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Theatertanten huldigen der alten Dorf-Diskothek und treiben ihre Späße

Stimmung im Safari-Club

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Im Safari-Club bei Westhoff hat sich vor mehr als 40 Jahr die Dorfjugend getroffen. Die Theatertanten haben das alte Logo ausgegraben und ihre Bühne in diesem Jahr zum Safari-Club umfunktioniert.

Matthias Kleemann

»Mir tut der Schnaps nicht gut«, singen die »Möckeperlen«: Christiane Hesselmann, Alex Lütkemeier, Vera Widera und Katja Knoche. Zwischen Tisch und Tresen des alten Safari-Clubs spielten diesmal die Sketche. Foto: Matthias Kleemann

Unter diesem Logo haben sie wieder ihre Späße getrieben, mal deftig, mal nett, mal hintergründig und auch mal frech. Und wenns’s schlüpfrig wird, ist die Freude im Saal besonders groß.

Für die Nostalgie haben sie einem jungen Mann eine Perücke aufgesetzt. Marco Brechmann sieht nun aus wie Ilja Richter, und wenn er »Hallo Fans« ruft, antwortet das Publikum brav: »Hallo Ilja«. Dann darf er noch eine Ansage machen: Die Dschingis-Khan-Revival-Band tritt auf und singt zur bekannten Melodie ein Lied über Stukenbrock.

Ein bisschen Lokalkolorit gab’s auch. Cilly Seliger kommt im schicken Schützinnenkostüm auf die Bühne und verkündet, sie sei das erste weibliche Mitglied bei den St.-Johannes-Schützen. Am Tag der Abstimmung habe sie »ganz allein Schlange gestanden. Jetzt bin ich drin!«

Das Leben auf dem Land

»Hier geht doch alles inne Dutten«, jammert sie wenig später. Der Doktor sei weg, der Pfarrer auch. »Die Restgläubigen müssen jetzt immer öfter nache Holte fahren.« Kein Zuckerschlecken, das Leben auf dem Land.

Bei Vera Widera hört sich das anders an. Sie spielt einen stolzen Bauern, der genau weiß, wie er bei der Fahrt mit dem Trecker durchs Dorf seine Duftmarken hinterlässt: »Vorher einmal durch die Kuhscheiße. Das macht schon Spaß. Aber noch besser ist es mit dem Güllefass.«

Gemäht wird nur nachts, damit auch wirklich alle das Wendesignal hören. Sämtliche möglichen Klischees werden bedient. Fazit: »Als Landwirt kannst du noch so richtig deine Hobbys ausleben: Treckerreifen verbrennen, Obstbäume absägen, tote Ferkel in den Garten schmeißen.«

Starker Tobak. Da macht man vielleicht doch lieber eine Reise, vielleicht auf die Spirituosen? Mit Johnnie Walker, Jim Beam und Kai Pirinia. Alex Lütkemeier hat die vielen Namen alkoholischer Getränke auswendig gelernt und in eine Erzählung voller Wortspiele gepackt. Man muss ganz schön aufpassen, um keinen Gag zu überhören. Beispiel: »Der Wind Baileyst mir ins Gesicht. Soll ich dich nach Hause fahren? Nein Danke ich nehm,’ Metaxa.«

Kontaktanzeigen frisiert

In ihrem Element ist Katja Knoche wenn sie die Zeitungstante spielt und Kontaktanzeigen annimmt und frisiert. Da wird aus »Weiblich, 43, unschuldig geschieden, einsam, aaschblond« ganz schnell: »Blondine, nicht ganz unerfahren, wartet sehnsüchtig auf dich«. Den »flotten Mittdreißiger« stutzt sie zurecht. »Kleiner Angestellter mit Bauchansatz«. Aus der Anzeige wird ohnehin nichts, die Ehefrau des Inserenten taucht auf.

Sehr schön auch der Werbespot für »Exquisite Partner«. Er (Katja Knoche) ergeht sich stundenlang über den teuren Wein, den er mitgebracht hat, und was nicht alles an Aromen darin enthalten ist: kubanischer Tabak, schwedische Eichenholztöne, Möckeländer Beere. Sie (Vera Widera) pfeift auf das ganze Gedöns: »Ist da auch Alkohol drin? Lass dich nicht lumpen, hoch die Kumpen.« »Mit Exquisit-Partner wäre das nicht passiert«, tönt es aus den Lautsprechern, doch trotzdem kommt man sich am Ende näher und so lautet die Erkenntnis: Scheiß aufs Niveau.«

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