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Rückblick 2020:

Keine Spur von Corona-Blues

Schloß Holte-Stuk...

Die Corona-Pandemie hat den gewohnten Alltag durcheinander gewirbelt, hat geliebte Feste verhindert und die Menschen ein Stück weit isoliert. Aber sie hat auch Kreativität freigesetzt – und damit ganz neue Höhepunkte geschaffen.

Monika Schönfeld

Beim Pollhans-Feuerwerk: (von links) Vanessa Ottenstroer mit Lebensgefährte Dominic und ihren Eltern Petra und Dietmar Ottenstroer. Foto: Uschi Mickley

Nachbarschaftshilfe

Gleich zu Beginn der Beschränkungen Mitte März gründet Janina Heistermann die Nachbarschaftshilfe via Facebook, die Menschen unterstützen will, die nicht mehr einkaufen können oder dürfen. Das zieht Kreise, die Stadtverwaltung unterstützt die Nachbarschaftshilfe wie auch der Bürgerverein Fortuna. Die Schützenbruderschaften engagieren sich, die Jungschützen vor allem stellen ihre Hände zur Verfügung ebenso wie die „Helping Hands“ der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe St. Johannes. Ein Plaudertelefon will die Menschen nicht allein lassen. Die Jungschützen St. Achatius und der Förderverein des Kindergarten gründen eine Einkaufshilfe.

Heiraten

Das Leben macht eine Vollbremsung. Schulen und Kindergärten sind geschlossen und bieten nur eine Notbetreuung an. Das Rathaus ist geschlossen, sogar der Bürgermeister ist infiziert. Wer jetzt seinen Hochzeitstermin hatte, bangt. Die Standesbeamten ermöglichen dann doch Trauungen – im Ratssaal für wenige Personen mit Abstand. Gratuliert wird draußen im Bürgerpark. Das ist alles möglich, weil das Wetter die meiste Zeit schön ist. Im Heimathaus ist das Heiraten das ganze Jahr nicht möglich.

Sportlich

Man muss was tun, sonst rostet man ein. Tina Kissner zum Beispiel macht den Mammutmarsch „hike@home“ und geht 115,04 Kilometer immer rund um ihr eigenes Haus. Muss man mögen. 63 Sternchenläufer machen mit beim Oster-Solo-Lauf, es gibt den Solo-Sternchenlauf, das Ems-Sternchen wird an den Quellen ausgesetzt und soll von Läufern in Etappen bis zur Mündung getragen werden. Allerdings ist der bemalte Stein so schön, dass ihn einer eingesackt hat. Schon in Delbrück verliert sich die Spur. Die ASG Teutoburger Wald schlägt coronafreundliche Strecken vor. Der SW Sende verkauft Geisterspielpakete mit Eintrittskarte, Bratwurst- und Bier-Gutschein. SW Sende bietet eine kostenlose Ferienfreizeit für Kinder an. Der Laufspaß lädt ein zur Weihnachtsbaum-Rallye.

Tönnies-Lockdown

Der geballte Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück beschert uns einen Extra-Lockdown. Plötzlich werden Menschen aus dem Kreis Gütersloh diffamiert und zum Sündenbock. Das geht so weit, dass Beate Bredenbals und ihre Tochter in Münster beschimpft und bedrängt werden, weil sie in einem Auto mit Gütersloher Kennzeichen unterwegs sind. Davon berichten auch andere. Es sollen außerhalb des Kreises Autos mit GT-Kennzeichen zerkratzt worden sein. Bielefeld hat Mitleid und „adoptiert“ die Leute aus dem Kreis GT, die Stadt Münster entschuldigt sich für das Benehmen einiger seiner Bürger.

19 Ehrenamtliche des Deutschen Roten Kreuzes aus Schloß Holte-Stukenbrock helfen bei den Coronatests im Tönnies-Werk und bei der Versorgung der Werksarbeiter, die in Verl-Sürenheide in Quarantäne müssen.

Wirtschaft fördern

Die Stadt wertet ab September alle Gutscheine der Einzelhandels- und Wirtschaftsgemeinschaft (EHG) auf. Alte Gutscheine, die noch in Schubladen schlummern, Gutscheine, die die Stadt zu Jubiläen und runden Geburtstagen verschenkt, aber auch neu erworbene werden um 20 Prozent aufgewertet. Die 20 Prozent zahlt die Stadt. Mit einem Gutschein für 100 Euro kann man also für 120 Euro einkaufen. Da das Weihnachtsgeschäft durch einen erneuten Lockdown unterbrochen wurde, ist die Aktion bis Ende Februar verlängert worden.

Pollhans

Alle bedauern es, aber es wäre nicht zu verantworten gewesen, einen Jahrmarkt zu feiern mit Partyzelten und allem Drum und Dran.

Pollhans fällt aus. Statt dessen bietet Thomas Dorenkamp mit seinem Team einen Pop-Up-Freizeitpark an drei Wochenenden vor dem Pollhans-Termin an. Aber das ist kein Ersatz. 5000 Besucher hatte der Freizeitpark, das Wetter war kalt und nass. Aber immerhin gab es einige Runden in Karussells. Die Stadt hat am Pollhans-Sonntag dann noch ein Feuerwerk springen lassen. 300 Menschen guckten sich das auf Abstand und ohne Alkohol auf dem Pollhansplatz an. Allerdings gab es dafür auch Kritik vom Jugendparlament. Die jungen Leute halten das für unnötige Luftverschmutzung.

Biergärten

Da die Gaststätten geschlossen sind, später nur unter Auflagen öffnen dürfen, hat Außengastronomie Konjunktur. An der Bahnhofstraße entstehen gleich drei große Biergärten. Den Anfang macht Hartwig Stenglein gegenüber seiner Sportbar Balla Balla. Er lässt einen Ölbachstrand entstehen. Jens Dresselhaus und Vahid Sanatjou eröffnen den Foodgarden, der später zur Beach-Bar und als Kunst- und Event-Biergarten ausgebaut wird. Udo Völkel vom Chaplin und Rüdiger Paul von LaCuccina eröffnen den Biergarten am Bahnhof, der in einer langen Tradition steht. Unter den Bäumen haben sich schon die Gäste einiger Bahnhofswirte wohl gefühlt.

Safariland

Den Freizeitpark und Zoo Safariland trifft der Lockdown mit voller Wucht. Mit Hochdruck arbeitet das Team um Elisabeth Wurms an einem Konzept – und das greift. Das Safariland bietet bereits zwei Wochen nach dem regulären Saisonstarttermin die Auto-Safari an. Die gehört sowieso zum Konzept und wird noch attraktiver gestaltet. Einen Monat später kann auch der Freizeitbereich mit der Westernshow und den Fahrgeschäften wieder genutzt werden – unter Corona-Auflagen, aber immerhin. In Zelt und Theater gibt‘s aber keine Shows. Bis Ende der Sommerferien erhalten alle Corona-Helfer freien Eintritt.

Die Schausteller der Stadt gehen auf die Straße. Keine Kirmes, kein Einsatz für die Karussells und Essstände. André Schulze und seine Tante Bärbel Schulze stellen den Süßigkeiten- und Crêpes-Stand am Hellweg auf dem eigenen Grundstück auf, weitere Stände finden sich an der Holter Straße und auf dem Marktkauf-Parkplatz.

Musik hilft

Es ist eine stille Zeit. Konzerte sind verboten, sowohl instrumentale wie auch chorale. Aber die Menschen sind pfiffig.

Eine Ode an die Freude spielen zeitgleich das St.-Johannes-Blasorchester Stukenbrock und das Städtische Blasorchester Schloß Holte-Stukenbrock.

Die Senne singt: Abends treten um 20 Uhr die Anlieger des Lippstädter Wegs vor die Tür und singen „Stukenbrock-Senne, mein Glück“ von Florian Erichsmeier.

Maximilian Anselm und Pascal Schulz organisieren ein Drive-in-Clubbing, quasi ein Autokino vor einer Bühne, auf der DJs auflegen. „Der Hammer“, sagen die jungen und nicht mehr ganz so jungen Leute, die das Festival im Auto zelebrieren.

Kleine Abordnungen von Musikern bringen auf Distanz alten Menschen in den Heimen ein Ständchen im Garten.

Lady Dur probt im Stadion des VfB Schloß Holte, später auch das Jugendorchester des Städtischen Blasorchesters, der Gildemeister-Werkschor gastiert im Waldstadion des SW Sende, der Männergesangverein Eintracht zieht um in eine Kirche in Augustdorf.

Alles to go

Nichts geht mehr. Martinsumzüge sind abgesagt, der Nikolaus hält sich auf Distanz. Kein Problem. Jetzt gibt es alles „to go“. Der Förderverein des Kindergartens St. Achatius hat Tüten gepackt, in denen auch ein Stück des geteilten Mantels des Heiligen Martin ist, und bringt die Tüten bis vor die Haustür. Rita Wölke und Simon Oekenpöhler spendieren zum 11.11. 1111 Stutenkerle, die an die Kindergärten der Stadt gehen. Die Kinder bedanken sich mit bunten Bildern. Die katholische Frauengemeinschaft St. Achatius verteilt eine Bedienungsanleitung für den Advent, der Schwarz-Weiß Sende beschert die Kinder beim Nikolaus-Drive-In. Zu Weihnachten haben die Kirchen Gottesdienste aufgenommen und auf ihren Youtube-Kanal gestellt, die Chöre und Orchester nehmen Weihnachtslieder auf, acht Organisten spielen eine CD ein – „O, du fröhliche – to go“.

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