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Ron Cedric Reinert (18) spielt 18 Stunden Golf von Sonnenauf- bis -untergang

In der Dämmerung geht’s nach Gehör

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Das Tee war gerade so zu sehen. Der Abschlag um 4.10 Uhr gelang. Das Ziel seines Golfballs hat Ron Cedric Reinert die ersten sechs Schläge nach Gehör bestimmt. Der 18-Jährige hat am Mittwoch von Sonnenauf- bis -untergang Golf gespielt. 100 Löcher wollte er schaffen.

Monika Schönfeld

Ab und zu stößt Vater Thorsten auf dem Golfplatz zu Ron Cedric Reinert, um ihn moralisch zu unterstützen. Nach siebeneinhalb Stunden ist der Abiturient mittags zwar durchgeschwitzt, hat seine müden Beine aber wieder unter Kontrolle. Foto: Monika Schönfeld

Die Stimmung auf dem Platz des Sennegolfclubs Gut Welschof ist früh morgens besonders romantisch. Leichter Dunst liegt über dem Grün, die Vögel begrüßen den Tag – vermeintlich lautstark, da ansonsten noch alles still ist.

Ron Cedric Reinert ist mit einem Handicap von 5,6 der beste Spieler des Clubs. Mit seinem Vater Thorsten ist er morgens zu Hause in Gütersloh-Avenwedde losgefahren. Start um 4.10 Uhr, um 9 Uhr hat er den Platz bereits zweimal bespielt. »Da konnte ich meine Beine schon ganz schön spüren«, sagt er. Um 11.30 Uhr steht die Sonne hoch am Himmel, das 43. Loch ist geschafft, der Schweiß liegt wie eine Patina auf seiner Haut.

Reinert hat am Evangelisch Stiftischen Gymnasium gerade das Abitur gemacht. Jetzt will er ein Jahr lang Golfturniere spielen – in Belgien, Dänemark und Spanien, in Deutschland in Leipzig, Lübeck und Berlin. »Man lernt internationale Spieler kennen«, sagt er. Danach will er mit einer Banklehre bei der Volksbank Rietberg beginnen.

Seit dem fünften Lebensjahr auf dem Golfplatz

Ron Cedric Reinert spielt seit seinem fünften Lebensjahr Golf, hat im Alter von zehn Jahren Platzreife erlangt und hatte in der Mediathek seiner Schule im Guinness-Buch der Rekorde geblättert und einen Australier gefunden, der einen Eintrag für 200 Löcher an einem Tag bekommen hat. »Der ist allerdings mit dem Kart über den Platz gefahren, ich gehe zu Fuß.« Er könne sich vorstellen, nächstes Jahr die Aktion mit dem Kart zu wiederholen und den Australier zu schlagen.

Der junge Golfer hat für seinen Marathon Sponsoren gefunden, die pro Loch 25 Cent bezahlen. Die AK 50-Damen des Clubs legen für ein Par (genaue Anzahl der für eine Bahn vorgegebenen Schläge) oder einen Birdie (ein Schlag weniger) einen Betrag drauf. Der Erlös soll an die Jugendkasse des Vereins gehen.

Zur Mittagspause das Deutschland-Spiel

Bis 22 Uhr wollte Ron Cedric Reinert von Bahn zu Bahn ziehen. Die Clubmitglieder waren vorgewarnt und gebeten worden, dem jungen Golfer den Vortritt zu lassen. Das signalisiert das rote Fähnchen an seinem Caddy. Um 16 Uhr wollte er eine Mittagspause einlegen und die erste Halbzeit des Fußball-Weltmeisterschaftsspiels Deutschland-Südkorea gucken. »Das sollten die Deutschen wohl gewinnen«, sagt er und geht in Position, um auf Loch 13 den Ball über Wasser zu spielen. »Die Wasserhindernisse sind traumhaft schön. Der Platz hat gute Grüns und ist gut gepflegt«, schwärmt der junge Golfspieler.

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