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Fahrlässige Tötung: 19-jähriger Bielefelder muss Sozialstunden leisten

Schuldig gesprochen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Wegen fahrlässiger Tötung ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Bielefeld ein 19-Jähriger schuldig gesprochen worden. Der Bielefelder hatte am 6. August 2018 auf der Bielefelder Straße einen Unfall verursacht, bei dem ein Lette (57) starb.

Monika Schönfeld

Beim Unfall auf der Bielefelder Straße starb am 6. August 2018 ein 57-Jähriger. Er war in seinem VW Passat von dem damals 18-jährigen Touran-Fahrer erfasst worden, der aus ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn gekommen ist. Foto: Bernd Steinbacher

Das Urteil wurde nach dem Jugendrecht gesprochen. Richterin Muna Eid ließ keinen Zweifel daran, dass der damals 18-Jährige den Tod eines Menschen verursacht hat. Er muss 100 Sozialstunden leisten, die Fahrerlaubnis, die nach dem Unfall einbehalten wurde, wird für ein weiteres Jahr entzogen. »Krempeln Sie das Urteil um in etwas Gutes. Erzählen Sie Gleichaltrigen, wie es sich anfühlt, wenn man einen Menschen getötet hat«, sagte die Richterin. »Sie haben entweder gedaddelt, am Navi etwas eingestellt oder waren sonst wie abgelenkt oder haben ein eingeschränktes Gesichtsfeld. Sie dürfen jetzt keinen Führerschein haben«, so die Richterin.

Auf dem Weg zur Werkstatt

Der damals 18-Jährige hatte ein Auto gekauft und wollte es in einer Selbsthilfewerkstatt in Augustdorf überprüfen klassen. Sein Vater fuhr mit dem gekauften Auto vorweg, der 18-Jährige folgte im Auto seines Vaters, einem VW Touran. Gegen 14.50 Uhr ist der junge Mann in einer leichten Rechtskurve nach links auf die Gegenfahrbahn gekommen und dort mit dem VW Passat frontal zusammen gestoßen, den der 57-jährige Lette fuhr. Der landete im Straßengraben und wurde von der Feuerwehr per Crashrettung aus dem Fahrzeug geholt. Er starb kurz danach im Rettungswagen.

Ungeklärt ist, warum der junge Mann von der Fahrbahn abgekommen ist. Ein Handy hat die Polizei im Auto nicht gefunden. Das sei kaputt gewesen und zu Hause geblieben. Er könne sich an nichts erinnern, bis er im Krankenhaus zu sich gekommen sei.

Nicht zu schnell

Ein Dekra-Sachverständiger sagte aus, dass beide Fahrzeuge nicht zu schnell gefahren sind. An dieser Stelle, etwa 600 Meter vor der Kreuzkrug-Kreuzung, gilt Tempo 70. Es war an dem Tag heiß, 30 Grad, die Straße war trocken. Dass der Unfallverursacher von der Sonne geblendet worden sein könnte, schließt er aus. Er hatte keine Zeit zu reagieren, Bremsspuren gibt es nicht.

Der Lette war nicht angeschnallt – aber selbst wenn, wäre er vermutlich gestorben. Eine Gerichtsmedizinerin berichtete, dass das Unfallopfer verschiedene Brüche hatte, Milz, Leber und die Bauch-Hauptschlagader gerissen war. Eine oder die Kombination mehrerer dieser Verletzungen war die Todesursache. Ausgesagt hat auch ein Zeuge, der direkt hinter dem späteren Opfer gefahren war.

Der Angeklagte selbst wurde schwer verletzt, hat Schlüsselbein und Handgelenk gebrochen, leidet unter der psychischen Last, hat Schlafstörungen und weint oft. »Es tut mir von Herzen leid«, sagt der Angeklagte.

Gute Sozialprognose

Eine Mitarbeiterin des Jugendamts berichtet, dass der heute 19-Jährige, inzwischen Vater von drei Kindern, die deutsche und albanische Staatsangehörigkeit hat. Nach dem Hauptschulabschluss hat er als ungelernte Kraft als Gebäudereiniger gearbeitet. Er plane, eine Ausbildung zu machen. Die so genannte Sozialprognose sei gut, er habe sich bisher nichts zuschulden kommen lassen. Zurzeit ist er krank geschrieben, seine Familie lebt von Sozilalleistungen und Kindergeld, er kümmere sich um seine Kinder.

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