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Mareen Wördemann und Leah-Marie Kittel lernen den Beruf der Maurerin

Mit lackierten Nägeln an der Kelle

Schloß Holte-Stukenbrock/Verl (WB). Mörtel haftet an ihren Arbeitsschuhen. Bei Sonne, aber auch bei Wind und Regen ist ihr Arbeitsplatz unter freiem Himmel. »Den ganzen Tag an der frischen Luft arbeiten, am Ende des Arbeitstages sehen, was man geleistet hat«, das sind zwei Gründe, warum Mareen Wördemann und Leah-Marie Kittel ihren Beruf lieben.

Manuela Fortmeier

Mit der Kelle und den Steinen können die beiden Maurerinnen-Auszubildenden Mareen Wördemann (links) und Leah-Marie Kittel bereits gut umgehen. Beide wollen danach aber Bauingenieurin werden. Foto: Manuela Fortmeier

Ihr Lächeln ist sympathisch, ihre langen blonden Haare haben die beiden zierlichen Frauen zum Zopf zusammengebunden, ihre Fingernägel sind rot lackiert. Jedoch tragen sie Sicherheitsschuhe in Größe 39 und 40, einen Sicherheitshelm, Arbeitslatzhosen und Shirts. Und auch im Zeitalter der Emanzipation bilden die angehenden Maurerinnen beruflich noch immer eine Ausnahme.

Im August vergangenen Jahres haben beide ihre Ausbildung zur Maurerin begonnen. Mareen Wördemann hat ihr Abitur am Gymnasium in Schloß Holte Stukenbrock absolviert, Leah-Marie ihres am Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh abgeschlossen. Mareen arbeitet im elterlichen Betrieb »Wördemann Bau« in Liemke und Leah-Marie im Unternehmen »Hauphoff Bau« in Verl.

Auf dem Weg zur Bauingenieurin

Während die Spexarderin zunächst in aller Ruhe ihre dreijährige Ausbildung abschließen möchte, bevor sie ihr Berufsziel – »ich möchte Bauingenieurin werden« – verwirklicht, hat Mareen Wördemann ihren beruflichen Werdegang bereits jetzt dual eingeschlagen. »Genau genommen ist es ein kooperatives, duales Studium für Bauingenieurwesen,« sagt sie.

So leistet sie im ersten Ausbildungsjahr ganz normal alle auf der Baustelle anfallenden Arbeiten, die auch ihre männlichen Kollegen verrichten. »Eigentlich gibt es im Alltag bei den Aufgaben keine Ausnahmen«, sagen die Frauen. Nur manchmal, wenn es wirklich sehr schwere Lasten zu schleppen gibt, komme dennoch der »Frauenbonus« zum Tragen und die Kollegen packen an. »Männer sind tolle Arbeitskollegen«, loben sie.

Mareen Wördemann beginnt im zweiten Jahr mit dem dualen Studium, ein Vollzeitstudium an der Fachhochschule für Bauingenieurwesen in Minden. »Von da an bin ich nur in den Semesterferien im Betrieb.«

Einblick in die Baubranche

Bislang hat keine der Powerfrauen ihre Entscheidung bereut. Im Gegenteil. »Mein Wunsch, beruflich diese Richtung einzuschlagen, stand schon lange fest, ist sicherlich durch das elterliche Unternehmen geprägt worden«, sagt Wördemann. Ihr Vater Markus Wördemann ist Maurer- und Betonbaumeister, Großvater Friedrich hat das Unternehmen gegründet. Schon früh habe sie dadurch Einblicke in die Baubranche erlebt.

Leah-Marie Kittel sieht ihren Beruf »als Berufung«. Die Entscheidung hat sie direkt nach dem Praktikum getroffen. »Da wusste ich, das will ich machen«.

Beschreiben die Frauen die ersten Arbeitswochen als »recht kräftezehrend«, haben sie sich inzwischen an den körperlich anstrengenden Beruf gewöhnt, sodass ihnen nach ihrer Arbeit noch ausreichend Energie für ihre Hobbys Tennis, Reiten, Schwimmen und sogar für das Fitnessstudio bleibt. Und wenn sie abends ihre Maurerkluft gegen modische Outfits tauschen und sich gestylt ins Nachtleben stürzen, würde keiner auf die Idee kommen, dass sie auf dem Bau täglich richtig zupacken.

Nach dem vielen Sonnenschein der vergangenen Wochen braun gebrannt. »Es macht Spaß, ist zwar anstrengend, aber es war genau die richtige Entscheidung.«

Motiviert und gut

Ganz begeistert von ihren handwerklichen Leistungen sind nicht nur ihre Chefs Markus Wördemann und Michael Hauphoff, sondern auch Markus Ortmann vom Handwerksbildungs-Zentrum (HBZ) in Brackwede. »Die Not auf dem Arbeitsmarkt ist groß, der Kampf um wirklich gute Auszubildende und motivierte Fachkräfte ist voll im Gange«, sagt Markus Ortmann, Projektleiter im HBZ. Es sei erstaunlich und erfreulich, wie gut sich die beiden jungen Frauen zwischen all den Männern behaupten würden. »In manchen Bereichen schöpfen die beiden den Männern sogar eindeutig den Rahm ab«, lobt er die Leistungen der weiblichen Auszubildenden.

Auch Michael Hauphoff von Hauphoff Bau und Mareens Vater Markus vom gleichnamigen Unternehmen Wördemann Bau sind mit den Leistungen der Frauen »sehr zufrieden«.

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