Kaum neue Windräder in NRW – Wörmann-Team baut alte Anlagen zurück und recycelt sie

„So klappt die Energiewende nicht“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es ist eine vom Staat gelenkte Öko-Katastrophe. Das sagt Nils Wörmann (35), Chef des Wörmann-Teams aus Schloß Holte-Stukenbrock, der alte Windenergieanlagen zurückbaut und recycelt. „Die Energiewende ist nicht zu packen“, sagt der Unternehmer. Das liege an der Ausschreibungspraxis, an den Klagen von Bürgerinitiativen gegen Windkraft und an den Abstandsflächen. „Wir setzen in Deutschland auf E-Autos und das smart Home, aber der Strom soll aus der Steckdose kommen.“

Monika Schönfeld

Ein spektakuläres Bild, wenn der „Stern“ einer Windkraftanlage abgenommen wird. Das Wörmann-Team zersägt die Blätter direkt vor Ort, Stäube werden mit Wasservernebelung Foto: Nils Wörmann
Nils Wörmann und sein Team bauen Windkraftanlagen zurück und recyclen Wertstoffe. Foto: Monika Schönfeld

Nils Wörmann hat 2002 als damals 17-Jähriger seine Firma gegründet, mit Garten- und Landschaftsbau angefangen, sich schnell auf Streckenausbau für Windkraftanlagen-Transporte spezialisiert. Um die Rotorblätter transportieren zu können, müssen Verkehrsinseln beseitigt, Kreisverkehre überfahrbar gemacht, Ampeln demontiert, Leitplanken beseitigt und Kurven oder Autobahnauffahrten mit Stahlplatten verbreitert werden. Nach dem Passieren des Schwertransports versetzen Nils Wörmann und seine 35 Mitarbeiter alles wieder in den ursprünglichen Zustand. Wörmann verfügt über 3000 Stahlplatten, mit denen mobile Plattenstraßen für Kranausleger gebaut werden.

„Vor zwei Jahren gab es einen Einbruch. Ein Unternehmen aus Norddeutschland hat 70 Prozent der Ausschreibungen gewonnen, aber nicht eine Anlage gebaut. 2019 gab es in NRW nur fünf neue Anlagen.“ Das habe einige Anlagenbauer die Existenz gekostet. „In zweieinhalb Jahren sind in der Branche 45.000 Arbeitsplätze weggefallen – und das, obwohl die Technologie in Deutschland entwickelt wurde.“ Dass nicht mehr gebaut wurde, hat auch das Wörmann-Team wirtschaftlich getroffen. Wo keine neuen Anlagen gebaut werden, braucht man auch keinen Streckenausbau und -sicherung.

Modernes Gerät kommt zum Einsatz. Foto: Nils Wörmann

Die Rettung heißt „Repowering“, der Ersatz von Windenergieanlagen durch neue, leistungsfähigere. „Nach 20 Jahren läuft die Einspeisevergütung aus. Ohne Umlage sind die alten Windmühlen zu klein, um wirtschaftlich zu sein. Nach 20 Jahren werden sie auch anfällig für Schäden am Getriebe, an den Blättern – an allem, was sich dreht. Es gibt Spannungsschäden oder Blitzeinschlag.“ Deshalb geht man dazu über, die Windkraftanlagen zu ersetzen. „Im Windpark Beckum haben wir sechs Anlagen mit insgesamt 5,2 Megawatt Leistung abgebaut. Sie sind durch zwei Anlagen mit 9 Megawatt ersetzt worden. Repowering erfordert keine Ausschreibung.“

Da die Kontinuität bei der Neueinrichtung fehlt, regte ein Kunde an, doch den Rückbau anzubieten. Die alten Anlagen müssen fachgerecht abgebaut und entsorgt werden. Darauf hat sich das Wörmann-Team spezialisiert. Mit der Industrievereinigung RDR Wind (Repowering, Demontage, Recycling) ist eine Norm mit Gutachtern, Ingenieuren und Chemikern für den ordentlichen Rückbau entwickelt worden. „Der Stahlturm kommt in den Schmelzofen, das Fundament wird zu Schotter und im Wegebau wiederverwendet, die Blätter werden vor Ort mit Emissionsschutz ohne Staubentwicklung geschnitten. Das Blatt liegt auf einem Vlies, mit Wasser wird die Säge vernebelt. Das Vlies, das verhindert, dass Stoffe in den Boden gelangen, wird entsorgt, die geschredderten Blätter werden zu Brennmaterial in der Zementindustrie“, sagt Wörmann. Dafür hat er eine Mulde als Lkw-Auflieger selbst gebaut. Sie fasst 7000 Liter Wasser, die Säge, das Stromaggregat und das Vlies. „Wir kommen mit einem Gespann auf die Baustelle.“

Der Flügel wird zersägt. Foto: Nils Wörmann

Die Fundamente seien in Beckum gesprengt worden. „Es gab nur marginale Ausschläge, am nächsten Fundament kam kaum noch etwas an. Sprengen geht schneller, ist wirtschaftlicher und weniger belastend für eventuelle Anlieger, weil es schnell geht.“ An einer Lösung für die Entsorgung von CFK-Blättern (Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) werde gerade gearbeitet. Der erzeuge beim Schneiden lungengängige und damit schädliche Stäube.

Als Begleiter von Schwertransporten ersetzen Mitarbeiter des Wörmann-Teams die Polizei. „Wir dürfen als Hipos, als Hilfspolizisten in Niedersachsen, als bayrische und brandenburgische Verwaltungshelfer arbeiten. Für jede Strecke gibt es ein Roadbook, das vom Landratsamt, von der Straßenverkehrsbehörde oder vom Regierungspräsidium genehmigt werden muss. Die Einweisung erfolgt über die Polizei. Wir fahren mit Gelblicht.“ Jede Nacht seien zehn seiner Fahrzeuge unterwegs. Wörmann arbeitet europaweit. Einem Investor habe er ein Windenergiegebiet gerettet, weil er nachweisen konnte, dass er eine Zufahrt über einen Zubringer schafft, was ihm ein Verwaltungsmitarbeiter partout nicht glauben wollte.

www.woermann-team.de

Bürger-Windanlage

Nils Wörmann hätte große Lust, in Schloß Holte-Stukenbrock, dem Sitz seines Unternehmens, selbst eine Windkraftanlage zu bauen. „Wenn man die Anwohner als Investoren mit ins Boot holt, sie sieben bis neun Prozent Verzinsung bekommen, dann ist ihnen der Schattenwurf egal. Ich habe dem Bürgermeister die Idee eines Bürger-Windparks bereits vorgestellt“, sagt Nils Wörmann. Eine Windmühle im Wald sei inzwischen attraktiv, weil der Ertrag für einen Förster höher sei als der Holzertrag. „Es gibt weite freie Flächen durch das Fichtensterben, das Borkenkäfer und Trockenheit verursacht haben.“ Für ihn seien die Abstandsflächen nicht nachvollziehbar. „In Brandenburg, einem dünn besiedelten Land, steht nur noch 0,3 Prozent der Fläche für Windkraft zur Verfügung.“

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