1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Schloss-holte-stukenbrock
  6. >
  7. Landwirte wollen nicht alles schlucken

  8. >

Bio-Wasser für Otmar Lüke, den Vorsitzenden des Nabu im Kreis Paderborn

Landwirte wollen nicht alles schlucken

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Am Ende haben sie sich gegenseitig einen eingeschenkt und angestoßen. 26 Landwirte aus dem Kreis Paderborn haben am Tag vor Heiligabend Otmar Lüke, den Vorsitzenden des Naturschutzbundes (Nabu) im Kreis Paderborn, mit einem Weihnachtsgeschenk heimgesucht.

Monika Schönfeld

Das Wasser aus den sechs Brunnen im Kreis Paderborn trägt eine ausführliche Analyse und gibt den Nitratgehalt an. Die Landwirte wehren sich dagegen, sie würden ihre Felder überdüngen und damit das Trinkwasser verseuchen. Foto: Monika Schönfeld

Zwei Kisten „Bestes veganes Bio-Wasser“ aus allen sechs Wasserwerken des Kreises Paderborn hatten sie mitgebracht. Nach einem hitzigen Wortgefecht verständigten sie sich, ein Gespräch im kleineren Rahmen zu führen. Und dafür spendeten die Landwirte sogar Applaus.

Da Otmar Lüke am Holter Kirchplatz wohnt, sind die Landwirte mit Treckern über die Kreisgrenze gekommen, um Lüke das Wasser zu bringen. Jede Flasche trägt einen Nachweis, wie viel Nitrat drin ist. Alle Wasserwerke liegen unter dem Grenzwert. Nabu und Pro Grün hatten im Kreis Paderborn die Wasserkooperation zwischen Landwirten, Wasserwirtschaft und Politik als gescheitert erklärt. Die Naturschutzverbände warnten davor, mit dem Wasser aus einem Brunnen Säuglingsnahrung zuzubereiten.

Lüke stellt sich der Übermacht

Die Landwirte klingelten am Montag Otmar Lüke aus seiner Wohnung, der sich unvorbereitet der Übermacht stellte. „Was Sie hier machen, ist eine Dreistigkeit. So geht man nicht mit Menschen um“, sagte Lüke. Die Landwirte konterten. Sie würden fast täglich unvorbereitet getroffen von öffentlichen Vorwürfen, sie seien schuld an überdüngten Böden, belasteten Brunnen und Massentierhaltung. „Wir lassen uns das nicht mehr gefallen. Wir sind bereit, zu argumentieren und zu streiten. Wir sind aber nicht länger der Sündenbock.“ Das sagt Markus Blome, wie weitere 60.000 Landwirte inzwischen in der Gruppe „Land schafft Verbindung“ organisiert, die sich zum Ziel gesetzt hat, nicht länger ungerechtfertigte Anschuldigungen unwidersprochen hinzunehmen.

Was den Landwirten gegen den Strich geht , sind pauschale Vorwürfe, die nicht bewiesen sind. „Es wird der Eindruck erweckt, nur noch Bio sei gut“, sagt Markus Blome. Berufskollege Burkhard Berg mästet Schweine. „Klein ist gut und groß ist böse, so stellen Naturschützer die Landwirtschaft dar. Die Landwirtschaft wie vor 50 Jahren ist nicht wirtschaftlich. Wir sind hoch technisiert und digitalisiert. Ich muss keinen Futtereimer mehr schleppen. Das machen Fütterungsanlagen. Trotzdem weiß ich, wie es meinen Tieren geht.“

Landwirte gehen in die Offensive

Markus Blome rechnet vor. Jeder neunte Arbeitsplatz hängt von der Landwirtschaft ab – vom Futtermittelhersteller bis zum Bäcker. „270.000 Betriebe ernähren ein 82-Millionen-Volk. Zehn Prozent kaufen Bio, 90 Prozent machen das nicht und bekommen trotzdem den höchsten Standard der Welt.“ In der Wohlstandsgesellschaft wolle niemand in die Zeit davor zurück. „Wir reagieren auf den Markt. Der Kunde entscheidet, was er kauft. Wenn es von oben verordnet wird, ist das Diktatur. Das passiert gerade mit dem Agrarpaket. Wenn das so kommt, hören 40.000 Betreibe auf, weil sie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können.“

Markus Blome aus Delbrück geht in die Offensive und hat auf Youtube seinen ersten Film mit dem Titel „Fakten der modernen Landwirtschaft“ veröffentlicht. „Weitere sind in Arbeit. Es kursieren so viele pauschale Verurteilungen, dass man als Landwirt etwas dagegen setzen muss.“

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Natürlich war es gemein, jemanden mit solch einer Übermacht zu überfallen. Jörg Dreischalück, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Schloß Holte-Stukenbrock, war als Gast dabei und sagte: „Da merken Sie mal, wie wir uns ständig fühlen.“

Das Verhältnis zwischen Naturschutzverbänden und Landwirten ist nicht immer harmonisch. Die Landwirte wollen nicht mehr für alles den Buhmann spielen. Burkhard Berg sagte, er sei mit Leidenschaft, Herzblut und voller Stolz Landwirt. Boden und Wasser sind sein Kapital. Die Bauern haben ein Eigeninteresse, das zu schützen.

Es hatte etwas von Weihnachtsfrieden, als die Kontrahenten auseinander gingen. Otmar Lüke stellte sich der Diskussion und erhielt dafür Applaus.

Startseite