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Schwierigkeiten besonders in OWL – TÜV hat zu wenig Personal – Durchfallerquote gestiegen

Fahrschüler warten lange auf Prüftermine

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Sie geben Vollgas, um die Fahrschule zu durchlaufen, stecken dann aber unversehens im Stau. Der TÜV kann nicht so viele Prüftermine anbieten, wie gebraucht werden. Fahrschüler, Fahrlehrer und Eltern sind auf 180.

Monika Schönfeld

Fahrlehrer Detlef Riewenherm. Foto: Monika Schönfeld

»Ich habe 50 Fahrschüler auf der Warteliste, die fertig ausgebildet sind. Ich bekomme jede Woche aber nur für neun Prüftermine«, sagt Detlef Riewenherm, der sechs Fahrschulen in Schloß Holte-Stukenbrock, Oerlinghausen, Verl, Rietberg und Bielefeld betreibt und neun Fahrlehrer beschäftigt. »Die jungen Leute wollen schnell ihren Führerschein, um in den Urlaub zu fahren«, sagt Riewenherm. Er bekomme den Unmut der Eltern zu spüren. »Einige meinen, ich verzögere die Prüfung, um mehr Fahrstunden zu verkaufen.«

»Die Fahrlehrer sind sauer«

Friedel Thiele, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Westfalen mit 700 Mitgliedsbetrieben, bestätigt, dass das ein allgemeines Problem ist. »Gerade in der Region Ostwestfalen-Lippe gibt es Schwierigkeiten bei der Zuteilung von Prüf­terminen. Die Fahrlehrer sind sauer. Sie haben ein Recht auf zeitnahe Termine. Es geht um die Existenz.«

Rainer Camen, Pressereferent des TÜV Nord, verzeichnet seit zwei Jahren eine Zunahme von Fahrerlaubnisprüfungen. »Von einer Steigerung von fünf Prozent pro Jahr sind wir überrascht worden. Wir bilden bereits neue Prüfer aus, die Ausbildung dauert aber zwei Jahre. Zudem gibt es im Frühsommer generell Spitzen. Im Mai haben die vielen Feiertage dazu geführt, dass weniger Prüfungen angeboten werden konnten.«

Grund des Anstiegs der Fahrerlaubnisprüfungen sei, dass zu den 18-Jährigen die Zuwanderer kämen, die den Führerschein machen wollten. Und das Zweiradgeschäft boome.

Hohe Durchfallerquote

Verschärft werde die Situation durch eine hohe Durchfallerquote. Vor 2016, so ergibt die Statistik des Kraftfahrbundesamtes, lag die Durchfallerquote bei 26 Prozent, dann stieg sie auf 35 Prozent an.

Friedel Thiele sagt, dass Flüchtlinge, die in ihrer Heimat bereits den Führerschein gemacht haben, in Deutschland zur Umschreibung die theoretische und praktische Prüfung machen, nicht aber noch mal die Fahrschule besuchen müssen. Das führe dazu, dass einige fünf oder sechs Mal durch die Prüfung fielen. Das gehe zu Lasten anderer, die erst später einen Termin bekämen. Rainer Camen sieht allerdings nur einen zeitlichen Verzug von wenigen Tagen.

Thiele fordert den TÜV auf, sich bei den Fahrlehrern für die Misere zu entschuldigen, damit sie etwas in der Hand haben, was sie Schülern und Eltern zeigen können. »Der TÜV muss samstags prüfen und einen Urlaubsstopp in der Zeit vor den Ferien verhängen. Kurzfristig müssen kreative Lösungen her.« Detlef Riewenherm könnte sich zum Beispiel vorstellen, Fahrlehrer im Ruhestand als Prüfer einzustellen.

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