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70 Prozent Förderung – Medikamentenrückstände werden aus Abwasser geholt

Kläranlage wird aufgerüstet: »Ozon macht alles platt«

»Manch einer hier fühlt sich an seinen Chemie-Leistungskurs erinnert.« Das hat Christian Hayk, Vorsitzender des Energie- und Umweltausschusses, nach dem einstimmigen Votum gesagt. Die Kläranlage der Stadt soll mit einer Ozonierungsanlage aufgerüstet werden, die vor allem Medikamenten-Rückstände im Abwasser neutralisiert.

Monika Schönfeld

Abwassermeister Hubert Bülter hat in der Kläranlage die Qualität des Abwassers im Blick. Die Kläranlage soll jetzt aufgerüstet werden, damit auch Rückstande von Medikamenten neutralisiert werden, bevor das Wasser in die Wapel geleitet wird. Foto: Bernd Steinbacher

Städte und Gemeinden, die ihre Kläranlage freiwillig aufrüsten, erhalten bis Ende 2016 Zuschüsse des Landes. Und zwar üppige: 70 Prozent der 2,1 Millionen Investitionssumme kommen vom Land, für die Stadt bleibt damit ein Eigenanteil von 642.000 Euro. Die Investitionen kommen auf die Stadt sowieso zu. Thomas Sürder aus dem Dezernat für Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung Detmold: »Zielvorgabe der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union ist, die Gewässer in ökologisch guten Zustand bis 2021 zu versetzen.« Gerade die Ems habe diese Güte noch lange nicht. Wenn Städte nicht freiwillig ihre Kläranlagen aufrüsten, werden sie ab 2017 dazu gezwungen. »Im Emsgebiet wird Trinkwasser entnommen. Zurzeit ist die Ems weder biologisch noch chemisch in gutem Zustand.« Bis Ende 2016 halte sich die Bezirksregierung mit Anweisungen zurück, um die Fördergelder nicht zu gefährden.

Anke Lidtke und Dr. Silvio Beier von der PFI-Planungsgemeinschaft hatten die Kläranlage Schloß Holte-Stukenbrock untersucht. Es gebe die Möglichkeit, die Spurenstoffe (Medikamentenrückstände, Kosmetika-Reste, Rückstände aus Röntgenkontrastmitteln und Hormonpräparaten mit Aktivkohle oder Ozon zu behandeln. Beim Einsatz von Aktivkohle setzen sich die Stoffe auf der Kohle ab. Die muss dann allerdings aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Kosten: um fünf Millionen Euro. Die Planer schlagen die Ozonung vor. Dabei oxidieren die Spurenstoffe und werden in weniger toxische Moleküle zerlegt. Die aus der Transformation entstandenen Stoffe werden im bereits vorhandenen Schönungsteich biologisch nachbearbeitet (zersetzt). Die günstigere Variante kostet 2,1 Millionen Euro plus 123?000 Euro jährliche Betriebs-Mehrkosten. Da Ozon ein Klimakiller ist, werden ein Ozongenerator, ein Sauerstofftank, ein Ozonreaktor und ein Restozonvernichter benötigt. Für den Verbraucher bedeutet das Mehrkosten in Höhe von 6 Cent pro Kubikmeter Abwasser. Pro Einwohner seien das pro Jahr 5,15 Euro Mehrkosten. Die Gutachter bekräftigten, dass beide Verfahren seit Jahren erprobt, sicher und effektiv seien. »Arzneimittelrückstände aus dem Abwasser zu filtern, ist wegweisend und gut für den Umweltschutz«, sagte Beier. Sürder sagte, dass im Emseinzugsgebiet alle Kläranlagen mit Machbarkeitsstudien versorgt worden seien. Als künftiger Trinkwasserförderer müsse die Stadt auch ein Eigeninteresse haben. »Mit Ozon machen Sie bis auf Röntgen-Kontrastmittel alles platt, auch Legionellen.«

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