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Helma Tacke hört nach 51 Jahren als Organistin auf: Abschiedsgottesdienst am Samstag

Sie spielte Ave Maria und Pink Floyd

Schloß Holte-Stuk...

Es ist das Ende einer Ära.

Uschi Mickley

Nach 51 Jahren hört Helma Tacke, hier daheim am eigenen Klavier, als Organistin auf. Am Samstag wird sie in der Advents-Abendmesse verabschiedet. Foto: Uschi Mickley

51 Jahre saß Helma Tacke an der Orgel der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Nun beendet sie ihre Tätigkeit als Organistin. Von der Musik wird sie sich niemals verabschieden, aber von ihrem Wirken in der Gemeinde. Das fällt ihr schon sehr schwer, ist sie doch mit den Menschen und der „Königin der Instrumente“ eng verbunden. „Es war eine anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit. Immer wieder gab es wundervolle Momente“, blickt sie zurück.

Doch sie steht im 84. Lebensjahr und hat mit dem jungen Jona Altemeier den richtigen Nachfolger gefunden. Am Samstag, 12. Dezember, wird Helma Tacke ab 17 Uhr in der Advents-Abendmesse der Stukenbrocker Kirche verabschiedet. Musikalisch gestaltet wird die Messe von den anderen Organisten der katholischen Kirchen. Markus Berens, Dominik Mersch, Anno Ottenstroer und Jona Altemeier werden für sie spielen. Neben Solo-Gesang von Luisa Mersch wird mit „Meine Zeit steht in Deinen Händen“ auch ihr Lieblingsstück erklingen.

Der Grund für den Abschied als Organistin in Stukenbrock und Stukenbrock-Senne ist nachvollziehbar. Von zwei Operationen am Bein erholt sie sich nur langsam. Doch immer begegnet man ihr mit einem Lachen im Gesicht. „Ich habe mein Auto verkauft und nun ist es endgültig an der Zeit, mich zu verabschieden“, sagt Helma Tacke, die eigentlich schon aufhören wollte, als sie 80 wurde. Die 83-jährige Mutter von zwei Söhnen ist inzwischen verwitwet.

Menschen mit dem Orgelspiel zu erfreuen, war stets ihr Antrieb. In den Gotteshäusern spielte sie auf Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen. Sie ist Organistin von ungemeiner Bandbreite und Ausstrahlung. „Geschätzt wird sie vor allem für ihre Zuverlässigkeit und ihre Vielseitigkeit. In Stukenbrock stand sie an jedem Sonntag parat. Zu anderen Anlässen spielte sie von Ave Maria bis Pink Floyd alles, was gewünscht war“, sagt ihr Sohn Joachim über sie.

Der Organisten-Dienst jener Zeit war sehr intensiv. Mit ihrem Mann Walter hatte sie einen Ehepartner gefunden, der ihr für den vielschichtigen Einsatz stets den nötigen Freiraum gab. Gemeinsam mit Marlies Mersch hat sie zudem über 13 Jahre die Stukenbrocker Theatertanten geleitet. Am Klavier hat die außerdem den Frauenkarneval der Kfd 33 Jahre lang begleitet. Auch die musikalische Nachwuchsarbeit war ihr stets ein Herzensanliegen. Den Frauenchor Schola, den sie über 40 Jahre leitete, gab sie vor drei Jahren auf. Sie konzentrierte sich stattdessen auf die Förderung des jungen Chores „TonArt“, der aus ihrer eigenen Formation hervorgegangen ist.

Herzlichkeit in der Begegnung mit anderen Menschen zeichnet sie aus. Zu den vielen Pfarrern, mit denen sie in dem halben Jahrhundert zusammen gearbeitet hat, pflegte sie stets eine gute Verbindung. „Offenheit und Klarheit waren mir sehr wichtig“, betont sie im Rückblick. Doch scheute sie auch nicht vor deutlichen Worten zurück, wenn sie es für erforderlich hielt.

Das Leben von Helma Tacke ist von Kindheit an eng mit der Orgel verbunden. Sie kam in Gütersloh zur Welt und verlor ihre Eltern früh. Von Onkel und Tante wurde sie in Rheda-Wiedenbrück groß gezogen. Ihr Ziehvater war ein bekannter Organist. Von ihm erlernte sie das Spiel an Klavier und Orgel. Im Jahr 1968 trat sie die Stelle als Organistin in der der Pfarrkirche St. Johannes Baptist an. Als Pfarrer Huckschlag sie seinerzeit fragte, ob sie den Dienst übernehmen könne, habe sie spontan zugesagt.

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