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Einzige privat finanzierte, öffentliche E-Tankstelle in der Stadt hat bei TGK ihren Betrieb aufgenommen

Ökostrom für 35 Cent pro Stunde

Schloß Holte-Stuk...

Ihr Geld verdient die TGK GmbH mit dem Produkt Glas. Dass am Firmenstandort Helleforthstraße seit Montag die einzige privat finanzierte, öffentliche E-Tankstelle in Schloß Holte-Stukenbrock ihren Betrieb aufgenommen hat, sei kein Geschäftsmodell, betont Friedrich Frisch.

Dirk Heidemann

Die TGK-Geschäftsführer Friedrich Frisch (links) und Marita Witte präsentieren mit Sohn Kolja Frisch die einzige privat finanzierte E-Tankstelle in Schloß Holte-Stukenbrock.

Der TGK-Geschäftsführer sieht die Investition von 30.000 Euro eher auf lange Sicht.

Die Initialzündung für die E-Tankstelle gab Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, als er vor anderthalb Jahren im Rahmen des Unternehmertages das Thema Elektromobilität angesprochen hatte. „Das war nur ein Halbsatz. Aber wenn der schon solch eine Wirkung hat, dann muss ich in Zukunft wohl noch mehr sagen“, so der Bürgermeister im Rahmen der offiziellen Eröffnung.

Doch dieser Halbsatz ließ Friedrich Frisch keine Ruhe mehr. Über die Stadtwerke kam der Kontakt zum Netzbetreiber Westfalen-Weser zustande und mit Unterstützung durch Projektbegleiter Wilhelm Engemann wurde die Station mit zwei Ladesäulen und jeweils zwei Ladepunkten geplant und innerhalb eines Jahres realisiert. Viermal 22 kW stehen an sieben Tagen 24 Stunden lang zum Laden zur Verfügung. Bezahlt wird kontaktlos per EC-Karte, pro Kilowattstunde werden 35 Cent berechnet. Fünf bis sechs Cent gehen an die TGK. Bei der Vermarktung des Stroms arbeitet die Firma TGK mit Westfalen-Weser zusammen. Über die Internetplattform „Mobility.Marketplace“ hat TGK den Zugang zu 17 Fahrstromanbietern und wird so in den verschiedenen Handy-Apps und auf Karten gefunden.

Einen Anreiz will TGK durch die E-Tankstelle auch für die eigenen 28 Mitarbeiter schaffen. Sie könnten ihre E-Autos während der Arbeitszeit kostenlos laden und am Abend „voll getankt“ wieder nach Hause fahren. Bislang hat sich allerdings noch kein Mitarbeiter ein E-Auto zugelegt. Hier gehen die in Bielefeld wohnenden Friedrich Frisch und seine Frau Marita Witte, ebenfalls TGK-Geschäftsführerin, mit gutem Beispiel voran. Sie haben sich ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug zugelegt, das eine Reichweite von 150 bis 200 Kilometer hat. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, der die Tankstelle am Montag direkt „anzapfte“, bewegt als Dienstfahrzeug ein Hybrid-Modell.

Insgesamt verfügt die Stadt nun über vier E-Tankstellen. Zwei davon, an der Marienstraße in Schloß Holte und an der Hauptstraße im Ortsteil Stukenbrock, werden von Westfalen-Weser betrieben. Eine weitere befindet sich am Rathaus und wird von den Stadtwerken betrieben. Dort ist der Strom – noch – kostenlos.

Bereits seit 2005 produziert die TGK mit einer 100 KW-Photovoltaik-Anlage auf den Hallendächern der Firma Ökostrom. Da die 20-jährige Förderung in naher Zukunft ausläuft, würde die TGK gern den Solarstrom auch über die Tankstelle vermarkten. Jedoch sind hier noch bürokratische Hürden zu überwinden. Die E-Tankstelle wird über das Energieprogramm des Landes NRW zu 50 Prozent gefördert, so dass die Hälfte der Investitionskosten in Höhe von 30.000 Euro erstattet werden. Voraussetzung für die Förderung ist der Verkauf von 100 Prozent Ökostrom aus erneuerbaren Energien. Hier hat die TGK mit dem Stromlieferanten Maingau Energie GmbH einen Partner gefunden.

„Die Stadt hat im Haushalt ja das ambitionierte Ziel festgelegt, bis 2040 energieautark zu werden. Solche Projekte dienen dazu, dieses Ziel zu erreichen“, sagt Hubert Erichlandwehr. Friedrich Frisch hofft, mit seinem Schritt andere Unternehmer zu ermutigen, es ihm gleich zu tun und im Zuge der Energiewende auf Elektromobilität zu setzen. Dafür Bedarf es genügend Ladestationen, damit man auch bei Fahrten über längere Strecken keine Angst haben muss, irgendwo liegen zu bleiben. Bis es soweit ist, wird es bei Friedrich Frisch und Marita Witte ein Umdenken geben. „Wir werden in Zukunft gelassener durch Deutschland reisen, mit unserem Auto mehr Pausen einlegen und warten, bis es wieder aufgeladen ist. In der Zwischenzeit schauen wir uns die Sehenswürdigkeiten vor Ort an. Das könnte durchaus ein Beispiel sein, um wieder mehr Menschen in die Städte zu locken“, so Friedrich Frisch.

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