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Bundespräsident gedenkt sowjetischer Kriegsgefangener im Dokumentationszentrum »Stalag 326 Senne«

Gauck: »Wir erinnern an barbarisches Unrecht«

Schloß Holte-Stukenbrock (WB/dpa). Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Besuch in Schloß Holte-Stukenbrock anlässlich des Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren eine stärkere Würdigung des Leids sowjetischer Kriegsgefangener angemahnt. Deren grauenhaftes Schicksal sei in Deutschland nie angemessen ins Bewusstsein gekommen.

Bundespräsident Gauck hat am Mittwoch das ehemalige Kriegsgefangenenlager »Stalag 326 Senne« besucht. Foto: Oliver Schwabe

»Millionen von Soldaten der Roten Armee sind in deutscher Kriegsgefangenschaft ums Leben gebracht worden - sie gingen an Krankheiten elendig zugrunde, sie verhungerten, sie wurden ermordet«, sagte Gauck während der Gedenkveranstaltung im Dokumentationszentrum »Stalag 326 Senne«. Er dankte zugleich den Westalliierten und der Sowjetunion, dass sie vor 70 Jahren gemeinsam Deutschland zur Kapitulation gezwungen und von der Nazi-Diktatur befreit hätten.

In dem Kriegsgefangenenlager »Stalag 326 Senne« waren mehr als 300.000 Gefangene inhaftiert, etwa 65.000 von ihnen kamen ums Leben. Durch die unbarmherzige Behandlung, die die insgesamt 5,3 Millionen Sowjetsoldaten in deutscher Gefangenschaft erlitten, sei deutlich mehr als die Hälfte von ihnen ums Leben gekommen, sagte Gauck.

Der Bundespräsident hatte zu der Gedenkfeier auch Diplomaten aus Ländern eingeladen, die Teil der ehemaligen Sowjetunion waren. Auch ein Überlebender des Lagers, Leo Frankfurt (93) und Angehörige eines gestorbenen Lagerhäftlings sollten teilnehmen.  »Wir stehen hier und erinnern an dieses barbarische Unrecht und die Verletzung aller zivilisatorischen Regeln«, sagte Gauck.

Anders als im Westen sei der Krieg im Osten von Anfang an als Vernichtungs- und Ausrottungskrieg geführt worden. Die entsprechenden Befehle Adolf Hitlers habe die Wehrmacht bereitwillig umgesetzt. »Auch die Wehrmacht hat sich schwerer und schwerster Verbrechen schuldig gemacht«, sagte Gauck. Das grauenhafte Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland liege bis heute in einem »Erinnerungsschatten«.

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