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Evangelische Kirchengemeinde sagt alle Präsenzgottesdienste bis 10. Januar ab – auch an Weihnachten

Nicht Don Quichote der Pandemie

Schloß Holte-Stuk...

Eine Woche vor Weihnachten hatte die Evangelische Kirchengemeinde ihre beiden Kirchen in Schloß Holte-Stukenbrock für die Weihnachtsgottesdienste gerüstet. Nicht nur die Eintrittskarten waren vergeben und das Hygienekonzept vom Ordnungsamt abgesegnet, für jede Kirche waren jeweils drei Reinraum-Lüftungsgeräte bestellt. Und dann hat Präses Annette Kurschus ab sofort bis zum 10. Januar alle Gottesdienste ausgesetzt. Die Entscheidung liegt bei jeder Kirchengemeinde – aber wer will sich schon der Kritik aussetzen, wenn etwas passiert?

Monika Schönfeld

Joël Foto: Monika Schönfeld

Das Presbyterium hat am Mittwochabend in einer Videokonferenz via Zoom beschlossen, die Gottesdienste mit Besuchern in der Kirche zu streichen. Stattdessen nehmen die Pfarrer Reinhard E. Bogdan und Dr. Carsten Glatt in der Friedenskirche und in der Versöhnungskirche Weihnachtsgottesdienste auf, die am Heiligen Abend über den Youtube-Kanal der Evangelischen Kirchengemeinde unter der Adresse EvangKircheSHS abrufbar sind.

Evangelische Kirchengemeinde von links: Ehrenamtlicher Helfer Kevin Schmid, die Küster Ralf Schnelle und Viktor Schauer, die Pfarrer Dr. Carsten Glatt und Reinhard E. Bogdan, Eike Linnenbrügger vom Unternehmen Insensiv, und die Presbyter Richarda Robrecht und Holger Stritzke. Foto: Monika Schönfeld

„Wir sind nach wie vor von unserem Hygienekonzept überzeugt“, betonen die Pfarrer und die Presbyter Richarda Robrecht und Holger Stritzke. Am Donnerstag hatte Eike Linnenbrügger vom Bielefelder Unternehmen „Insensiv“ sogar noch für jede der beiden Kirchen drei Lüftungsgeräte mit H13-Filter liefern wollen – Geräte, die in Operationssälen und in Reinräumen der Lebensmittelherstellung genutzt werden und 1500 Kubikmeter Luft pro Stunde reinigen. Als am Mittwochabend die Absage kam, hat Linnenbrügger nur ein Gerät für die Friedenskirche für Versammlungen, eventuell für eine Chorprobe mit wenigen Sängern geliefert. „Ich akzeptiere, dass die evangelische Kirche ein Signal setzen will und nicht der Don Quichote der Pandemie sein will.“

Bogdan und Glatt kritisieren, dass die von Präses Annette Kurschus ausgegebene Linie nicht landes- und bundesweit abgesprochen sei – und schon gar nicht ökumenisch. Die katholischen Gemeinde halten an ihrem Konzept fest. „Das Institut Leopoldina hat den beiden großen Kirchen Deutschlands ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept bescheinigt“, sagt Glatt.

Eigentlich hätte es in der Friedenskirche an Heiligabend vier Gottesdienste mit nummerierten Sitzplätzen und „Eintrittskarte“, der Registrierung über eine App, ohne Singen, aber mit viel Lüften geben sollen, in der Versöhnungskirche wäre es sogar sechs Gottesdienste gewesen. Stattdessen nehmen die Pfarrer jetzt in ihren jeweiligen Kirchen Gottesdienste auf. In Stukenbrock filmt Dieter Robrecht, in Schloß Holte Joël Wüstehube.

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