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Alte Eichen und ein Mühlstein erinnern an ein verschwundenes Gebäude in Schloß Holte-Stukenbrock

Stumme Zeugen vor dem Rathaus

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Das hier muss man sich alles wegdenken.“ Ortsheimatpfleger Günter Potthoff sitzt auf dem Mühlstein zwischen Rathaus und Aula des Gymnasiums. Der und die alten Eichen erinnern daran, was hier stand, als es das Rathaus an dieser Stelle noch nicht gab. Es war die Mahlmühle Grauthoff-Fiekens. Günter Potthoff (73) ist als Kind mit dem Rad auf den Heidepättkes rund um die Mühle gefahren. In seinem Buch „Aus der Geschichte der Wassermühlen in Schloß Holte-Stukenbrock, Verl und Hövelhof“ hat er die Daten zusammen getragen.

Monika Schönfeld

Günter Potthoff erinnert zum Stadtjubiläum 50 Jahre Schloß Holte-Stukenbrock daran, dass sich dort, wo jetzt das Rathaus steht, einst die Dampfmühle Grauthoff-Fiekens befand. Der Mühlstein und die alten Eichen sind noch erhalten. Foto: Monika Schönfeld

Die Mahlmühle Grauthoff-Fiekens war keine wassergetriebene Mühle, sondern eine Dampfmühle. Johann Hermann Grauthoff hat 1865 Maria Fiekens geheiratet und um 1888 die Mahlmühle Kipshagen gepachtet. Anfang 1899 plante er auf seinem Hof den Bau einer eigenen Mühle, die er mit Dampfkraft betreiben wollte. Im Jahr 1900 erhielt er die Genehmigung dafür, einen feststehenden Dampfkessel anzulegen. Das Mühlengebäude wurde direkt ans Wohnhaus angegliedert. Nach dem Tod Johann Hermann Grauthoffs 1911 führten seine Brüder die Mühle weiter, nach 1920 war Anton Grauthoff der Müller, auch Mühlen-Anton genannt (1951 gestorben). Um 1925 eröffnete die Familie auch einen Kolonialwarenladen.

Betrieb einer Schankwirtschaft abgelehnt

Günter Potthoff hat im Stadtarchiv Paderborn weitere Details gefunden. So hat die Witwe Th. Grauthoff 1937 für das Haus Stukenbrock Nummer 86 (Hof Grauthoff) den Betrieb einer Schankwirtschaft beantragt. Sie argumentierte, dass ihr Kolonialwarenladen am Hauptverbindungsweg (heute Holter Straße) zwischen Schloß Holte und Stukenbrock liege, der von Wanderern benutzt werde, die das Naturschutzgebiet Kipshagener Teiche besuchen. Auch die Beschäftigten der im Bau befindlichen Lohmannswerke (später Epping, heute Holtex) würden Getränke kaufen wollen. Die nächste Gaststätte in Stukenbrock liege eine halbe Stunde Wegstrecke entfernt.

200 Mitarbeiter in der der Lohmannschen Fabrik

Diesen Antrag lehnte der Landrat des Kreises Paderborn ab, wie auch 1952 der Antrag von Josef Grauthoff scheiterte. Interessant ist, was er als Begründung angibt, weil man heute eine Vorstellung davon bekommt, wie es damals an dieser Stelle aussah. Offenbar war die Holter Straße nur zum Teil ausgebaut. Die Stukenbrocker, die als Industriearbeiter in Brackwede und Bielefeld arbeiteten, benutzten die Straße, um zum Bahnhof Schloß Holte zu kommen. Fuhrwerke waren auch zum Güterbahnhof unterwegs. In der Lohmannschen Fabrik waren inzwischen 200 Mitarbeiter beschäftigt, neue Baugebiete seien entstanden, das Naturschutzgebiet Kipshagener Teiche locke Touristen an, die gerne auf ein Bier einkehren würden.

Die Konzessionskommisssion lehnte das aber erneut ab. Begründung: Der Personenkreis, der den Weg benutzt, sei nicht so groß, dass er das Bedürfnis für eine Gaststätte rechtfertigen würde. 500 Meter von den Lohmannswerken entfernt liege die Gaststätte Theobald (heute Calabria an der Bahnhofstraße). Und in der Nähe des Hauses Grauthoff lägen lediglich 10 bis 15 Siedlungshäuser. Die Kipshagener Teiche würden zudem nur wenige besuchen.

1983 entsteht das neue Rathaus

1972 wurde der kleine Laden im Wohngebäude geschlossen. Am 16. Mai 1978 erwarb die Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock die Grundstücke mit Wohnhaus und Mühle und errichtete dort ab September 1983 das neue Rathaus. Im Herbst 1985 wurde es fertiggestellt.

• Restexemplare des 1995 vom Heimat- und Verkehrsvereins herausgegebenen Buches „Aus der Geschichte der Wassermühlen in Schloß Holte-Stukenbrock, Verl und Hövelhof“ sind beim Verein oder bei Günter Potthoff erhältlich.

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