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Jupa und die Grünen fordern Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen

Ist langsam auch sicher?

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Vor Kindergärten und Altenheimen kann die Stadt für eine kurze Strecke Tempo 30 anordnen – sogar an Hauptverkehrsstraßen wie der Holter- und der Hauptstraße. Ob das an Hauptverkehrsstraßen durchgehend möglich ist, soll die Verwaltung rechtlich prüfen. Außerdem sollen an der Holter Straße zwei Geschwindigkeitsdisplays angeschafft werden. Die Mittel dafür stehen zur Verfügung. Das hat der Ordnungsausschuss einstimmig beschlossen.

Monika Schönfeld

An der Holter Straße darf der Rad-/Gehweg auch entgegen der Fahrbahn benutzt werden. Das sorgt an Einmündungen und an Grundstücksausfahrten für gefährliche Situationen. Das Jugendparlament und die Grünen wollen hier Tempo 30. Foto: Monika Schönfeld

Die Einigkeit täuscht allerdings. Einig sind sich die Parteien nur, dass geprüft werden soll. Ob Tempo 30 auf der Hauptschlagader der Stadt sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Das sehen nur SPD und Grüne so. Das Jugendparlament (Jupa) hatte den Antrag gestellt, auf der Holter Straße vom Kreisverkehr am Rathaus bis zum Kreisverkehr mit der Dechant-Brill-Straße durchgängig Tempo 30 anzuordnen. Henri Lindner vom Jugendparlament argumentiert, dass Tempo 30 weniger Schadstoffe produziert als Tempo 50 und der Schulweg für Radfahrer sicherer werde, wenn die Autos langsamer fahren. Ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen fordert Tempo 30 auch auf den Ortsdurchfahrten Haupt-, Bahnhof- und Kaunitzer Straße.

Bruno Reinke

„Bei Tempo 30 erobern die Menschen die Straße zurück. Die Holter Straße ist verdammt gefährlich“, sagt Bruno Reinke, Fraktionschef der Grünen. Fraktionskollegin Heike Boeckhaus sagt, dass in drei Jahren auf der Holter Straße 31 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern passiert sind, auf der Bahnhofsstraße waren es elf. Bündnis 90/Die Grünen wollen auch an den Hauptverkehrsstraßen die Radfahrer auf die Straße bringen. Wenn dann Tempo 30 gelte, sei das Radfahren dort auch sicher. Bruno Schmidt (SPD) geht das noch nicht weit genug. Er möchte die Holter Straße zwischen der Ampel am Hallenbad und dem Kreisverkehr aufpflastern. Das bremse Autofahrer ab und mache aufmerksam.

Volker Schimmel

Tempo 30 auf der Holter Straße sieht die CDU nicht. „Wir sehen den Radverkehr auf dem Radweg, nicht auf der Straße. Fragwürdig halte ich, Tempo 30 auf 1,7 Kilometer Strecke anzuordnen. Das hat nicht den von den Grünen beabsichtigten psychologischen Effekt“, sagte Detlev Moosdorf. „Die Grünen vermischen Wunsch und Wirklichkeit. Das ist kein Sicherheitsgefühl, wenn der Radfahrer von hinten vom Lastwagen und von vorn von einem Bus bedrängt wird“, sagt Moosdorf. Fraktionskollege Volker Schimmel hat starke rechtliche Bedenken. „Sie wollen die Straßen lahmlegen.“

Dieter Röchter, ebenfalls CDU: „Es kann nicht der Sinn sein, den Verkehr in die Mergelheide zu drängen, die dann nur noch Tempo 50 hätte. Eine Hauptverkehrsachse soll den Verkehr aufnehmen. Tempo 30 wird auf langen Strecken nicht akzeptiert, nur auf kurzen an Altenheimen und Kindergärten. Tempo 30 würde die Unfälle an den Einmündungen nicht reduzieren.“

Britta Rusch

Britta Rusch (CSB): „Auf der Holter Straße sind die Radwege Stückwerk. Die Straße ist eine Katastrophe. Es ist eine gewachsene Straße. Radfahrer auf der Straße wollen wir nicht. Besser ist ein parallel laufender Radweg.“

Bündnis 90/Die Grünen sprechen nicht mehr von Rad-/Gehwegen, sondern nur noch von Gehwegen, weil sie flächendeckend wollen, dass Radfahrer auf der Straße fahren. Auch in Schloß Holte-Stukenbrock ist die Benutzungspflicht von Radwegen an vielen Straßen aufgehoben worden. Der Radfahrer muss nur noch dort auf den Radwegen fahren, wo das blaue Schild das fordert.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Es ist noch nicht lange her, dass die Stadt auf der Holter Straße so genannte Schutzstreifen aufmalen und die Radfahrer auf die Straße schicken wollte. Was damals falsch war, ist es heute noch.

Meinetwegen sollen Radfahrer auf die Straße, auf eigene Verantwortung – aber nicht Hunderte Schüler, die täglich morgens und mittags hier unterwegs sind. Politiker und Straßenverkehrsordnung haben die Verpflichtung, Kinder zu schützen. Sie dürfen nicht als „Fleischbremse“ missbraucht werden.

Ein Irrglaube ist, dass die ausgebremsten Autofahrer auf Bus und Bahn umsteigen. Tempo 30 auf langen Strecken auf Hauptverkehrsstraßen macht Autofahrer kribbelig und gefährdet damit alle. Dass sich die Menschen so die Straße zurückerobern, ist ideologische Träumerei.

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