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60 Einsatzkräfte aus Feuerwehr, DRK und Rettungsdienst trainieren das Zusammenspiel 

Jede Übung spart im Ernstfall Zeit 

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Das Szenario jagt jedem einen Schauer über den Rücken: Ein Autofahrer fährt gegen einen Bus, beide Fahrzeuge verkeilen sich. Auto- und Busfahrer sind eingeklemmt und müssen schwer verletzt geborgen werden. Kinder, die auf dem Rückweg von einer Klassenfahrt sind, werden leicht verletzt.

Monika Schönfeld

Ein Auto hat sich unter einem Bus verkeilt: Diesem Szenario stellten sich in einer Übung 60 Rettungskräfte. Foto:

Dieser Situation haben sich am Mittwoch insgesamt 60 Rettungskräfte auf engstem Raum auf dem Gelände der Autoverwertung Kerstingjohänner gestellt. Unterbrandmeister Florian Brandt hatte sich die Aufgabe ausgedacht. Beteiligt an der Übung waren die Löschzüge Schloß Holte und Stukenbrock, der Rettungsdienst des Kreises Gütersloh und das Deutsche Rote Kreuz. Sechs Fahrzeuge der Feuerwehr, ein Rettungswagen und zwei Krankentransportwagen kamen zum Einsatz, um insgesamt 14 Verletzte zu betreuen. »Zum Glück kommt solch ein schwerer Unfall selten vor«, sagt Brandt. Aber wenn, dann sollte das Zusammenspiel der Retter aus den verschiedenen Organisationen funktionieren. »Jede Übung spart im Realfall Zeit.« Einen Tag später hat Brandt ein positives Fazit gezogen. »Übungen mit unterschiedlichen Organisationen gibt es selten. bei den vielen Kompetenzen auf engstem Raum sieht man, wer welche Schwerpunkte setzt.«

Dabei sind die Strukturen bei einem so genanten Massenanfall von Verletzten klar. Der Organisationsleiter Rettungsdienst sichtet die Situation, entscheidet, wer am schwersten verletzt ist und zuerst versorgt wird. Bei der Übung waren das der Auto- und der Busfahrer. »Der Busfahrer, gespielt von Bernhard Meier, musste stabilisiert werden und aus dem Bus geschnitten werden. Für uns ist das eine gute Gelegenheit, die Fahrzeugtechnik eines Busses zu studieren. Wo sind die Batterien, der Tank, wie lassen sich die Türen öffnen, wo kann man mit dem Spreizer ansetzen?« Darren Rhodes mimte den schwer verletzten Autofahrer. Er war aus dem Koffer mit den Utensilien für die Realistische Unfalldarstellung mit Kunstblut und Wunden versehen worden. Der Mann schrie vor Schmerzen, bis er auf der Trage von den DRK-Helfern versorgt wurde. Die Kinder, gemimt von den Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, liefen in der Gegend herum. »Kinder können mit einer Unfallsituation schlecht umgehen. Sie handeln irrational, haben Angst, verstecken sich, lachen oder weinen oder laufen weg«, sagt Brandt. Kinder haben andere Verletzungen, weil sie kleiner als Erwachsene sind. Oft sind Kopfverletzungen dabei.

Wie bei echten Unfällen waren auch hier Schaulustige, die die Retter beobachteten. Es waren die Familien der Feuerwehrleute und Sanitäter, die zum Gucken eingeladen worden waren. Im Ernstfall werden Schaulustige geduldet, wenn sie einen Abstand von mindestens zehn Metern vom Arbeits- und Gefahrenbereich der Unfallstelle halten. Wer die Retter stört, wird aufgefordert zu gehen. Im äußersten Fall spricht die Polizei einen Platzverweis aus.

Neben Florian Brandt haben Kevin Schenkel, Fabian Seja und Jörg Steinbeck den Einsatz beobachtet und bewertet. Die Übung wird mit den Beteiligten besprochen. »Es ist wichtig, dass man die Abläufe der anderen gesehen hat und seine eigenen in das Szenario einarbeitet.« Bekannt war, dass für eine Übung alarmiert wird, das Szenario allerdings nicht.

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