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Pfarrer Karl-Josef Auris stärkt der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe den Rücken

Offen positioniert für ein offenes Land

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Wenn der indische Pfarrer Varghese Velickakam die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe St. Johannes Baptist als »fantastic work«, als großartige Arbeit bezeichnet, weiß er, wovon er spricht. Mit Geflüchteten und verschiedenen Kulturen hat er ebenfalls zu tun.

Monika Schönfeld

Fatomato Koulibaly aus Guinea mit Sohn Abou Bakar (5 Monate, von links), Reinhold Feldick (Verkehrswacht), Sibel Isaoglu aus der Türkei, Giesela Hörster (Flüchtlingshilfe St. Johannes), Margarete Mastalirsch und Wolfgang Koch (Verkehrswacht). Foto: Monika Schönfeld

Das Himalajagebiet in Nordostindien ist sein Arbeitsgebiet. Nach einer schweren Flut im Juli im Bundesstaat Assam verloren 5,7 Millionen Menschen ihr Zuhause. 150.000 leben noch in Lagern. Varghese Velickakam hat Selbsthilfegruppen initiiert und seine Arbeit jetzt im pastoralen Raum am Ölbach in Verl und Schloß Holte-Stukenbrock vorgestellt. Vor allem hat er aber auch Einrichtungen besucht, die sich hier um Menschen kümmern. In seiner Diözese werden 19 verschiedene Sprachen gesprochen. 17 Prozent sind Christen, der Hinduismus ist vorherrschend, aber es gibt auch viele indigene Religionen.

100 ehrenamtliche Helfer

Pfarrer Karl-Josef Auris stellte dem Gast aus Indien Giesela Hörster vor, die 2015 die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe ins Leben gerufen hat, als plötzlich Flüchtlinge vor allem aus Syrien von einem Tag auf dem anderen untergebracht und versorgt werden mussten. Es begann in der Polizeischule, die 500 Menschen beherbergte, später wurde angrenzend die Zeltstadt gebaut. Und auch heute wäre die Arbeit in den Wohnheimen und Wohnungen, in denen Flüchtlinge leben, ohne Giesela Hörsters Hilfe so nicht möglich. 100 Ehrenamtliche stehen Giesela Hörster zur Seite.

Angesichts des »Drucks von Rechts« positioniert sich Auris klar für ein offenes Deutschland. »Wir holen die Flüchtlinge nicht ins Land. Sie sehen keine andere Möglichkeit, als ihre Heimat zu verlassen«, sagt Auris. Der Flüchtlingshilfe gehen es nicht darum, aus Muslimen Christen zu machen. »Es ist aber wichtig, unsere Feste wie Nikolaus oder Weihnachten kennenzulernen, damit die Geflüchteten verstehen, wie wir ticken.« Wichtig sei ihm auch, dass die Frauen, die nach Deutschland kommen, hier freier werden.

Kurse für Frauen

Speziell an Frauen richtet sich der Fahrradkurs, den Giesela Hörster in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht anbietet, und zwar immer in den Ferien, weil dann der Schulhof des Gymnasiums leer steht und die Frauen viel Platz haben, um hier Fahrradfahren zu lernen. Dieses Jahr haben 20 Frauen schon teilgenommen. Sie bekommen von Giesela Hörster eine Bescheinigung, mit der sie sich dann in der Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe ein Fahrrad kaufen können. Wolfgang Koch von der Verkehrswacht bringt den Frauen wie Kindern auf einem Laufrad erst mal bei, das Gleichgewicht zu halten. Verkehrsregeln lernen sie im Sprachcafé. Das existiert seit drei Jahren in den Räumen von La Mina. Dort treffen sich Deutsche und Geflüchtete. Wenn La Mina Ende März schließt, hofft Giesela Hörster, in den Buschkrug umziehen zu können. Die Stadt erarbeitet zurzeit ein Konzept.

Sprachkurse bietet die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe für die an, die keinen Anspruch auf einen vom Staat bezahlten haben. Deutsch für Mütter mit Babys werden angeboten. Das Bedarfslager, das am Kindergarten in Stukenbrock-Senne eingerichtet ist und von den Flüchtlingen selbst unterstützt wird (»Helping Hands«), versorgt Flüchtlinge und bedürftige Einheimische, die einen Sozialausweis haben und beim Caritas-Warenkorb einkaufen dürfen. Unermüdliche Hilfe, so Giesela Hörster, leiste Margarete Mastalirsch, die mit dem Kirchenbulli der Gemeinde St. Elisabeth und Kunigunde aus Bielefeld die Flüchtlinge zu den Terminen und Treffen fährt.

Mehr als 120 Wohnungen hat Giesela Hörster geholfen einzurichten. Sie holte gebrauchte Möbel, die ihr angeboten werden, ab und baut sie mit den »Helping Hands« in den Wohnungen und Wohnheimen auf.

Giesela Hörster hält regelmäßig Vorträge vor Schülern der Oberstufe. »Es ist wichtig, junge Menschen für die Flüchtlingsarbeit zu begeistern. Sie sollen die Menschen selbst sehen und erleben. Nur so wirkt man gegen Hasstiraden und Stammtischparolen.« Mit Lehrern werde das abgesprochen und vorbereitet. Die Mitglieder des Jugendparlaments seien regelmäßig mit dabei.

In den Ferien werde mit Flüchtlingskindern und deutschen Kindern auf dem Hof Peitzmeier-Obermeier gearbeitet, Familienfeste werden ausgerichtet. Integration am Kochtopf spricht regelmäßig etwa 30 deutsche und ausländische Frauen an.

Geplant ist eine Kunstwerkstatt für traumatisierte Frauen. Bewährt habe sich die »Auszeit für Mütter«. Ein- bis zweimal im Jahr übernehmen die Väter die Kinderbetreuung und die Mütter lassen sich von Giesela Hörster und ihrem Team verwöhnen.

Verträge, zum Beispiel für Versicherungen, sind für Geflüchtete ein Buch mit sieben Siegeln. Es gibt deshalb Seminare mit Themen, die fremd sind, auch zum Thema, wie spare ich Strom. Und alles passiert ehrenamtlich, also unbezahlt. Bezahlt werden vom Erzbistum Paderborn die Sprachkurse. Bücher und anderes Material finanzieren sich aus Spenden.

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