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Erstklässler der Michaelschule erzählen Lehrerin Verena Tillmann in Videokonferenz von ihren Weihnachtsferien

Erster Schultag im virtuellen Raum

Schloß Holte-Stuk...

„Es ist unglaublich, was Eltern leisten.“ Der Schulleiter der Michael­schule, Norman Nefiodow, hat am Dienstag im Vorgriff auf die Videobetreuung der Schüler einen Testlauf mit Eltern gemacht. Am Mittwoch um 9 Uhr sind die Jungen und Mädchen der ersten Hälfte der Fuchsklasse (1a) auf dem Bildschirm ihrer Klassenlehrerin Verena Tillmann zu sehen.

Monika Schönfeld

Die Konrektorin der Michaelschule, Verena Foto: Monika Schönfeld

„Am ersten Tag geht es wie im Präsenzunterricht darum, erst mal zu erzählen, wie die Ferien waren, wie es den Kindern geht. Alle müssen sich auch damit vertraut machen, wo die Kamera ist und wo stummgeschaltet wird“, sagt Verena Tillmann. Demnächst soll der „Raum“ etwas eher „geöffnet“ werden, damit die Kinder – wie auf dem Schulhof – miteinander reden und herumalbern können.

Lehrer, Schüler und Eltern haben aus dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 gelernt. Einige Klassen konferierten online – benutzt wurden drei verschiedene Systeme. „Eins galt als nicht datensicher, das andere wurde von der Bezirksregierung nicht gern gesehen. Als sich dieser neue Lockdown abzeichnete, haben die Eltern mit ihren äußerst positiven Rückmeldungen dazu beigetragen, dass wir jetzt für alle neun Klassen Videokonferenzen einführen“, sagt der Schulleiter. So gibt es montags die Aufgaben, alle zwei Tage kann jeder Schüler in der Videokonferenz (über Jitsi) Fragen stellen. „Wir haben die Klassen halbiert. Einmal, damit kleine Gruppen entstehen. Und zum anderen, weil wir nicht riskieren wollen, dass die Internetverbindung 200 Schüler gleichzeitig vielleicht nicht aushält. Erst mal geht es nur um Deutsch, Mathe und Sachunterricht.“

Am Dienstag seien die Regeln mit den Eltern besprochen worden. Wie verhält man sich in einer Videokonferenz? Wie meldet man sich? Alle Materialien müssen griffbereit liegen. Wer redet, hat das Mikrofon an, alle anderen stellen auf stumm. „Wenn Sie von zehn Kindern die Geschwisterkinder im Hintergrund, die Türklingel und die Straßengeräusche hören, ist an konzentriertes Gespräch nicht zu denken“, sagt Nefiodow.

Konrektorin Verena Tillmann

Mitte des Jahres habe er bei den Eltern abgefragt, wer Leihgeräte benötigt. 20 iPads hat die Schule von der Stadt erhalten. Die Anfangsschwierigkeiten mit den Apps müssen die Eltern jetzt nach Anweisung beheben. „Die Eltern sind kreativ und haben über Handy für Bild und Ton gesorgt, haben von ihrer Arbeitsstelle Computer ausgeliehen.“ Ein Team aus knapp einem Dutzend Eltern hat sich gefunden, das Eltern unterstützt, die mit der Technik nicht so gut klarkommen. „Für uns Lehrer ist es unglaublich wichtig, dass Eltern ihren Part übernehmen und uns damit unterstützen“, sagt Nefiodow. „Das Miteinander ist in diesen schwierigen Zeiten besonders wertvoll.“ Was die Eltern leisten, kann er beurteilen. Zwei seiner Kinder machen Homeschooling, er selbst war am Dienstag im Homeoffice. „Fragen der Kinder beantworten, technische Probleme auf drei Plattformen lösen, kleinere Kinder betreuen und selbst zu Hause arbeiten – das ist der Wahnsinn.“

Schulleiter Norman Nefiodow freut sich über das Engagement der Eltern, die bei technischen Problemen anderen Eltern helfen. Foto: Monika Schönfeld

Ist das digitale Unterrichten die Zukunft der Schule? Nefiodow denkt, dass die Begleitung der Schüler via Videokonferenz gut ist, um den Lehrern Fragen zu stellen und um konkret auf das Kind einzugehen. „Es geht aber viel verloren. Ganz ausgeblendet ist das Erzieherische, das Schulen leisten. Wir nehmen den Eltern im Präsenzunterricht viel ab, wir haben Didaktik gelernt, also wie man Kindern etwas beibringt. Ganz weg ist zurzeit die Nähe und das soziale Miteinander – etwas, was jedes Kind braucht. Allerdings sind die Eltern froh, dass wir über die Videokonferenz den Kindern einen Rahmen geben, eine Tagesstruktur. Was noch geübt werden muss, ist das selbstständige Lernen.“ Die digitale Lernplattform Logineo sei zwar eingerichtet für jedes Kind, die Lehrer sind geschult, allerdings fehlte die Zeit, es mit den Schülern zu trainieren. „Nach dem letzten Lockdown mussten wir erst mal die Kinder einfangen und an den Lernalltag gewöhnen, verpassten Stoff aufholen und neuen vermitteln.“ Nefiodow denkt, dass sich Schule ändern wird. „Nachmittags werden Kinder über die Lernplattform Unterrichtsstoff erarbeiten, den im Präsenzunterricht morgens präsentieren und offene Fragen klären.“

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