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Ansgar Brinkmann, »Enfant Terrible« des Fußballs, bei Ford Fiekens

Fast ein bisschen schüchtern

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). VfL Osnabrück, Preußen Münster, Arminia Bielefeld. Die Liste seiner Wirkungsstätten könnte beliebig weitergeführt werden. In gut 20 Jahren als Profifußballer hat Ansgar Brinkmann für 18 Vereine gespielt und mehr als 40 Trainer mit seiner unangepassten Art an den Rand der Verzweiflung getrieben.

Alexandra Wittke

Co-Autor Peter Schultz (links) signierte gemeinsam mit Ansgar Brinkmann das gemeinsame Buch »Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich«. 180 Gäste wollten das »Enfant Terrible« des Profifußballs im Ford Store Fiekens sehen und hören. Foto: Alexandra Wittke

Erwachsener ist er geworden und ein Stück weit selbstreflektierter, aber seine Anekdoten sind nach wie vor der Garant für Lacher, Schenkelklopfer und das ein oder andere Kopfschütteln.

Wer am Freitagabend einen polternden Ex-Profifußballer mit großer Klappe und riesigem Ego erwartet hatte, wurde, – zumindest in diesem Punkt – enttäuscht. Im Gegenteil, als Ansgar Brinkmann sich vor 180 Zuhörern an den Tresen im Ford Store Fiekens setzt, wirkt er fast ein bisschen schüchtern. Im Schlabberlook mit Jeans, Kapuzenpulli und Sporttretern scheint er erst warm werden zu müssen. Die Phase ist allerdings kurz. Während Peter Schultz, Co-Autor des Buches »Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich«, einen Video-Einspieler mit Torszenen zeigt, läuft sich der selbst ernannte Straßenfußballer bereits gedanklich warm. Die Steilvorlage in Form eines Buchkapitels klappt, Brinkmann ist mitten drin im Fußballgeschehen.

Ansgar Brinkmann

»Trainer, du kannst dir deine Taktik in die Küche hängen, ich habe meine eigene«, ist nur einer von vielen Gründen für unzählige Abmahnungen, die Brinkmann »sowieso nie geöffnet hat«. Die Zeit in Gütersloh gehört wohl auch zu den ereignisreichsten. Legendär die Feier im »Alex«, bei der er nach einem Sprung über mehrere wartende Taxis eine Schneise der Verwüstung hinterlässt und auch nicht von auf ihn wartenden Polizeibeamten gestoppt wird. »Das ist meine Stadt, hier bin ich der Sheriff«, bewahrt den Fußballproleten vor Schlimmerem, die Beamten lassen ihn laufen.

Mit einer Menge Glück

Glück sei das gewesen, meint Ansgar Brinkmann heute dazu, wie so manches Mal in solchen Situationen. Auch wenn kompromittierende Fotos, wie etwa das Foto vom Ende einer Sauftour in Frankfurt, »teuer eingekauft werden mussten«. Die ständigen Suspendierungen stören ihn fast nicht und heute hat er auch mit dem Geld seinen Frieden gemacht. Zumindest kann er es mit Humor nehmen, dass er »Millionen verdiente, am Ende aber mit Minus rausging«. Die Zigarrenschachtel mit Bargeld, die er für einen Wechsel nach Verl vom damaligen Präsidenten Manni Niehaus (»wieso verkaufen die hier in Verl eigentlich Playmobil-Figuren?«) mit der Bitte um Stillschweigen bekam, musste er auch wieder abgeben. »Ich weiß nicht, woher die Verantwortlichen in Bielefeld davon wussten.« Überhaupt, Verl sei »eine geile Zeit« gewesen mit Roger Schmidt und Ulf Raschke. »Und das muss man erst mal schaffen: Fünf Spiele für den SC gemacht und trotzdem in der ›Hall of Fame‹ verewigt!«

Leise und fast sentimental

So lustig die geschilderten Erlebnisse auch klingen, das einstige »Enfant Terrible« des deutschen Profifußballs ist ruhiger geworden. Leise und fast sentimental beantwortet er zum Schluss die Frage aus dem Publikum nach seiner Familienplanung. »Familie ist das Wichtigste.« Und ja, es klingt glaubhaft, wie er das so sagt. Genauso authentisch wie der unangepasste Fußballer, der sich selbst auf der Nebenbühne so manches Mal im Wege stand.

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