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Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten zu 20 Jahre altem Verbrechen

Mord vor 20 Jahren ein frühes NSU-Attentat?

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Ein 20 Jahre alter Mord wird erneut untersucht. Der Landtagsabgeordnete der Linken, Daniel Schwerd, hat dazu eine Kleine Anfrage an den Landtag gestellt. »Der ungeklärte Altfall aus Schloß Holte-Stukenbrock passt gut in das Bild der unmotivierten Morde der NSU an ausländischen Mitbürgern«, sagte Schwerd am Dienstag auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES.

Monika Schönfeld

Das WESTFALEN-BLATT berichtete vor 20 Jahren über den Mord an einem 48-jährigen Türken. Der Fall blieb ungeklärt. Foto: Monika Schönfeld

Am 7. September 1996 ist der 48-jährige türkische Familienvater in der Nähe des Campingplatzes am Hallenbad in Schloß Holte-Stukenbrock mit mehreren Pistolenschüssen getötet worden. Der Mann war an jenem Samstag mit seiner neunjährigen Tochter mit dem Fahrrad zum Einkaufen gefahren. Die Familie mit sieben Kindern wohnte in der Uphoffsiedlung. Ein Unbekannter soll hinter einem Gebüsch gelauert und den Mann vor den Augen seiner Tochter erschossen haben. Das Mädchen lief unter Schock nach Hause. Ein Großaufgebot der Polizei umstellte das Gelände rund um den Tatort.

Die Suche nach dem Täter oder einem Motiv verlief damals erfolglos. Damals hat die Polizei keinen fremdenfeindlichen Hintergrund gesehen. Mit Handzetteln wurde nach dem Täter gesucht, die Verwandten kämmten auf eigene Faust das Gebiet durch – ohne Erfolg.

Opfer arbeitete bis 1993 in Schloß Holte-Stukenbrock

Das Mordopfer lebte seit 1972 in Deutschland und hat bis zur Schließung 1993 im Claas-Werk Schloß Holte-Stukenbrock gearbeitet. Die Familie galt immer als friedliebend. Die Mordkommission hatte im Rathaus ein Büro bezogen, auch ein Phantombild brachte kein Ergebnis.

Dieser ungelöste Mordfall ist der einzige aus NRW, der ins Raster der Terror- und Mordserie des so genannten »Nationalsozialistischen Untergrundes« (NSU) passen könnte. »Ich habe von der Fraktion der Linken im Bundestag Kenntnis von dem Fall erhalten. Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundes sammelt ungeklärte Fälle«, sagt Schwerd. Bekannt seien Taten der NSU zwar erst seit dem Jahr 2002, »aber es ist fraglich, ob die Täter nicht schon vorher radikalisiert waren«. Eine Reihe von ungeklärten Altfällen sei zur Überprüfung eines möglichen rechtsterroristischen beziehungsweise rassistischen Hintergrundes wieder aufgenommen worden, darunter auch der genannte Fall. »Durch die Arbeitsgruppe Fallanalyse des ›Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrums (GETZ)‹ wurde dieser Fall identifiziert und durch das Bundeskriminalamt den Landesbehörden zur Überprüfung und Bewertung übermittelt«, sagt Schwerd. »Ich erwarte keine Wunder oder gar die Aufklärung des Falls«, sagt der Abgeordnete. Mit der Kleinen Anfrage will er erreichen, dass sich die Landesbehörden der Sache noch einmal annehmen. »Die Untersuchungsmethoden haben sich weiterentwickelt. Vielleicht kann man sichergestellte Asservate mit neuen Methoden untersuchen, Zeugen erneut befragen.« Bis die fünf Fragen aus der Kleinen Anfrage beantwortet sind, könne es einen Monat dauern.

Kleine Anfragen sind das schärfste Schwert des Abgeordneten der Opposition. Durch sie kann jeder Abgeordnete Auskunft von der Landesregierung NRW verlangen. Die Kleine Anfrage wird schriftlich eingereicht und darf sich nur auf einen eng eingegrenzten Sachverhalt beziehen. Sie darf bis zu fünf konkrete Fragestellungen umfassen, die Kombination mehrerer Fragen ist unzulässig.

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