1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Schloss-holte-stukenbrock
  6. >
  7. „Kinder müssen wieder ins Wasser“

  8. >

Schwimmkurs-Kampagne auf Antrag der CSB geplant – SSC schlägt Termin mit DLRG, Stadt und Verwaltung vor

„Kinder müssen wieder ins Wasser“

Schloß Holte-Stuk...

„Wir müssen die Kinder wieder ins Wasser bekommen!“ Uwe Thost, kommissarischer Vorsitzender des SSC 90 Schloß Holte-Stukenbrock, steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Auch die Politik ist längst für das Thema sensibilisiert

Dirk Heidemann

Die Corona-Krise und der Umbau des Hallenbades haben dazu geführt, dass viele Kinder in der Stadt keinen Schwimmunterricht bekommen haben. Foto: dpa/Stephanie Pilick

So wird Bürgermeister Hubert Erichlandwehr beauftragt, mit den Stadtwerken Schloß Holte-Stukenbrock GmbH Gespräche über eine Kampagne „Jedes Kind muss schwimmen können“ zu führen. Bei einem positiven Ergebnis bekräftigt die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock ihre Unterstützung und begleitet die Maßnahme im Rahmen ihrer Zuständigkeit.

Das hat der Haupt- und Finanzausschuss auf Antrag der Christlich-Sozialen Bürgergemeinschaft (CSB) einstimmig beschlossen. „Wir könnten einen ganzen Jahrgang verlieren“, sagt der Bürgermeister. Das sieht auch Uwe Thost so: „Vielleicht sind es sogar zwei Jahrgänge, die auch den Bezug zum Sport verlieren.“ Der 68-Jährige hat daher nach einer Besichtigung des Baufortschritts am Hallenbad, gemeinsam mit SSC-Geschäftsführer Michael Morgenstern, am Donnerstag eine E-Mail verfasst hat. Empfänger: die DLRG-Ortsgruppe Schloß Holte-Stukenbrock, die Stadt und die Stadtverwaltung. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, es darf nicht jeder für sich selbst prötteln. Daher haben wir vom SSC einen Terminvorschlag gemacht, um sich an einen Tisch zu setzen, und sich gemeinsam um das Thema zu kümmern“, so Uwe Thost, der von langen Wartelisten beim SSC spricht: „Es gibt ganz viele Kinder, die gerne einen Kurstermin hätten.“

Durch die Corona-Krise und wegen der seit einem Jahr andauernden Umbauarbeiten am Hallenbad sind viele Kinder nicht in den Genuss des Schwimmunterrichts gekommen. Das führe dazu, so CSB-Fraktionsvorsitzende Britta Rusch, dass viele Kinder in Schloß Holte-Stukenbrock das schwimmen nicht gelernt haben. „Wir sehen die Schwimmfähigkeit allerdings als lebensnotwendig an. Wir möchten das entstandene Defizit so gut wie möglich auffangen“, so Rusch. Wenn die Schulen den Schwimmunterricht wieder aufnehmen, könnten sie zusätzlichen Unterricht nicht anbieten. Daher müsse das Problem außerschulisch gelöst und durch die Kampagne angeregt werden – eventuell, indem mehr Personal für Schwimmkurse eingestellt werde oder die Stadt die Kursgebühren übernehmen.

Uwe Thost

„Es besteht absolut die Notwendigkeit, mehr Kurse anzubieten. Aber mit der normalen Wasserzeit schaffen wir das nicht. Die Stadtwerke müssen mehr Stunden zur Verfügung stellen und wir brauchen auch mehr Übungsleiter. Die Zeit ist reif, dass wir jetzt einen Vorlauf kriegen um Kurse anbieten zu können, wenn das Hallenbad im April oder Mai wieder aufmacht“, sagt Uwe Thost, der auch das Schulamt mit ins Boot holen möchte.

Denn fast 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. „Das ist ein Problem und noch längst nicht bei jedem angekommen“, sagt Pascal Pollmeier, Technischer Leiter der DLRG-Ortsgruppe Schloß Holte-Stukenbrock, der den Vorstoß des SSC begrüßt: „Bei einer Kooperation wären wir auf jeden Fall dabei.“ Als sicherer Schwimmer wird bezeichnet, wer die Disziplinen des deutschen Schwimmabzeichens in Bronze (Freischwimmer) erfüllt. „Früher wurde das als Jugendschwimmabzeichen bezeichnet. Mittlerweile wurde die Prüfungsordnung erneuert und es wird nicht mehr zwischen Erwachsenen, Jugendlichen oder Kindern unterschieden“, sagt Pascal Pollmeier.

Pascal Pollmeier

Zu den Anforderungen, um das Abzeichen in Bronze zu erhalten, zählt, sich 15 Minuten im tiefen Wasser ohne sich festzuhalten bewegen und 200 Meter schwimmen zu können. „Das geht weit über das Seepferdchen, das den Eltern eine falsche Sicherheit vermittelt, hinaus. Aber nur 35 bis höchstens 50 Prozent machen nach dem Seepferdchen weiter, früher war die Zahl höher“, sagt Pollmeier, der sich um die Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen große Sorgen macht. „Das Problem ist nicht durch Corona ausgelöst worden, wird durch die Pandemie aber verschärft und wirkt wie ein Katalysator“, so Pollmeier. Da ist es beinahe verwunderlich, dass in Deutschland die Todesfälle durch Ertrinken nicht dramatisch zunehmen, sondern sich seit 2008 zwischen 400 und 500 Fällen pro Jahr bewegen. Nur 2016 gab es mit 537 Todesfällen ein Ausnahmejahr.

Pro Jahr bietet die DLRG Schloß Holte-Stukenbrock zwei Mal im Jahr einen 15-stündigen Seepferdchenkurs für Kinder ab sechs Jahren an. Einen im Frühjahr und einen im Herbst. Drei Kurse sind seit Beginn der Corona-Krise bereits ausgefallen. Wann sie wieder angeboten werden können, weiß Pascal Pollmeier nicht. Eine Warteliste gibt es nicht, die Anmeldung erfolgt ausschließlich online. „Wenn wir ein Angebot online freischalten, dann gilt das Windhundprinzip. Die Schnellsten sind dabei“, so Pollmeier. Wer es nicht in den ersten Kurs schafft, der ist aber in der Regel im zweiten dabei. Auffällig ist, dass immer öfter Schwimmkurse für ältere Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren angeboten werden.

Startseite
ANZEIGE