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Offener Ganztag und Randstunde der Grauthoff-Elbrachtschule: Briefe an die Bewohner der Senioreneinrichtungen

Kinder meistern Corona, aber die Nähe fehlt

Schloß Holte-Stuk...

Grundschulkinder brauchen körperliche Nähe. Die können sie in Corona-Zeiten nicht von Lehrern und Betreuern bekommen. „Das lässt sich auch nicht kompensieren“, sagt Ulrike Böhne, Leiterin des Offenen Ganztags der Grauthoff-Elbrachtschule. Kein In-den-Arm-Nehmen zum Geburtstag oder zum Trost, kein Kuscheln mit der Lese-Oma – mit viel Sprechen und miteinander Beschäftigen versucht der Offene Ganztag gegenzusteuern.

Monika Schönfeld

Der freundliche Baum begrüßt die Schulkinder in Sende. Foto: Monika Schönfeld

Auf großen Stellwänden haben die Kinder formuliert, wie die Pandemie sie betrifft. „Ich habe Angst, dass meine Familie krank wird“, „ich hasse es, mit Maske rumzulaufen“, „Masken tragen und geschlossene Spielplätze sind doof“ oder „ich habe einen Gutschein fürs Schwimmbad und kann ihn nicht einlösen“ steht dort von den Klassen 1a und 1b zu lesen. Die Zweitklässler finden es „doof, dass Menschen daran sterben“, dass sie niemanden umarmen und nur noch zu Hause singen dürfen. Die dritten und vierten Klassen haben ein Pro und Contra zusammengestellt. Gut ist, dass man mehr Zeit mit der Familie oder zum Bücher lesen hat, dass die Masken schützen und die Erde mit weniger CO2 belastet wird, weil weniger Menschen mit dem Auto fahren.

Ulrike Böhne und ihre acht Mitarbeiter in der Betreuung von 110 Kindern aus der Randstunde und dem Offenen Ganztag haben festgestellt, dass die Kinder wegen des Coronavirus mehr gegenseitig auf sich achten. In der Vorweihnachtszeit haben sie Briefe geschrieben und gemalt. Die gehen an die Bewohner der Altenheime und Senioreneinrichtungen in der Stadt. „Einige Mütter arbeiten dort und wollen die Briefe mitnehmen. Die Kinder haben Oma und Opa, die sie vermissen“, sagt Ulrike Böhne. Ein Gedicht zu Weihnachten, persönliche Wünsche oder ein lustig-besinnliches Weihnachtsrezept sind dabei: „Man nehme 12 Monate, putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, sodass der Vorrat für ein ganzes Jahr reicht.“ Gespickt mit Optimismus, Frohsinn und Humor wird es ein schönes Jahr. Die Brief-Aktion ist eine Initiative der AWO im Kreis Gütersloh, die auch Träger des Offenen Ganztags und der Randstunde der Grauthoff-Elbrachtschule ist.

Dieses Jahr war auch für die Kinder ganz speziell mit geschlossener Schule und geschlossener Ganztagsbetreuung. Wer nicht in der Notbetreuung war, hat trotzdem Kontakt mit den Betreuerinnen gehalten. „Wir haben eine Stadtrallye veranstaltet. Per Post haben die Kinder die Aufgaben bekommen. In einen Briefkasten am Zaun des Schulhofes haben Kinder ihre Briefe an uns gesteckt. Wir haben alle beantwortet.“ Die Dependance Elbrachtschule hat einen Baum mit einem freundlichen Gesicht verziert, sodass die Kinder immer mit einem Lächeln begrüßt werden.

Auch wenn materielle Dinge die körperliche Nähe nicht ersetzen, werden die Gruppen großzügig beschenkt. „Für die Gruppen haben wir Spiele angeschafft, die sie sich schon lange gewünscht haben. Das ist neben den Worten unsere einzige Möglichkeit, den Kindern zu zeigen, dass sie das Jahr großartig gemeistert haben“, sagt Ulrike Böhne.

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