seiner Vereinskasse allein nicht wuppen.“

Maria Tölle vermisst in Schloß Holte-Stukenbrock, dass solche Bilder und Dokumente in einem Stadtarchiv gesammelt und zugänglich gemacht werden. „Wir bräuchten einen Koordinator. Zurzeit wird alles den Hobbyhistorikern überlassen“, sagt Maria Tölle. Deshalb habe sie Kontakt mit dem Bürgermeister aufgenommen. „Wir brauchen ein digitales Museum, in dem alles erfasst wird.“ Gute Beispiele seien Verl (Heimathaus) und Hövelhof (Heimatmuseum), dort bekomme jeder Zugang zu allen Daten. „Über den Stukenbrocker Ortsvorsteher Antpöhler bekommt man hier keine Infos, in Hövelhof schon.“

Die Geschichte interessiert. „700 Zugriffe weist der Artikel zum 121. Geburtstag des Lehrers Johannes Stiewe aus, der zur Geschichte ‚800 Jahre Stukenbrock von 1153 bis 1953‘ geschrieben hat. Die Chronik ist als Pdf-Datei im Sennearchiv erhältlich. Seine Texte findet man in jedem Heimatbuch. Es ist toll, dass Leute den Stiewe heute noch lesen oder zumindest reingucken.“

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