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Sennebahn soll in ferner Zukunft ohne Diesel fahren und öfters halten

Projekt mit Fernziel 2045

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Eine Sennebahn , die nicht mehr dieselbetrieben durch Schloß Holte-Stukenbrock fährt und an mehreren Haltestellen Personen aufnimmt – diese Vision dürfte bis zu ihrer Realisierung rund ein Vierteljahrhundert lang dauern. Dennoch fasste der Ordnungsaussschuss am Montagabend einen einstimmigen Beschluss, das Projekt „auf die Schiene zu bringen“, wie es Bürgermeister Hubert Erichlandwehr formulierte.

Dirk Heidemann

Noch fährt die Sennebahn mit Diesel, langfristig könnte die Bahn aber elektrifiziert angetrieben werden. Einstimmig fasste der Ordnungsausschuss den Entschluss, das „Leuchtturmprojekt“ voran zu bringen. Foto: Monika Schönfeld

Basis für den Startschuss dieser Initiative war ein Antrag der FDP-Fraktion auf Elektrifizierung der von der Nordwestbahn betriebenen Sennebahn. „Das ist ökologisch, zudem würden die Schrankenschließzeiten verkürzt und es könnten auch mehr Haltestellen entstehen“, begründete David Luge (FDP) den Antrag. Bereits Anfang 2019 hatten sich alle Fraktionen positiv zu diesem Thema geäußert: „Daher wollen wir uns auch nicht mit fremden Federn schmücken.“

Realistische Bewertung

Doch bei allem Zusammenhalt wurde schnell deutlich, dass es sich bei diesem extrem ehrgeizigen Vorhaben um Zukunftsmusik handelt, die noch der nächsten Politiker-Generation in den Ohren klingen dürfte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Projekt bei der Deutschen Bahn in den nächsten 20 Jahren durchzubringen ist“, gab Lars Pankoke (CDU) zu bedenken und bat um eine realistische Bewertung, zumal die Bahnstrecke ja erst 2015 ausgebaut worden sei. „Bei einer möglichen Elektrifizierung könnte die Sennebahn 160 km/h fahren. Das gibt der Schienenkörper gar nicht her und die Schrankenschließzeit würde sich sogar erhöhen, da sich die Frequenz verdoppeln könnte.“ Dennoch gab die CDU-Fraktion für dieses „Leuchtturmprojekt“ (Pankoke) ihre Zustimmung, „auch wenn es ein Vierteljahrhundert dauern wird.“

Vor diesem Hintergrund brachte Britta Rusch (CSB) eine wasserstoffbetriebene Bahn ins Spiel, die bereits bei einem Pilotprojekt im Raum Cuxhaven/Bremen erprobt wird, als zukunftsorientierte Antriebsart ins Spiel. Alternative Antriebsarten und der Einsatz erneuerbarer Energien wurden daraufhin mit im Beschlussvorschlag verankert, dem auch die SPD-Fraktion „mit Bauchschmerzen“ (Bruno Schmidt) zustimmte. Das stellvertretende Ausschussmitglied befürchtet, dass die Bahnstrecke auch für den Güterverkehr attraktiv werden könnte. „Und den möchte ich auf keinen Fall in Schloß Holte haben“, sagte Bruno Schmidt.

Nachbarn mit ins Boot

Klar ist, dass von Schloß Holte-Stukenbrock nur eine Initialzündung ausgehen kann und die Nachbarkommunen mit ins Boot geholt werden müssen. Das sieht auch der Bürgermeister so. „Ich glaube, dass wir Dritte brauchen. Unsere Verwaltung alleine kann die inhaltliche Aufarbeitung nicht übernehmen“, so Hubert Erichlandwehr. Ziel müsse es sein, das Projekt über die Landesregierung in den Bundesverkehrswegeplan zu bekommen. Denn am Ende soll etwas Großes entstehen. „Wahrscheinlich reicht nicht einmal eine Schiene“, blickt nicht nur Hubert Erichlandwehr schon weit über den Tellerrand hinaus.

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