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Glaskünstlerin Cristina Zanotti überarbeitet behutsam das Fenster der Konfirmanden der Friedenskirche

Perspektive fürs letzte Abendmahl

Schloß Holte-Stuk...

Am Ende des Jahres 2022 werden mehr als 1200 Konfirmanden die Friedenskirche in Stukenbrock gestaltet haben. Darauf ist Pfarrer Reinhard E. Bogdan sehr stolz. Das vorletzte Fenster, das der Konfirmandenjahrgang 2020 gestaltet hat, hängt als papierner Entwurf gleich zweimal vor den Fenstern, wo später einmal die mit Bleiglas gefassten Buntfester strahlen werden. Und das hat einen Grund. Reinhard Bogdan stellt den Entwurf der Konfirmanden vor und den überarbeiteten Entwurf der Glaskünstlerin Cristina Zanotti. „Cristina Zanotti gibt dem Entwurf den letzten Schliff“, sagt Bogdan.

Monika Schönfeld

In der Friedenskirche kann man sich selbst ein Bild davon machen, wie sich das Fenster der Konfirmanden perspektivisch und in den Proportionen verändert: Links der Entwurf der Konfis, rechts zeigt Cristina Zanotti das überarbeitete Motiv. Foto: Monika Schönfeld

Reinhard E. Bogdan hatte die Idee, Konfirmanden an der Gestaltung der Kirche teilhaben zu lassen aus seinem Vikariat in der Arche-Noah-Kirche Bielefeld-Schröttinghausen mitgebracht. Die ersten Fenster aus den Jahren 1991 bis 1994 wurden nach dem Umbau der kleinen Wohnzimmerkirche 2012 in der Friedenskirche an die rechte Wand gehängt. Die Fensterfront links vom Eingang ließ Platz für sechs Fenster, der Altarraum für drei. Im Altarraum links ist das Osterfenster (2012), rechts das Weihnachtsfenster (2014) und das dreieckige Buntfenster über dem Altar symbolisiert den Heiligen Geist. Die ersten vier Fenster an der linken Seite des Kirchenschiffs zeigen die Taufe Jesu, die Bergpredigt, das Seelsorgefenster und den Einzug nach Jerusalem (2020). Das letzte Abendmahl wird das nächste, die Kreuzigung das letzte Fenster darstellen.

Am Entwurf der Konfis zeigt Cristina Zanotti Pfarrer Reinhard E. Bogdan, dass die Hände nicht ausgearbeitet sind. „Das kann man ohne entsprechende Ausbildung auch gar nicht“, sagt sie. Foto: Monika Schönfeld

„Wir haben gedacht, wir können das selbst machen“, berichtet Reinhard Bogdan. Dann habe er aber gemerkt, dass das eine naive Einstellung ist. Schließlich stellen bleiverglaste Fenster ganz hohe Ansprüche an die Gestaltung. „Zuerst wollten wir mit einem Professor für Glasmalerei zusammenarbeiten. Der wurde krank. Ein Künstler aus Detmold hat es gleich beim ersten Termin mit den Konfis verscherzt. Dann sind wir auf Cristina Zanotti gestoßen.“ Cristina Zanotti (55) hat in Mailand studiert und lebt in Schloß Holte-Stukenbrock. Sie ist verheiratet mit Wilhelm Gunkel, einem der drei Gesellschafter des Glasunternehmens TGK an der Helleforthstraße.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, die Ideen, die die Jugendlichen entworfen haben, zu schützen. Ich korrigiere nur ein bisschen die Perspektive, die Proportionen, Hände und Faltenwurf. Die Linie, das Konzept der Jugendlichen muss authentisch bleiben. Wie auch die Symbolik, die sie ausdrücken.“ Cristina Zanotti legt großen Wert darauf, dass der Entwurf auch der der Konfirmanden bleibt. „Es ist nicht mein Projekt.“

In der Friedenskirche kann man in Originalgröße die Entwürfe aus Papier vergleichen, die an Fenster Nummer fünf und sechs hängen. „Ich bin das Brot des Lebens“ ist der Titel des letzten Abendmahls. „Es ist deutlich zu sehen, wie viele Gedanken sich die Jugendlichen gemacht haben“, sagt Bogdan. Bei allen neueren Fenstern ist Maria Magdalena mit dunklen Haaren und rotem Gewand dabei. Im Auferstehungsfenster steht sie, sie kniet nicht, wie sie oft dargestellt wird. „Maria Magdalena hat als erste das Ostergeschehen berichtet“, sagt der Pfarrer. Und seine Konfirmanden sind durchgängig der Meinung, dass Jesus von Nazareth Frauen und Männer gleich behandelt hat. „Maria Magdalena wird als Apostelin der Apostel bezeichnet, sie war vermutlich die Hauptapostelin. Nach biblischer Darstellung war Maria Magdalena nicht beim letzten Abendmahl dabei. Die Konfirmanden sind aber die Meinung, dass sie sehr wohl hätte dabeisein können. Die Bibelschreiber könnten sie vergessen haben.“ Sie sitzt jetzt am Tisch, zur Rechten des Sohns Gottes. „Da hätte sie hingepasst.“

Genial sei die Idee der Konfirmanden, ein Fenster im Fenster zu schaffen. Einen Tag vor Karfreitag sieht man auf den Berg Golgatha. Drei leere Kreuze geben eine Vorahnung auf das, was kommen wird. „Das ist ein bewusster Bruch mit der Ikonografie, die das leere Kreuz als Kreuz des Auferstandenen sieht. Hier ist es der Blick auf die nächsten 24 Stunden. So völlig unevangelisch wie Maria Magdalena am Tisch.“

Den Entwurf, den Cristina Zanotti in Abstimmung mit den 22 Konfirmanden überarbeitet hat, kommt demnächst zur Glasmalerei Peters. Nächstes Jahr wird eine Abordnung nach Paderborn reisen, um die Farben auszusuchen. „Wir wollen das Fenster zum Nachholtermin der Konfirmation am 17. Mai 2021 präsentieren. Die Konfirmanden haben beschlossen, den Termin nochmals auf August zu verschieben, wenn im Mai die Coronabeschränkungen noch nicht vorbei sind.“ Solch ein Fenster kostet etwa 10.000 Euro. Das Geld wird von den Konfis und ihren Eltern „erwirtschaftet“ mit Kaffee- und Kuchenverkauf. Das ist dieses Jahr wegen Corona flach gefallen. „Für Spenden sind die Konfis bestimmt dankbar“, sagt der Pfarrer.

Das letzte, das Kreuzigungsfenster, wird der Konfijahrgang entwerfen, den Pfarrer Bogdan als erste Konfi-3-Gruppe hatte. Das bedeutet, dass er diese jungen Menschen schon als Drittklässler an die Kirche herangeführt hat. „Sie haben damals schon gefragt, ob sie auch ein Fenster gestalten dürfen.“ Sie dürfen – und Christian Zanotti wird auch ihnen dabei helfen, die Figuren in die richtige Perspektive zu setzen.

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