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Pascal Pollmeier, Dirigent des Jugendorchesters und Technischer Leiter der DLRG, im Corona-Interview

„Pandemiebekämpfung beispiellos“

Schloß Holte-Stuk...

Pascal Pollmeier hat unterschiedlichste Interessen.

Dirk Heidemann

Am heimischen Flügel oder beim Spaziergang durch den Holter Wald mit seinem Shetland Sheepdog Timmy (2) findet Pascal Pollmeier Entspannung Foto: Dirk Heidemann

Er ist im Städtischen Blasorchester Dirigent des Jugendorchesters sowie Technischer Leiter sowie Erste-Hilfe-Ausbilder der DLRG Ortsgruppe Schloß Holte-Stukenbrock. Im WB-Interview spricht er über seine Erfahrungen während der Corona-Zeit.

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

Pascal Pollmeier: Covid-19 hat meinen Bekanntenkreis an mehreren Stellen erreicht – zum Glück bisher aber ohne schwere Verläufe. Meine Familie ist bisher verschont geblieben, was vermutlich dem sehr vorsichtigen Umgang mit der Situation zu verdanken ist.

Was überwiegt bei Ihnen gerade: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Pollmeier: Meine Antwort lautet wohl: teils-teils. Im Städtischen Blasorchester und in der DLRG Schloß Holte-Stukenbrock bringt uns das Virus um viele lieb gewonnene Veranstaltungen und das soziale Miteinander. An diesen Stellen überwiegt eindeutig der Frust. Mir fehlt das Vereinsleben, der Austausch, das Miteinander. Auf der anderen Seite vertraue ich auf die Wissenschaft und die Wirksamkeit der entwickelten Impfstoffe. Durch mein Chemielehramtsstudium habe ich einige Einblicke in die medizinische Chemie gewonnen, die mich auf die Mechanismen und Methoden der Wissenschaft vertrauen lassen. Ein Blick in andere Länder zeigt zudem, wie gut Deutschland vergleichsweise mit der Situation zurecht kommt. Wer würde sich gerade wünschen zum Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent zu leben? Im dem Sinne kann man unseren Frust wohl als „Meckern auf hohen Niveau“ bezeichnen, wenngleich ich nicht die Sorgen und Nöte vieler Arbeitnehmer und Selbstständiger klein reden möchte.

Der Amateursport ruht. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung?

Pollmeier: In unserer DLRG kam uns die Covid-Pandemie in dem Sinne weniger in die Quere, dass unser Hallenbad so oder so für den Umbau geschlossen wurde. Dennoch haben wir so lange es ging ein Ersatztraining in Sporthallen aufrecht erhalten. Die Bewertung des Aussetzens des Amateursports muss man wohl aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Natürlich trägt der Amateursport zur Gesundheit und Fitness bei, ebenso zu sozialen Kontakten und gesellschaftlicher Teilhabe. Auf der anderen Seite versammeln wir Kinder und Jugendliche aus sehr verschiedenen Kontaktkreisen in unseren Trainingsgruppen. Ein positiver Infektionsfall in einer Trainingsgruppe führt schnell zur Verbreitung in verschiedenen Schulen und Kreisen. Daher erachte ich das Aussetzen des Amateursports, auch unter Betrachtung der Verluste für unsere Mitglieder, als unumgänglich. Innerhalb unseres Vereins gab es glücklicherweise keinen positiven Infektionsfall im Trainingsbetrieb.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzlerin sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Pollmeier: Als Wissenschaftler erkenne ich ein großes Problem innerhalb des Pandemiegeschehens im Umgang mit Wissenschaft und wissenschaftlichen Erkenntnissen. An vielen Stellen werden unbeirrt wissenschaftlich nachweisbare Falschaussagen getroffen. Ob es um den befürchteten Eintrag des Impfstoffs in das Erbgut geht, oder die Leugnung eines nachweisbaren Virus – Wissenschaft wird dann als Argument genutzt, wenn es gerade passt, oder eine Aussage besonders gut zur eigenen Meinung passt. Dabei gibt es diverse Qualitätskriterien für wissenschaftliche Studien und Evidenzen. In diesem Sinne würde ich die Verbreitung von Falschinformationen – auf Grundlage einer wissenschaftlichen Betrachtung – bekämpfen wollen. Der Schlüssel im Umgang mit der Pandemie ist sicher das Miteinander und nicht das Gegeneinander. Entsprechend führen Diskussionen über nachweisliche Falschinformationen zu nichts und helfen niemandem.

Was tun Sie und wo tun Sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?

Pollmeier: Als Schwimmer bleiben mir momentan wenig Alternativen. Im Sommer und Herbst habe ich mein Schwimmtraining ins Freibad Verl verlegt. Anschließend konnte ich noch etwas in der Schwimmoper Paderborn trainieren, bis der nächste Lockdown kam… Momentan sehne ich mich der Öffnung der Schwimmbäder entgegen! Geistig halte ich mich am heimischen Flügel fit. Der Lockdown und die ausbleibenden Vereinsaktivitäten lassen mir viel Zeit selbst zu musizieren. Gepaart mit Videokonferenzen mit Freunden komme ich so bisher gut durch diese Zeit.

Die Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Pollmeier: Ich denke, Covid-19 lässt uns bewusster wahrnehmen. Sei es ein kurzes Treffen mit Freunden, oder ein abgewandeltes Weihnachtsfest mit der Familie. Dinge die sonst zwischen-Tür-und-Angel gelaufen sind, oder einfach nur schwer vorstellbar waren, sind heute etwas Besonderes. Vielleicht sollte diese bewusstere Art im Umgang mit Anderen auch über die Pandemie hinweg gepflegt werden.

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Pollmeier: Mein Lieblingsort ist sicher der Holter Wald. Eine große Runde mit unserem Hund im Wald vermittelt gleich Ruhe und Gelassenheit. Zwar ist deutlich zu merken, dass mehr Menschen im Wald unterwegs sind, dennoch gibt es immer noch abgelegene, ruhige Ecken.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Pollmeier: Da ich beruflich schon viel lese, ist meine Motivation dafür nach Feierabend eher gering. Zwar nehme ich mir immer mal wieder vor einen Klassiker zu lesen, aber geschehen ist bisher noch nichts. Leider wird meine Ausrede „Dafür habe ich im Moment keine Zeit!“ in diesen Zeiten auch nicht anerkannt. Dafür arbeite ich mich immerhin durch Notenbücher. Ob Beethoven, Chopin Pop, oder Jazz – ganz egal!

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Pollmeier: Ich denke die Normalität wird uns letztlich schneller wieder einholen, als wir es jetzt denken. Natürlich wird es noch einige Zeit dauern, bis bestimmte Dinge wieder „normal“ werden. Anfangs werden große Veranstaltungen sicher wieder unheimlich und ungewohnt. Ein „Geschiebe“ in den Gängen auf Pollhans wird sicher eine Überwindung – aber ob wir darauf auch in fünf Jahren noch verzichten werden? Früher oder später werden wir es uns nicht mehr vorstellen können, was es heißt, im Lockdown zu leben.

Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?

Pollmeier: Ich würde dem Coronavirus sagen, dass wir uns von einem Molekül vergleichbar simpler Struktur nicht aufhalten lassen werden. Im Vergleich zu jeder anderen Pandemie der Geschichte, können wir dem Coronavirus soviel entgegensetzen, wie noch nie. Unsere heutigen Möglichkeiten und Methoden ermöglichen eine Pandemiebekämpfung die beispiellos ist. Bei all den gemeinsamen Anstrengungen wird sich auch das Coronavirus nicht ewig halten können!

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