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Stadt braucht die nächsten fünf Jahre keine Berufsfeuerwehr

Freiwillig und leistungsstark

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt mit den beiden Gerätehäusern und 118 ehrenamtlichen Kräften ist leistungsfähig und ist im Notfall schnell zur Stelle. Das hat Jochen Siepe, Sachverständiger für Feuerwehrbedarfsplanung, in seinem Gutachten vor dem Ordnungsausschuss vorgetragen. Der Brandschutzbedarfsplan wurde einstimmig beschlossen.

Monika Schönfeld

Die Freiwillige Feuerwehr ist qualifiziert, 65 Prozent sind im Atemschutz ausgebildet. In mehr als 90 Prozent der Fälle sind die Einsatzkräfte in acht Minuten am Einsatzort, wie hier vor einem Jahr beim Brand an der Sender Straße. Foto: Monika Schönfeld

Eine leistungsfähige Freiwillige Feuerwehr ist notwendig, wenn sich die Stadt wie bisher davon befreien lassen will, eine Berufsfeuerwehr einzurichten, zu der die mittlere, kreisangehörige Stadt verpflichtet ist. Davon kann sie sich von der Bezirksregierung befreien lassen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind und das in einem Brandschutzbedarfsplan festgeschrieben wird. Der muss alle fünf Jahre erneuert werden.

Innerhalb von acht Minuten müssen die ersten Kräfte an einem Einsatzort wie einem Wohnungsbrand beispielsweise oder einem Verkehrsunfall mit Menschenrettung eingetroffen sein. Fünf Minuten später muss der zweite Trupp vor Ort sein. »Das Ziel wird in Schloß Holte-Stukenbrock zu 90 Prozent erreicht. Die Ausrückzeiten sind klasse. Es gibt kaum Kommunen, die solche Werte haben. Mit zwei Standorten haben Sie eine gute Struktur«, sagt Jochen Siepe. Von 2009 bis 2018 ist die Zahl der Einsätze von 165 auf 220 gestiegen, davon sind mehr als 50 Brände und Hilfeleistungen. Schwerpunkte liegen in den beiden dicht besiedelten Stadtteilen Stukenbrock und Schloß Holte. in denen sich auch Kranken- und Pflegeeinrichtungen, Gewerbebetriebe und Schulen häufen. Die Randbereiche sind teils nicht in acht Minuten erreichbar. Dort gibt es allerdings öffentlich-rechtliche Vereinbarungen mit den Feuerwehren in Hövelhof und in Kaunitz. Ein drittes Gerätehaus in Stukenbrock-Senne sei zurzeit nicht sinnvoll, weil dort kein Ehrenamtlicher der Feuerwehr wohnt.

Es sollte bei zwei Gerätehäusern bleiben

Die Qualifikation der Freiwilligen sei hoch: 65 Prozent sind Atemschutzträger. Zudem sei die Altersverteilung günstig – auch aufgrund der guten Jugendfeuerwehrarbeit.

Damit das so bleibt und eine Berufsfeuerwehr nicht nötig wird, gibt Jochen Siepe einige Empfehlungen. Es sollte bei zwei Gerätehäusern bleiben. Das in Stukenbrock erfüllt nicht mehr alle Ansprüche. So haben die Frauen keine adäquate Umkleide, eine Schwarz-Weiß-Trennung von privater und Einsatzkleidung fehlt, Stellplätze für Anhänger und Lagerflächen reichen nicht aus, mehr »Alarmparkplätze« sind nötig und ein Schulungsraum für die Jugendfeuerwehr notwendig. In Schloß Holte stehen zwei Anhänger ebenfalls hinter Fahrzeugen, die Umkleiden sind beengt. Hier ist aber mit Garagen schnell und günstig Abhilfe zu schaffen. Alte Fahrzeuge müssen durch neue ersetzt werden. Dabei handelt es sich um ein Mannschaftstransportfahrzeug und ein Tanklöschfahrzeug. Als Entlastung könnte die Stadt hauptamtlich für Gerätewartung und Dokumentation sorgen.

Jochen Siepe weist darauf hin, dass die Empfehlungen bindend werden, wenn der Brandschutzbedarfsplan beschlossen wird. Egon Henkenjohann, Leiter des Fachbereichs Ordnung und damit zuständig für die Feuerwehr, berichtet, dass der Architekt bereits Pläne für den Umbau der Feuerwache Stukenbrock vorgelegt habe. In den Haushaltsberatungen werden auch die Kosten für die beiden benötigten Fahrzeuge Thema.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Eine Berufsfeuerwehr ist teuer. Das muss man sich immer vor Augen halten, wenn es darum geht, die Freiwillige Feuerwehr vernünftig auszurüsten und auch für angemessene Räume in den Gerätehäusern zu sorgen. Die Feuerwehr ist damit kein Kostenfaktor, sondern eine Truppe, die gern ihr Leben für andere einsetzt, und der Stadt, das heißt jedem Bürger, Geld spart. Empfehlungen, was zu tun ist, sind deshalb Verpflichtungen. Wer damit spielt, vollführt einen Ritt auf der Rasierklinge. Eine Stadt, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommt, verspielt das Wohlwollen der Bezirksregierung. Gut, dass der Sachverständige das so deutlich gesagt hat.

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